AC/DC High Voltage - Rock'N'Roll: Die ultimative Bildbiografie

Phil Sutcliffe

Veröffentlicht: 12.09.2011 / edel Rockbuch

Von: Thomas Kröll

AC/DC High Voltage - Rock'N'Roll: Die ultimative Bildbiografie

Am Anfang steht ein Rückblick. Wir schreiben das Jahr 1975. Die Rolling Stones, Faces und Mott The Hoople sind künstlerisch am Ende, andere wie die Allman Brothers, The Band oder Creedence Clearwater Revival untergegangen. Der Glam Rock liegt in den letzten Zügen. Stattdessen herrscht Bombast vor. Led Zeppelin, Yes, Emerson, Lake & Palmer oder Pink Floyd stehen mit ihren pompösen Klängen an der Spitze der Charts. Iggy Pop ist währenddessen mal wieder in der Klinik. Doch pötzlich kommen da fünf Australier um die Ecke, treten ihnen allen kräftig in den Arsch und hauchen dem Rock wieder jenen rohen und ungezähmten Geist ein, aus dem er einst hervorgegangen war. Nicht umsonst heißt das AC/DC-Debütalbum von 1975 "High Voltage".

Seit mehr als 35 Jahren stehen diese vier Buchstaben nun schon für eine der erfolgreichsten Rockbands der Musikgeschichte. In dieser Zeit verkauften AC/DC über 200 Millionen Alben, darunter alleine 50 Millionen Exemplare von "Back In Black". Der Londoner Musikjournalist Phil Sutcliffe hat ihre Erfolgsgeschichte in "High Voltage - Rock'n'Roll: Die ultimative Bildbiografie" aufgearbeitet. Es ist nicht das erste Buch über AC/DC, aber ohne Zweifel eines der Gelungensten. Wem der Wälzer "Maximum Rock'n'Roll" von Murray Engleheart und Arnaud Durieux (2007) - quasi die "Bibel" aller AC/DC-Fans - zu umfangreich ist, der bekommt hier alles Wissenswerte der AC/DC-Karriere in Kurzform geboten, angefangen bei ihren Wurzeln in Australien bis hin zu ihrer letzten "Black Ice"-Mammuttour.

Natürlich ist die Bandgeschichte inzwischen hinlänglich bekannt, aber Sutcliffe hat viel Liebe (zum Detail) in sein Werk gelegt. Davon zeugen nicht nur die mehr als 400 Backstage- und Livefotos (schließlich haben wir es mit einer "Bildbiografie" zu tun), Abbildungen von Handzetteln, Konzertplakaten, Backstage-Pässen, Plattencovern und vielem mehr. Es sind teils unveröffentlichte Fotos aus der Frühzeit von AC/DC (Bon Scott mit Bart!) oder von US-Club-Gigs dabei. Dazu gibt es exklusive Kommentare einer Reihe von Genrekollegen (Jimmy Page, Billy F. Gibbons, Joe Perry, Steve Vai, Ace Frehley, um nur einige zu nennen) und ein Nachwort des Def Leppard-Frontmannes Joe Elliott. Das Ganze auf 224 Seiten (im Format 23,5 x 27,6 cm) und - als besonderes Gimmick - mit einer Drehscheibe auf dem Cover versehen, die Angus Young auf dem Rücken liegend über die Bühne wirbeln lässt.

Sutcliffe zeichnet die wichtigsten Stationen des von Triumphen, Tragödien, vor allem aber harter Arbeit und Durchhaltevermögen geprägten Werdegangs von AC/DC in zehn Kapiteln detailliert nach (schließlich haben wir es nicht nur mit einer "Bildbiografie" zu tun). Er wagt sogar einen Exkurs über die Ausrüstung von Malcolm und Angus Young, dem aber wohl nur Spezialisten folgen können. Ich jedenfalls nicht. Ergänzt wird das Buch durch ausführliche Rezensionen aller AC/DC-Alben von "High Voltage" über die "Bonfire"-Box, die Live-Alben bis zu "Black Ice". Ein spezieller Glanzpunkt ist sicherlich die kommentierte Diskografie der australischen, britischen und US-Studio-, Live- und Compilationalben in der Reihenfolge ihres Erscheinens sowie eine (allerdings unvollständige) Liste an AC/DC-DVDs. Und ganz nebenbei lernen wir noch, dass sogar die geschätzten Kollegen des "Rolling Stone" irren können. Die bezeichneten AC/DC nämlich vor 36 Jahren noch als "Weltmeister der Widerlichkeit" und "High Voltage" als "historischen Tiefpunkt des Hardrock"...

Nicht erst seit Phil Sutcliffes gelungener Hommage wissen wir, was wir in Wirklichkeit an AC/DC haben. Randy Bachman bringt es stellvertretend für uns alle auf den Punkt: "Es ist die Schlichtheit dieser drei Akkorde - der drei Akkorde des Rock'n'Roll: A, D und G - das ist alles. Gott segne AC/DC". Der Mann hat Recht. That's the way we wanna Rock'n'Roll! Wer sein erstes Bier nicht zu AC/DC getrunken hat, der hebe jetzt die Hand oder schweige für immer.

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