AC/DC - Hardrock Live - Photos 1976-1980

Wolfgang Heilemann

Veröffentlicht: 01.11.2004 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

AC/DC - Hardrock Live - Photos 1976-1980

Es gibt Künstler, die begleiten einen Menschen seit er (oder sie) denken kann. Also ungefähr ab dem Zeitpunkt, an dem man beginnt, sich für die „richtige“ Musik zu interessieren. Lebende Beweise dafür sind etwa U2, Eric Clapton, die Rolling Stones, Status Quo oder, oder, oder... und AC/DC!

Einmal hatte ich bisher das Vergnügen, die Australier live zu erleben. Das war 1989, damals noch in der altehrwürdigen Kölner Sporthalle. Als Stage-Hand zur Security eingeteilt, stand ich zu Beginn der Show nichtsahnend im Bereich des Mischpultes, als sich plötzlich etwa einen Meter vor mir eine Plattform langsam in die Höhe schraubte. Und auf der stand der leibhaftige Angus! Soweit ich mich erinnere, habe ich den Mund erst zwei Tage später wieder zubekommen. Angus Young verschmilzt beim Gitarrespielen förmlich mit seinem Instrument und sieht dabei fast schon erschreckend diabolisch aus. Wahnsinn! Ein unvergessliches Erlebnis, ein grandioses Konzert!

Es gibt jemanden, der kann da aber noch ganz andere Geschichten erzählen: Der Fotograf Wolfgang „Bubi“ Heilemann. Nachzulesen (und vor allem nachzusehen) sind jetzt einige davon in seinem Buch „AC/DC – Hardrock live – Photos 1976-1980“. In Zusammenarbeit mit der Musikjournalistin Sabine Thomas setzt Heilemann damit vor allem einem Mann ein Denkmal: Bon Scott, dem charismatischen und ersten echten Sänger der Band, dessen tragischer Tod sich 2005 zum 25. Mal jährt.

Es ist ein würdiges Andenken! Wohl niemand lebte das Image von „Sex and Drugs and Rock`n`Roll“ exzessiver aus als Bon Scott. Durch ihn (und seinen Mythos) wurden AC/DC erst zu dem, was sie heute immer noch sind: Eine der härtesten und erfolgreichsten Heavy Metal-Bands aller Zeiten.

Bon Scott verdanken wir so erinnerungsschwangere und zeitlose Songs wie „Highway to Hell“ oder „Ride On“. Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen. Am 19. Februar 1980 starb er viel zu früh in London nach einer seiner nächtlichen Sauftouren an Alkoholvergiftung (auch das Gerücht, er sei an seinem eigenen Erbrochenen erstickt, hält sich bis heute hartnäckig). Es dauerte lange, bis AC/DC diesen Schock überwunden hatten. Angus Young hat einmal in einem Interview gesagt, dass die Band nur deshalb weitermachen konnte, weil sie glaubten, dass Bon Scott ihnen eine Auflösung niemals verziehen hätte. Sie fanden Brian Johnson und mit ihm veröffentlichten sie „Back in Black“, das Tribute-Album für Scott, welches sich bis heute weltweit über 20 Millionen Mal verkaufte. Der Rest ist Musikgeschichte.

Die von AC/DC mit Bon Scott lässt Heilemann auf 208 Seiten wieder lebendig werden. Der Bildband ist aufwendig produziert, mit 200 seiner Fotos, teilweise im Großformat (24 x 30 cm) und als Hardcover mit Schutzumschlag gehalten (das Buch ist wirklich schwer!). 49,90 € erscheinen zwar auf den ersten Blick als ein recht stolzer Preis, sind aber angemessen, wenn man das Buch erst einmal gesehen hat. Und ums „Sehen“ drehte sich schon immer vieles im Leben von Wolfgang Heilemann.

Heilemann war ohne Zweifel einer der gefragtesten Starfotografen der siebziger Jahre. Als Exklusiv-Fotograf von BRAVO bekam er alle der damaligen Superstars vor die Linse. Wahrscheinlich kaum jemand sonst hat die Stars dieser Zeit so hautnah miterlebt und deren Images mitgeprägt wie er. 1980 hängte Heilemann seine Kamera an den berühmten Nagel und wechselte in die Chefredaktion der BRAVO. Später ging er als Regisseur zum Fernsehen, wo er Musiksendungen wie „Bravo-TV“ oder „Formel Eins“ und diverse Features für die ARD drehte.

1976 spielten die damals noch weithin unbekannten AC/DC im legendären Londoner Marquee-Club. Wolfgang Heilemann war dabei und hielt das Konzert photographisch in allen Details fest. Angus Young, wie er dem Publikum seine nackte Kehrseite zeigt, Angus Young, der auf den Schultern von Bon Scott durch das wildgewordene Publikum reitet (die Gitarre natürlich im Anschlag), Malcolm Young, Phil Rudd, Mark Evans, Brian Johnson, sie alle finden ihren Platz im Buch. Heilemann begleitete AC/DC seit jenem Abend immer wieder auf Tour rund um die Welt und seine Fotos zeugen von der unglaublichen Energie der Band. Sie allein stellen schon ein einzigartiges musikhistorisches Dokument dar!

Zudem weiß Wolfgang Heilemann einiges von seinen Erlebnissen mit AC/DC zu berichten (alle Texte sind in Deutsch sowie in Englisch abgedruckt) und bietet so zusätzlich noch einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Er beschreibt, wie er die Australier das erste Mal in London zum Fotoshooting traf, AC/DC erstmals in Deutschland auftraten (und Angus Young mit seiner Gitarre einen kapitalen Kurzschluß verursachte), wie Brian Johnson seinen ersten Auftritt (einen Geheim-Gig in Holland) meisterte oder wie die Aufnahmen in Toronto fast zu einer Sache um Leben und Tod wurden.

In erster Linie aber lässt Heilemann seine Fotos sprechen (und davon gibt es, wie erwähnt, reichlich) – unzensiert sozusagen. Er selbst sagt: „In meiner langjährigen Karriere als BRAVO-Fotograf habe ich Tausende von Live-Gigs erlebt, aber selten hat mich eine Rockband so `elektrisiert´ wie AC/DC. Selbst auf den Live-Fotos spürt man, dass die Jungs im wahrsten Sinne des Wortes unter Strom stehen“.

Genau diese Tatsache macht „AC/DC – Hardrock live – Photos 1976-1980“ zu einem so faszinierenden Buch! Fast möchte man die Zeit um jene 20 oder 30 Jahre zurückdrehen, um noch einmal auf irgendwelchen Parties in irgendwelchen Kellern oder Garagen zu den Klängen von „T.N.T.“ oder „Let there be Rock“ das damals noch kräftig wuchernde Haupthaar zu schütteln...

In der Heilemann-Edition des Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlages sind übrigens darüberhinaus noch „ABBA (Photographien 1974-1980)“ und „Bay City Rollers“ erschienen. Weitere Bücher sind in Vorbereitung!

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