Bruce Springsteen Wrecking Ball-Tour 2012 im RheinEnergieStadion zu Köln

Thomas Kröll 27. Mai 2012 2
Bruce Springsteen Wrecking Ball-Tour 2012 im RheinEnergieStadion zu Köln
DATUM»27.05.2012
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Es ist kurz vor 23 Uhr als Bruce Springsteen wie ein Käfer am Bühnenrand liegt, scheinbar erschöpft und sich von seinem kongenialen Partner, Gitarrist “Little Steven” Van Zandt, Wasser auf das ohnehin schon komplett durchgeschwitzte Hemd tropfen lässt. Vor ihm tanzt, jubelt, klatscht und brüllt ein ganzes Stadion: “Bruuuuuuce”. Nein, es ist kein Stadion mehr. Es ist eine Kathedrale und Springsteen feiert mit 41.000 Jüngern seine ganz persönliche Rock’n'Roll-Pfingstmesse. Fehlt eigentlich nur noch der Hohepriester des Kölschrock, Wolfgang Niedecken, der sich jedoch entgegen anderslautender Gerüchte heute leider nicht zu seinem Intimus aus New Jersey auf die Bühne gesellt. Doch auch ohne den BAP-Frontmann erlebt das Kölner RheinEnergie Stadion eine absolute Sternstunde. Ach was, eine… am Ende sind es mehr als drei.

Bei aller Euphorie kommt Springsteen auch im vierzigsten Jahr seiner Karriere so bodenständig rüber, wie er es schon 1972 war, als er sein erstes Studioalbum “Greetings From Asbury Park, N.J.” aufnahm. Auf seinem Anfang März erschienenen siebzehnten Album “Wrecking Ball” ist er noch immer der hemdsärmelige Kumpel, Prediger und Mahner, der die amerikanische Realität aus dem Blickwinkel des “kleinen Mannes” betrachtet und nicht aufhört, den Mächtigen dieser Welt den Spiegel vor das Gesicht zu halten. So finden sich mit “We Take Care Of Our Own”, “Death To My Hometown”, das direkt aus den Sümpfen von Alabama zu kommen scheint, “Jack Of All Trades” oder “Shackled And Drawn” nicht von ungefähr gleich eine ganze Reihe neuer Songs in der Setlist. Dass sich Springsteen dabei seit 1999 wieder dauerhaft auf die musikalische Klasse seiner E Street Band um Steven Van Zandt, den zweiten Gitarristen Nils Lofgren, Gary W. Tallent am Bass, Roy Bittan an der Hammond-Orgel, Schlagzeuger Max Weinberg und seine Ehefrau Patti Scialfa (die diesmal allerdings zuhause geblieben ist, um auf die Kinder aufzupassen) als Mädchen für alles verlassen kann, macht die Sache umso besser. Einzig der Sound kann da phasenweise nicht ganz mithalten.

Unterstützt wird die illustre Truppe von drei Backgroundsängerinnen und einer fünfköpfigen Bläser-Sektion, in der Jake Clemons, Neffe des im vergangenen Jahr verstorbenen Clarence Clemons, seinen Onkel mehr als würdig am Saxophon vertritt – zum Beispiel bei seinem eindrucksvollen Solo in “The Ties That Bind”. Als er beim Closer “Tenth Avenue Freeze-Out” minutenlang über die drei gigantischen Leinwände flimmert, verneigt sich das gesamte Stadion noch einmal vor dem “Big Man”, der weder menschlich noch musikalisch zu ersetzen ist. Es ist das anrührende Ende dieser insgesamt 195 Minuten langen Party aus Gospel, Soul und Rock.

Zuvor hat Bruce Springsteen wie gewohnt einige kleine Geschichten erzählt – sogar teilweise auf Deutsch -, er hat unzählige Hände in den ersten Reihen geschüttelt, sich von ihnen tragen lassen, einen kleinen Jungen mit überdimensionierten grünen Kopfhörern auf die Bühne geholt und mit ihm den Refrain von “Waitin’ On A Sunny Day” gesungen. Vor allem aber hat er 29 Songs nicht nur gespielt, er hat sie mit einer Power zelebriert, die man einem “normalen” 62-Jährigen kaum zutrauen würde. Und das ohne Pause. Mehr geht nicht. Der erste Glockenschlag ist “No Surrender”. “Darlington County” veredelt er mit einem Ausflug in “Honky Tonk Woman” von den Rolling Stones. “The River” wird neben “Tenth Avenue Freeze-Out” zum zweiten Gänsehautmoment des Abends. Natürlich fehlt “Born In The U.S.A.” ebensowenig wie etwa “Hungry Heart” oder “Dancing In The Dark”. Und das Moon Mullican-Cover “Seven Nights To Rock” feiert in Köln gar seine Tourpremiere. Es sind zwar keine sieben Nächte mehr, die Bruce Springsteen im Rahmen seiner Wrecking Ball-Tour in Deutschland Station macht, aber immerhin darf sich Berlin am 30. Mai noch auf eine Zugabe freuen.

Für die Domstadt ist es ohne Zweifel eine denkwürdige Nacht geworden. Für das Stadion in Müngersdorf wohl der unvergesslichste Moment seit Milivoje Novakovic’s Siegtreffer zum 3:2 gegen Bayern München im Februar 2011. Der örtliche Fussball-Club ist inzwischen abgestiegen. Bruce Springsteen spielt nach wie vor in der Champions League. Leidenschaftlich, intensiv, voller Energie und in Topform. So wie es sich für den “Boss” gehört. Mit einem Wort: Grossartig!

Setlist:
No Surrender
Two Hearts
We Take Care Of Our Own
Wrecking Ball
The Ties That Bind
Death To My Hometown
My City Of Ruins
Spirit In The Night
The E Street Shuffle
Jack Of All Trades
Atlantic City
Darlington County / Honky Tonk Woman (Rolling Stones)
She’s The One
Working On The Highway
Shackled And Drawn
Waitin’ On A Sunny Day
Apollo Medley
The River
The Rising
Radio Nowhere
We Are Alive
Land Of Hope And Dreams
Born In The U.S.A.
Born To Run
Hungry Heart
Seven Nights To Rock (Moon Mullican)
Dancing In The Dark
American Land
Tenth Avenue Freeze-Out

2 Kommentare »

  1. derDenis 25. Juni 2012 von 18:52 -

    Das sieht ja nach einer menge Spaß aus. Ich freu mich auf London!