Alice Cooper
Das lässt aufhorchen: Die Biographie von Alice Cooper, dem Schockrocker schlechthin, erscheint im Kosmos-Verlag. Einem Verlag, der normalerweise Kinder- und Jugendbücher sowie Ratgeber und Sachbücher im Programm hat. Wie das? Nun, der Mann, der früher mit bürgerlichem Namen Vincent Damon Furnier hieß, ist nicht nur der Wegbereiter eines ganzen Musikgenres – er ist auch leidenschaftlicher Golfspieler. Und so widmet sich die Autobiographie nicht nur dem musikalischen Werdegang, sie wird auch zum eigenwilligen Golflehrbuch und weist oft darauf hin, wie der vom Erfolg verwöhnte Jungstar den Schritt weg vom Alkohol hin zur neuen Sucht des Golfspielens gepackt hat. Genauso leidenschaftlich, in der Regel ähnlich teuer, aber bei weitem nicht so selbstzerstörerisch.
Alice Cooper hat einen spannenden Schreibstil. Ich gehe auch davon aus, dass er wirklich selbst am Werk war, denn ich finde es auffällig, dass zu Beginn des Buches die Sätze noch sehr kurz sind und der Autor erst im Lauf der ersten Kapitel zu einem flüssigen Schreibstil findet. Also beim Reinlesen nicht abschrecken lassen! Die Story ist überaus spannend. Alice beschreibt seine Kindheit in Detroit, den religiösen Einfluss der Familie (der sich bis heute bemerkbar macht), die ersten musikalischen Gehversuche als The Earwigs und The Spiders. Wir erfahren, wie Frank Zappa die jungen Musiker unter seine Fittiche nahm und in die Szene einführte, wie eng die Freundschaft zu den Mitstreitern Pink Floyd war und welche Relevanz die Rekrutierung von Shep Gordon als Manager für den Werdegang der Band hatte.
Auch mit einigen Vorurteilen wird aufgeräumt: Wer wurde noch nie entsetzt angeschaut, wenn er Alice Cooper als Lieblingsband aufzählte? „Was? Die schlachten Hühner auf der Bühne und trinken Fledermausblut!“ In Wirklichkeit war es Shep, der das Huhn auf die Bühne werfen ließ – und Alice warf es irritiert in die Menge zurück die es zerfetzte. Die Boulevardpresse bauschte den Vorfall ins Unermessliche auf, und da Zappa den Jungs empfohlen hatte, nichts richtig zu stellen, wurden die Gerüchte immer kurioser. Ebenso lüftet Alice auch das Geheimnis der Schlange auf der Bühne. Der Blick hinter die Kulissen ist absolut umfassend und führt in kleinen Abschnitten bis zur Gegenwart. Die wilden 70er nehmen aber deutlich den größten Raum ein. Es ist schon ein philosphischer Moment, wenn der Psychiater nach einem Totalabsturz feststellt, dass die Bühnenfigur Alice Cooper keinen Alkohol trinkt, während sein Schöpfer Vincent den ganzen Tag säuft. „Als Schöpfer dessen, was ich für das Monster hielt, war ich das wahre Monster, das mit dem Problem.“
Die Kapitel zum Golfspiel sind interessant zu lesen und es wird klar, dass alle Tipps auch allgemeine Lebensratgeber sind und sich nicht nur dem Spiel widmen, das hier oft als Gleichnis fürs Leben gebraucht wird. Ein kurzer und dennoch hilfreicher Golfkurs sowie ein Glossar runden diesen Teil des Buches ab und geben ihm zumindest ansatzweise auch den erwünschten Sachbuchcharakter.
„Golf Monster“ beschreibt mit eindringlichen Worten das Lebe eines der interessantesten Musiker unserer Zeit und spinnt Fäden in viele Richtungen. Es liest sich sehr spannend und macht den Menschen Alice Cooper, den Lebenskünstler, ungemein sympathisch.