Charlotte Roche
Charlotte Roche dürfte allen noch als Ex-Viva-Moderatorin im Gedächtnis sein. Für ihre Arbeit als Fernsehmoderatorin (unter anderem auch für arte und das ZDF) wurde sie mit dem Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Die 30jährige Roche lebt in Köln, ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Feucht-fröhlich geht es in ihrem Debütroman zu, der passenderweise den Titel "Feuchtgebiete" trägt.
Die charmante Debütantin stellt uns mit ihrer 18jährigen Romanheldin Helen eine junge Frau an die Seite, die uns in der Tat durch Gefilde führt, die für die meisten unter uns bisher unergründlich blieben. Nach einer missglückten Intimrasur liegt Helen im Krankenhaus und wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der Hoffnung, die beiden könnten sich an ihrem Krankenbett wieder versöhnen. In der Zwischenzeit nimmt sie mit Hilfe des Krankenpflegers Robin all jene Bereiche ihres Körpers unter die sprichwörtliche Lupe, die für gewöhnlich als wenig mädchenhaft gelten (um es mal charmant auszudrücken). Das brachte Charlotte Roche sogar eine Einladung zu Johannes B. Kerner ein (wobei man darüber streiten kann, ob dies eine Auszeichnung oder Strafe ist).
"Feuchtgebiete" entführt uns in die Welt hemmungsloser Masturbation in all ihren Varianten, dabei geht so manch beschriebene Technik über jeglichen Erfinderreichtum weit hinaus. Doch Helen interessiert sich längst nicht nur für das weibliche Geschlechtsorgan, denn neben ihrer Neigung zum männlichen Genital fasziniert sie vor allem ihr "Blumenkohl"; "Blumenkohl" bezeichnet in ihrem Fall allerdings nicht ein umstrittenes Nahrungsmittel, sondern ein Gewächs direkt aus ihrem Allerwertesten, den sie samt Hämorrhoiden stolz durch die Weltgeschichte trägt.
In lauter kuriosen Selbstexperimenten findet Helen ihre Erfüllung, rein sexuell versteht sich. So ist es allerdings kein Wunder, dass sie diese Experimentierfreude irgendwann einmal dahin bringt, wo sie jetzt gelandet ist: Krankenhaus. Arschoperation! Da ist die ganze Rumprobiererei wohl im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgegangen. Für Helen natürlich kein Problem, stattdessen geht sie auf ausgiebige Entdeckungsreise und erweitert den Rahmen der Möglichkeiten hier und da. Auch der Begriff "Sexandenkenkaubonbon" war mir bisher neu.
Charlotte Roche schreibt wie sie ist: charmant, witzig und locker. Für zarte Gemüter werden die "Feuchtgebiete" jedoch nur schwer zu ergründen sein und auch als Geschenk für Oma und Opa eignen sich wahrlich bessere Schmankerl vor dem Zu-Bett-Gehen. Alle anderen sollten sich mit Elan auf dieses Abenteuer stürzen, aber vorher daran denken, die Ekelgrenze ein wenig höher zu schrauben. Einfach Porno, Baby!
Noch bis Ende April ist Charlotte Roche auf grosser Lesetour. Hier die noch ausstehenden Termine:
15.4.08 - Bonn, Pantheon
17.4.08 - Wuppertal, Rex
19.4.08 - Witten, Werk-Stadt
20.4.08 - Hamburg, Schmidt Theater
21.4.08 - Bremen, Schlachthof
22.4.08 - Osnabrück, Lagerhalle
23.4.08 - Bünde, Universum
28.4.08 - Göttingen, Junges Theater