AC/DC - Maximum Rock`n`Roll

Murray Engleheart und Arnaud Durieux

Veröffentlicht: 02.04.2007 / Heyne Verlag

Von: Thomas Kröll

AC/DC - Maximum Rock`n`Roll

Seit über 30 Jahren sind sie der absolute Inbegriff des Rock`n`Roll: AC/DC. Ihr Name ist eine Abkürzung des englischen Alternating Current/Direct Current (zu deutsch: Wechselstrom/Gleichstrom) und genau so präsentiert sich das Quintett aus Sydney seit dem ersten offiziellen Gig am 31.12.1973. Immer unter Strom! "Wenn es nicht rockt, ist es Scheiße" lautet ein Zitat aus "Maximum Rock`n`Roll" und kaum eine Band hat das jemals mehr beherzigt als AC/DC. Über 150 Millionen verkaufte Alben, triumphale Tourneen und eine gigantische Fangemeinde sind Ausdruck dieser einmaligen Erfolgsgeschichte. Eine Geschichte, die allerdings ebenso von Tiefen, Exzessen und Tragödien gekennzeichnet ist. Und von viel lauter Musik!

Authentisch und vor allem ungeschönt dokumentieren Murray Engleheart und Arnaud Durieux den Aufstieg von AC/DC in ihrem vorliegenden Buch. Durieux lebt als Rockjournalist in New York und verfügt über das grösste Bandarchiv weltweit. Neben seiner journalistischen Tätigkeit berät er die Band bei zahlreichen Projekten. Engleheart, ebenfalls Musikjournalist, verfasste für mehrere AC/DC-Platten die Liner Notes und führte in den vergangenen 25 Jahren mehr als 60 Interviews mit Mitgliedern und Weggefährten der Band. Neben bisher unveröffentlichtem Bildmaterial und Dokumenten aus Durieux` eigenem Archiv sowie Interviews mit Freunden und Kollegen der fünf Australier werteten die Autoren für ihr Buch mehr als 5.000 Artikel und 700 TV- und Radiointerviews aus. Fünf Jahre lang haben sie daran gearbeitet. Herausgekommen ist ein 512 Seiten starker, fesselnder Trip durch das Leben von und mit AC/DC. Ein edler Einband sorgt dafür, dass jeder einzelne Cent der 26 Euro des vom Heyne Verlag veröffentlichten Werkes mehr als gut angelegt ist.

"Maximum Rock`n`Roll" ist mit Sicherheit eines der umfassendsten und besten Bücher, die jemals über AC/DC erschienen sind. Man wird von der Fülle an Fakten und Informationen geradezu erschlagen. Manchmal haben es Engleheart und Durieux in ihrer Begeisterung etwas übertrieben. So ist die Tatsache, dass die erste Zeile der zweiten Strophe von "TNT" eine "Anspielung auf eine australische Fernsehwerbung für Fliegenspray mit einer sehr ekligen Zeichentrickfliege" ist, sicherlich nur bedingt wichtig. Ansonsten aber erfährt der geneigte AC/DC-Fan alles was das Rockerherz begehrt und sicherlich auch noch einiges darüber hinaus. Es würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen, wollte man auf jede der geschilderten Begebenheiten verweisen.

Kurz gesagt verfolgt das Buch den Werdegang der Band von den ganz frühen Tagen, über die legendäre Zeit mit Ronald Belford "Bon" Scott (der allein fast die Hälfte gewidmet ist), seinen Tod am 19.02.1980, den Neuanfang mit Brian Johnson, das bahnbrechende "Back In Black"-Album bis hin zum Legendenstatus, den die Band heute genießt. Man erfährt, woher der Name AC/DC eigentlich stammt, dass Malcolm Young (und nicht wie vielfach angenommen Bruder Angus) der Chef der Band ist, man ist bei zahllosen Konzerten, Studioaufnahmen und privaten Erlebnissen der Fünf bis in deren früheste Kindheit dabei und begleitet AC/DC bei der Megashow in Moskau vom 28.09.1991 vor 1,2 Millionen Zuschauern oder der Aufnahme in die "Rock`n`Roll Hall Of Fame" am 10.03.2003. Jedes Mitglied wird biographisch gewürdigt (und da sind längst vergessene Namen darunter). Engleheart und Durieux schildern, wie es 1983 zum Rausschmiss von Schlagzeuger Phil Rudd kam (der 1994 wieder einstieg) oder dass "She`s Got Balls" der erste AC/DC-Song mit Bon Scott, dem Archetypus eines Rockstars, war und wie es die Band schaffte, nach dessen tragischem Tod weiterzumachen. Ebenso gehen sie auf die zeitweiligen Satanismus-Vorwürfe ein, während derer AC/DC mit "Anti-Christ/Devil`s Child" gleichgesetzt wurde. Und so weiter und so weiter... Dazu gibt es im Anhang noch eine ausführliche Diskografie (Alben, Sampler, Singles, Videos). Wahnsinn! Hat man "Maximum Rock`n`Roll" einmal gelesen, verspürt man grosse Lust gleich wieder von vorne anzufangen. Und ein grösseres Kompliment kann man einem Buch eigentlich kaum machen.

Für Engleheart und Durieux sind AC/DC eine "globale Kulturinstitution". Mit ihrem Mammutwerk haben sie der Band ein beeindruckendes Denkmal gesetzt, das nicht nur AC/DC-Fans hiermit wärmstens zur Lektüre empfohlen sei. "Man ist nie zu alt für Rock`n`Roll" hat Bon Scott einmal gesagt. Gerüchten zufolge arbeiten AC/DC gerade an einem Nachfolger ihres letzten regulären Albums "Stiff Upper Lip" von 2000. Es wird Zeit! Das Warten kann man mit dieser Chronik zwar wunderbar überbrücken, aber wie fragte Brian Johnson schon in der Los Angeles Times vom 12.04.2001: "Wer kann den Platz dieser Band einnehmen, wenn es sie eines Tages nicht mehr gibt?". Die Antwort? Niemand! Oder versucht doch nur mal für einen Augenblick, euch ein Leben ohne AC/DC vorzustellen. Ride on and on and on...  

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