Wacken Roll - Das größte Heavy Metal-Festival der Welt

Andreas Schöwe

Veröffentlicht: 06.07.2009 / Hannibal-Verlag

Von: Andreas Weist

Wacken Roll - Das größte Heavy Metal-Festival der Welt

Das erste August-Wochenende ist seit Jahren im Terminkalender vieler Metalfans rot markiert und damit für alle eventuell anstehenden anderen Einträge geblockt. Der Szenekenner weiß sofort, warum das so ist: Das Wacken Open Air steht an. Zum 20. Mal zieht das Festival in diesem Jahr Metalbegeisterte aus der ganzen Welt an. Die Anfänge 1990 waren mit 800 Gästen noch recht beschaulich. Inzwischen gilt das Ereignis aber als größtes Metalfestival der Welt und lockt dieser Tage um die 75.000 Zuschauer in den sonst so beschaulichen Norden Deutschlands – genauer gesagt in die 1800-Seelen-Gemeinde Wacken, 50 km nordwestlich von Hamburg gelegen.

Der Dokumentarfilm "Full Metal Village" zeigte vor drei Jahren schon eindrucksvoll die Auswirkungen, die dieser Massenauflauf auf das kleine Dörfchen in Schleswig-Holstein hat. Und pünktlich zum Festivalstart zieht in diesem Jahr Autor und Journalist ("Metal Hammer") Andreas Schöwe nach, um in einem ausführlichen Taschenbuch die Hintergründe zu beleuchten. "Laut, aber friedlich", heißt die Devise – und besser kann man die zwei Welten, die hier jährlich für kurze Zeit aufeinander treffen, kaum beschreiben.

Schöwe beginnt mit einem kurzen Abriss zur Gemeinde Wacken und wendet sich dann der Geschichte des Festivals zu. Die Historie gliedert sich in vier Teile beginnend mit der Anfangszeit (90-94) und der Idee, endlich mal einige Rockacts in die Heimat zu lotsen anstatt immer den Weg nach Hamburg antreten zu müssen. 95-97 stieg die Besucherzahl Richtung 10.000 und die Medien wurden aufmerksam, was den ersten Hype entfachte. In den Jahren 1998 bis 2000 durfte man sich schon auf 60 bis 80 Bands auf vier (!) Bühnen freuen und danach wurde dem Ereignis schließlich das Label "Größte Metalparty der Welt" verpasst.

Zu Wort kommen die Initiatoren Holger Hübner und Thomas Jensen, Produktionsleiter Thomas Hess, Bauer Uwe Trede, der für die Zurverfügungstellung der nötigen Ackerflächen verantwortlich zeichnet, sowie die Veranstaltungsprofis Wolfgang Rott und Gerald Wilkes. Auch die Arbeit von Bürgermeister, Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr bezüglich des Großereignisses wird näher beleuchtet. Das eigentliche Dorfleben wird für kurze Zeit quasi lahmgelegt, doch die Bewohner haben sich längst damit arrangiert. Das Kapitel "Leben im Belagerungszustand" bietet einige Impressionen dieser "fünften Jahreszeit".

Genau 100 Seiten widmen sich bisher beteiligten Bands, deren Mitglieder sich in ausgedehnten O-Tönen äußern. Beispiele gefällig? Hansi Kürsch ("Blind Guardian"), Doro Pesch, Stephan Weidner ("Böhse Onkelz"), Tobias Sammet ("Avantasia") und Klaus Meine geben ihre Statements ab. Und zu guter letzt werden die Metalheads selbst als wichtigstes Element des Festivals ausführlich gewürdigt – bis hin zu der zeitweiligen Unsitte, ein Ortsschild als ultimatives Souvenir mit nach Hause zu nehmen.

Das kleine aber feine Büchlein bietet viele Fotos und Anekdote um Anekdote. Wer momentan in Wacken weilt, wird es sicher auf der Heimreise im Gepäck haben. Und die Daheimgebliebenen können sich endlich ein Bild davon machen, was sie jedes Jahr verpassen und was ihre Freunde meinen, wenn es mal wieder heißt: "Erstes August-Wochenende? Da kann ich nicht. "

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