Ozzy & Friends – Tour 2012 – Support: Steel Panther & Black Label Society

Thomas Kröll 4. Juni 2012 Kommentare deaktiviert
Ozzy & Friends – Tour 2012 – Support: Steel Panther & Black Label Society
DATUM»04.06.2012
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Eigentlich war das alles ganz anders geplant. Als im November des vergangenen Jahres die Nachricht die Runde machte, dass die Originalbesetzung von Black Sabbath mit Ozzy Osbourne auf Tour gehen würde, war die Euphorie unter den Fans nahezu grenzenlos. Leider sah sich die Band jedoch schon kurze Zeit später gezwungen ihre Pläne wegen Tony Iommis Krebserkrankung zu ändern. Zum Glück ist Tony Iommi mittlerweile wieder auf dem Wege der Besserung und Black Sabbath haben angekündigt schon bald ins Studio zurückzukehren, um ein neues Album aufzunehmen. Es wäre das erste der klassischen Besetzung seit 34 Jahren. Die Tour rettete das nicht. Um Fans und Veranstalter nicht noch mehr enttäuschen zu müssen, beschloß Ozzy Osbourne daraufhin einen Großteil der ursprünglich geplanten Black Sabbath-Termine unter dem Motto “Ozzy & Friends” zu spielen. In Deutschland blieb dabei neben dem heutigen Konzert in Dortmund nur noch ein weiterer Termin am 20.06. in Mannheim übrig. Für diejenigen, die es noch immer nicht mitbekommen haben, hängen an den Eingängen zur Westfalenhalle Plakate mit dem Hinweis, dass hier heute eben nicht Black Sabbath auftreten und wer möchte seine Karte an der Abendkasse noch zurückgeben kann. Offenbar haben einige davon Gebrauch gemacht, denn bei Konzertbeginn weisen die Ränge der ursprünglich als ausverkauft gemeldeten Halle doch einige Lücken auf.

Auch für uns beginnt der Tag zunächst anders als geplant. Im Berufsverkehr und bei strömendem Regen brauchen wir für die Strecke von Bonn nach Dortmund über zwei Stunden. Dass die Double-Stadt pleite ist, zeigt sich spätestens beim Bezahlen des Parktickets. 6 Euro! Eine Frechheit! So lassen wir die erste Vorgruppe Steel Panther zugunsten eines Bieres und einer Bockwurst sausen und gesellen uns erst zum zweiten Support, Black Label Society, zur bereits gut angeheizten Menge. Das Publikum ist erstaunlich bunt gemischt. Natürlich sieht man jede Menge grimmig dreinblickender Kuttenträger (im Fußball würde man sie “Althauer” nennen), langhaarige Mitt- bis Endzwanziger, aber auch viele, die ihre Matte inzwischen verloren und es sich offensichtlich im Gutbürgertum gemütlich gemacht haben. Sie alle erwarten mehr oder weniger gespannt das langjährige Ozzy-Bandmitglied Zakk Wylde und seine Combo. Um kurz vor halb neun stürmt der als Indianer kostümiert an den mit Totenköpfen verzierten Mikroständer und feuert die erste Gitarrensalve in die Halle. Es folgt eine fette Breitseite nach der anderen, von “Funeral Bell” über “Parade Of The Dead” bis hin zu “Stillborn”. Doch als Zakk Wylde irgendwann zum gefühlten zehnten Mal zu einem minutenlangen Gitarrensolo ansetzt, wird es mir zu blöd und ich gehe eine Zigarette rauchen. Als ich zurückkomme gniedelt er noch immer (oder schon wieder). Die Selbstbeweihräucherung dauert letztlich geschlagene 45 Minuten und hat nur ein Fazit verdient: Langweilig! Umso mehr steigt die Vorfreude auf den “Prince Of Darkness”.

Wer es sich leisten kann vor Showbeginn AC/DC in Dauerrotation vom Band laufen zu lassen, der muß ein ganz Großer sein. Ozzy Osbourne hat in den vergangenen 40 Jahren alleine in seiner Solokarriere mehr als 70 Millionen Alben verkauft und nicht weniger als 42 Platinauszeichnungen erhalten. Um Punkt 21.36 Uhr kündet ein fünfminütiger Film auf der riesigen Leinwand im Hintergrund der Bühne von seinem Kommen. Er zeigt noch einmal zahlreiche Stationen aus seiner und der Karriere von Black Sabbath. Es folgen ein paar Pyrokracher, dann Ozzy, der begeistert empfangen wird, und schließlich “Bark At The Moon” als Opener. Ozzy ist überraschend beweglich, er hüpft und rennt (okay, später trippelt er nur noch) und animiert fast pausenlos die Fans (“Let the madness begin”). Außerdem ist er heute wirklich gut bei Stimme. Besonderen Spass hat er daran, die ersten Reihen mit einer Art Kanone komplett einzuschäumen und gegen Ende des Sets noch ein paar Eimer Wasser hinterher zu kippen. Weiter geht es mit “Mr. Crowley” oder “Killer Of Giants”, einigen Pyroeffekten, bevor mit “Rat Salad” der erste Black Sabbath-Song ertönt. Die Stimmung wird enthusiastisch.

Unterstützt wird Ozzy von einer grossartigen Band: Adam Wakeman an den Keyboards, Rob “Blasko” Nicholson am Bass, Gitarrist Gus G. und Drummer Tommy Clufetos, der sein Kit wie ein Berserker bearbeitet und zwischendurch ein fulminantes Solo auf die Felle legt. Zu “Iron Man” kommt dann niemand geringeres als Black Sabbath-Bassist Geezer Butler zu ihnen auf die Bühne. Die Halle steht Kopf, insbesondere als mit “War Pigs” (das Ozzy dem erkrankten Tony Iommi widmet) und “N.I.B.” zwei Kassiker folgen. Jetzt wird gerockt bis der Arzt kommt. Dummerweise darf auch Zakk Wylde nochmal mitspielen, der bei “Fairies Wear Boots” gleich wieder hemmungslos rumgniedelt. Ozzy beschießt in der Zwischenzeit lieber die Fotografen im Graben vor ihm mit seiner Schaumkanone, glücklicherweise ohne größere Materialschäden, wie mir der Kollege Rainer Keuenhof hinterher berichtet. Einige von ihnen haben sich in weiser Voraussicht schon vorher mit Regencapes ausgestattet.

Das Finale hat es noch einmal in sich. Nach “I Don’t Want To Change The World”, “Crazy Train” und “Mama, I’m Coming Home” gibt es den Kultsong, auf den alle gewartet haben: “Paranoid”. Ozzy ist sichtlich gerührt angesichts der Sympathien, die ihm dafür entgegenschlagen. Eine geballte Portion Pyro beschließt dann nach 100 Minuten standesgemäß den Abend. So endet ein in jeder Hinsicht feuchtfröhliches Konzert. Das größte Kompliment, das man Ozzy Osbourne dafür aussprechen kann, lautet wohl: Black Sabbath hätten es auch nicht viel besser machen können.

Setlist:
Bark At The Moon
Mr. Crowley
Suicide Solution
I Don’t Know
Killer Of Giants
Shot In The Dark
Rat Salad
Iron Man
War Pigs
N.I.B.
Fairies Wear Boots
Into The Void
I Don’t Want To Change The World
Crazy Train
Mama, I’m Coming Home
Paranoid

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