A Tribute To The Who

Marcus Hearn

Veröffentlicht: 01.03.2007 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

A Tribute To The Who

The Who gehören zweifellos zu den erfolgreichsten britischen Bands aller Zeiten. Bereits das erste Album von Roger Daltrey, Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon "My Generation" von 1965 begründete ihren Ruf als Ikonen der Beat-Generation. Die wilden Liveauftritte waren geprägt von Townshends Vorliebe seine Gitarren auf der Bühne zu zertrümmern. Die Rockoper "Tommy" (1969) oder "Quadrophenia" (1973) gelten noch heute als Meilensteine der Musikgeschichte. Im September 1978 starb Keith Moon an einer Überdosis Medikamente. In den achtziger Jahren folgten vermehrt Soloprojekte und vereinzelte Versuche, wieder gemeinsam Musik zu machen. Am 27. Juni 2002 starb dann John Entwistle durch einen Herzinfarkt und das Ende der Band schien endgültig besiegelt.

Überraschend erschien im November 2006 nach einer kreativen Pause von fast 24 Jahren mit "Endless Wire" dann ein neues Album von The Who. Roger Daltrey und Pete Townshend gingen sogar wieder zusammen auf Tournee. Ich selbst hatte das grosse Vergnügen The Who im Juli des vergangenen Jahres live in Bonn erleben zu dürfen (Konzertreview findet ihr hier). Für den Sommer 2007 hat die Band eine grosse Europatour angekündigt, die sie im Juni auch wieder nach Deutschland führen wird (fünf Konzerte in Fulda, München, Leipzig, Hamburg und Oberhausen).

The Who 1964 bei einer Fotosession in Covent Garden (Foto: David Magnus).

Es wurde also höchste Zeit, diese wechselvolle Bandgeschichte fotografisch zu dokumentieren. Und wer wäre dafür kompetenter als Rex Features, die führende unabhängige britische Presseagentur für Fotografie?! Bereits seit 1954 liefert Rex Features täglich aktuelle Berichte sowie Bildmaterial aus den Bereichen Show, Musik und Film an britische und internationale Medien. So verfügt die Agentur inzwischen über ein enormes Bildarchiv, gerade aus dem Bereich der Rockmusik. Im Herbst 2006 erschienen bereits die beiden Bücher "A Tribute To Queen" von Ray Tedman und "A Tribute To Sex Pistols" von Jeff Bench. "A Tribute To The Who" ist der erste Bildband über die Band, der in Deutschland veröffentlicht wird. Die deutschen Ausgaben erscheinen dabei exklusiv im Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.

Der britische Musikjournalist Marcus Hearn hat sich dankenswerterweise durch den riesigen Fundus der Rex Collection gegraben. Letztlich hat er etwa 200 Schwarzweiß- und Farbfotos ausgewählt: "Die Kriterien dafür, in dieses Buch aufgenommen zu werden, waren die künstlerische und technische Qualität, aber noch stärker war das Bedürfnis, eine Retrospektive zu präsentieren, die die gesamte Karriere von The Who abdeckt. Und dennoch liegt der Schwerpunkt auf der Glanzzeit der Band in den Sechzigern und Siebzigern, der wir ganz bewusst so viel Platz eingeräumt haben". Der Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag veredelt seine Auswahl auf 160 Seiten, als Premium-Hardcover im Großformat (24 x 30 cm), mit Schutzumschlag und auf fadengeheftetem schwerem Bilderdruckpapier zu einem Schmuckstück, das bei einem Preis von 29,90 Euro geradezu geschenkt ist.

The Who während ihrer Deutschland-Tournee 1967 im Schwarzwald (Foto: Dezo Hoffman).

Hearn zeigt den rasanten Aufstieg von The Who, ihren kommerziellen Erfolg, die Auflösung und Reunion 2006 in absolut authentischen Fotografien. Darüberhinaus hat er zahlreiche Fotos mit Kommentaren versehen, die so manch spannende Anekdote offenbaren. Beispielsweise warum Roger Daltrey 1969 beim Isle-Of-Wight-Festival einen Fan mit seinem Mikrofon ausknockte. Oder weshalb die außergewöhnliche Darbietung von The Who bei "The Rolling Stones` Rock And Roll Circus" die Stones 1968 dazu bewog, ihr geplantes Fernsehspecial auf Eis zu legen (und es erst 1996 komplett zu veröffentlichen). Gerade in diesen Phasen hat der Betrachter übrigens einiges an modischen Geschmacksverirrungen zu überstehen.

Weiterhin zeigt "A Tribute To The Who" Aufnahmen von ihren legendären Auftritten beim Monterey Pop Festival von 1967, in Woodstock 1969 oder beim letzten gemeinsamen Konzert mit Keith Moon. Dazu seltene und bisher unveröffentlichte Fotos von The Who bei Live Aid 1985 oder zwanzig Jahre später bei Live 8 im Londoner Hyde Park, bei Fernsehshows und, und, und... es würde zu weit führen, hier die gesamte Restrospektive aufzuzählen. Aber egal ob farbig oder nicht, doppelseitig oder im Kleinformat, es sind allesamt einmalige Fotos, die eine ganz besondere Zeit einfangen und wieder zum Leben erwecken. Interessant natürlich auch, die einzelnen Bandmitglieder älter werden zu sehen. Ehrlich gesagt, war mir die grosse Nase von Pete Townshend so bisher noch nicht aufgefallen.

Fazit: Ein brillantes Buch über eine brillante Band! The Who sind längst in die Rockgeschichte eingegangen und ebensowenig wie ihre Musik in einer CD-Sammlung sollte dieser Bildband in jedem gutsortierten Bücherregal fehlen. Mehr noch, er sollte einen Ehrenplatz erhalten! "Ich weiß nicht, ob die Noten immer noch genau dieselben sind, die es früher waren, weil ich nun viel älter bin, aber sie sind immer noch gut genug", sagt Roger Daltrey. "Solange das Verlangen da ist, werden wir weitermachen". Ich bitte darum! "Never really passed away. Just ran out of time" steht auf dem Grabstein von John Entwistle. Dies gilt mehr denn je auch für The Who.

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