Fritz Rau
Fritz Rau ist sicherlich einer der wichtigsten Kulturschaffenden im Musikbereich. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz hätten viele ausländische Musiker aus den verschiedensten Genres sicherlich nie den Sprung nach Deutschland geschafft. Viele begeisterte Konzertbesucher haben es also ihm und seinem verstorbenen Kompagnon Horst Lippmann zu verdanken, dass sie ihre Idole auf deutschen Bühnen erleben durften.
Auch hiesige Künstler schätzten die Zusammenarbeit mit Rau, der sich selber gerne schlichtweg als Konzertkartenverkäufer bezeichnete. Für Künstler wie Udo Lindenberg und Peter Maffay ging der gebürtige Pforzheimer stets an seine Grenzen - sowohl gesundheitlich als auch finanziell.
Obwohl er als Geschäftsmann natürlich nie die schwarzen Zahlen außer Acht lassen durfte, sah er es als seine oberste Pflicht an, sowohl im Wohle der Künstler zu agieren, als auch dem Konzertpublikum ein unvergessliches Erlebnis bescheren zu können.
Seine Kundenkartei liest sich wie das Who is Who der internationalen Musikgrößen. Ob Chuck Berry, David Bowie, The Doors, die Stones oder Madonna. Fritz Rau hatte sie (fast) alle.
Dabei war Fritz Rau, der sich vor zwei Jahren im Alter von 74 Jahren aus dem aktiven Geschehen zurückzog, nicht der Typ Popstar, der sich auf eine Stufe mit den internationalen Größen stellte, sondern ein Autodidakt, der nie die Demut vor seinen Künstlern und deren Publikum verlor.
Darüber hinaus legte er auch gesellschaftliches und politisches Engagement an den Tag. So lud er z.B. Mitte der 50er Jahre Ex-Generäle und Militärs in den Heidelberger Jazzkeller „Cave 54“ ein, um zur Aufarbeitung der jüngeren deutschen Vergangenheit beizutragen.
Obwohl der Stress und der wenige Schlaf sicherlich an Rau’s Gesundheit genagt haben und sein Familienleben zu kurz kam, gibt es sicherlich nicht viele Menschen, die auf eine solch interessante, abwechslungsreiche, aufregende und erfolgreiche Karriere zurückblicken können. Jeder Nachahmer hätte es auch schwer, denn Veranstalter gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Und noch dazu wenig Platz für Individualisten.
Rau’s Memoiren sind überaus unterhaltsam. Jeder Musikliebhaber und regelmäßige Konzertgänger wird seine Freude an dem Buch haben. Es gewährt dem Leser einen Einblick in eine 50-jährige Karriere im Backstage-Bereich des Musik-Olymps.
Der einzige Schwachpunkt sind die vielen Zitate. Den vierseitigen Auszug aus Joan Baez’ Biographie hätte man sich z.B. sparen können. Dieses Manko wird jedoch durch die vielen schönen alten Fotos wieder wettgemacht.