Sharon van Etten “Europatour 2012″ in der Prinzenbar in Hamburg

Sascha 29. Mai 2012 Kommentare deaktiviert
Sharon van Etten “Europatour 2012″ in der Prinzenbar in Hamburg
DATUM»29.05.2012
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Fast schüchtern steht die US-Amerikanerin Sharon Van Etten in der Prinzenbar auf der Bühne, als sie in ihr Hansestadtdebüt startet. Die zarte Verwegenheit dauert jedoch nur wenige Sekunden. Spätestens als Van Etten entschlossen in ihre kraftvoll-böse abgestimmte E-Gitarre greift, sind sie, ihre Band und das Publikum mitten im betörenden Sturm, der ein Konzert der New Yorkerin ausmacht. Ohne Schnickschnack und mit viel gewaltigem Soundnachdruck zelebriert Van Etten ihre Stücke und wirkt dabei rockiger, als auf Platte. Nicht verwunderlich und sehr willkommen diese kleine Richtungsänderung.

Ihr Hauptaugenmerk hat Sharon Van Etten auf ihr aktuelles Werk “Tramp” gelegt. Das hindert die Amerikanerin allerdings nicht daran, auch ganz alte Nummern herauszuholen, die sie laut eigener Aussage schon lange nicht mehr live präsentiert hat. Dass sie dabei dann in der Mitte des Tracks scheitert, verzeiht die sehr gut gefüllte Prinzenbar der Sängerin gern, denn danach geht es ohne Umwege zurück zum hohen Vortragsniveau. Auch mit Akustikgitarre oder E-Harp macht Van Etten im Konzertverlauf eine gute Figur – wundervoller als bei den drückenden Kraftharmonien ihrer E-Gitarren-Tracks wird es jedoch nicht.

Die letzten Minuten des Main-Sets werden mit viel Feedback, Soundexperimenten und Sonic-Youth’scher Grandezza ausgeschmückt – es ist der sperrigste Moment des ansonsten sehr flüssigen Abends. Danach wischt man sich den Mund ab und sucht wieder die Verbindungslinien von zerbrechlicher Melancholie und handfester Indie-Rock-Musik. Sharon Van Etten und ihr Publikum finden sie und vor allem sich. Gegenseitig wird der Auftritt zu einem feinen Erinnerungsfetzen, der einige Zeit überdauern wird. Zufrieden sagt man am Ende „Tschüss” und schwebt noch eine Weile auf den Wellen, die die US-Amerikanerin mitsamt ihrer Band in der Prinzenbar an diesem Dienstagabend so gemacht haben.

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