Classic Queen

Fotografien von Mick Rock

Veröffentlicht: 01.09.2007 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

Classic Queen

Der bemerkenswerteste Satz in "Classic Queen" steht gleich auf Seite Neun: "Queen waren immer mehr als nur die Summe ihrer Teile". Geschrieben hat ihn Jeff Hudson in seinem Vorwort. Tatsächlich zeichnet Mick Rock mit seinen Fotos und Erinnerungen das Bild von vier Freunden, die gemeinsam als Queen in die Rockgeschichte eingegangen sind: Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon.

Diese Geschichte beginnt im Jahre 1969. Queen heißen noch "Smile" und suchen einen Ersatz für ihren bisherigen Frontmann Tim Staffel. Sie finden ihn in Freddie Mercury, der von Anfang an felsenfest vom Erfolg der Band überzeugt ist. In den frühen Siebzigern dominiert der Glam-Rock die Szene: David Bowie, T. Rex, Lou Reed, Gary Glitter, Slade, Moot The Hoople, Sweet und wie sie alle heissen. Queen, insbesondere Mercury, werden zu Ikonen dieser Bewegung. Der Durchbruch gelingt ihnen 1974 mit dem wegweisenden Album "Queen II". Der Rest dürfte bekannt sein. Am 24. November 1991 findet die Karriere der Band ein vorläufiges Ende, als Freddie Mercury in London an einer Lungenentzündung infolge der Immunschwächekrankheit Aids stirbt. 1995 erscheint dann das posthume Album "Made In Heaven". Die Band macht unter dem Namen "Queen & Paul Rodgers" weiter und feiert unter anderem mit dem Musical "We Will Rock You" neue Erfolge. Für Ende diesen Jahres ist ein weiteres Studioalbum in Planung.

Mick Rock konzentriert sich in "Classic Queen" auf die Jahre von 1970 bis 1975, die wahrscheinlich wichtigste Phase im Werdegang der Band. Wenn seine Bücher hier regelmäßig abgefeiert werden, dann ist das beileibe kein Einknicken dem Verlag oder Fotografen gegenüber. Das gilt ebenso für Rocks Arbeiten über "Rocky Horror" (Review) oder Syd Barrett (Review). Er schafft es durch seine Fotos einfach immer wieder aufs Neue, eine Zeit lebendig werden zu lassen, die von den einen schon vergessen und für die anderen unvergesslich ist. So auch diesmal.

Für "Classic Queen" hat er rund 200 seiner besten, meist großformatigen (24 x 30 cm) und zum Teil bisher unveröffentlichten Fotografien ausgewählt. 192 Seiten stark ist das opulente Werk, das der Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag daraus gemacht hat und es ist jeden einzelnen Cent seiner 39,90 Euro wert. Mick Rock arbeitet seit 1972 mit allen Größen der Musikszene zusammen und schuf zahlreiche berühmt gewordene Albumcover. So zum Beispiel auch für "Queen II" (das Foto ziert auch das Titelblatt dieses Buches) und den Nachfolger "Sheer Heart Attack". Seine Arbeiten sind Teil der Dauerausstellung der National Portrait Gallery in London. "Classic Queen" ist das wohl bisher umfassendste Porträt der Band. Ergänzt wird es durch schriftliche Erinnerungen Rocks, zahlreiche Zitate von Mercury sowie Kurzbiographien aller vier Bandmitglieder. Mick Rock spendet übrigens einen Teil seines Honorars an den Mercury Phoenix Trust, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Maidenhead (Großbritannien), die sich zum Ziel gesetzt hat, Aids weltweit zu bekämpfen.

Am 18. November 1973 machte er die ersten Aufnahmen von Queen bei deren legendärem Auftritt im Londoner Imperial College. Jeff Hudson bezeichnet ihn als den Mann, der die Fotos schoss, "die Iggy Pop heute als Erinnerungsstütze benutzt. Er hat Lou Reed mit seinen Bildern neu erfunden. Er war der persönliche Fotograf und Tagebuchschreiber von Ziggy Stardust". Das wussten auch Queen und sie wollten Rock unbedingt als "ihren" Fotografen haben. Ausführlich wird ihr erstes Treffen aus beiderseitiger Sicht beschrieben. Rock fotografierte Queen nahezu überall. Bei ihren Konzerten, Backstage, im Studio oder ganz privat. Der Leser ist stets hautnah dabei und es sind Fotos von grosser Intensität darunter. Besonders Mercurys teilweise zwiespältiger Charakter wird detailliert ausgeleuchtet. Überaus spannend sind die begleitenden Anekdoten von Mick Rock. Meines Wissens zum ersten Mal beschreibt er, wie er Fotograf und durch das berüchtigte "Gitarren-Fellatio"-Foto von David Bowie und Mick Ronson auf einen Schlag bekannt wurde. Wir erleben die Entstehungsgeschichte des berühmten "Queen II"-Covers oder erhalten einen intimen Einblick in die Arbeit der Musiker hinter den Kulissen. Mit seinen Fotos und Texten entführt uns Rock auf eine aufregende Zeitreise durch die Ära, in der eine fast unbekannte Band zu einer der grössten aller Zeiten wurde. Am Ende des Buches ist dieser Aufstieg zwischen 1970 und 1975 nochmals chronologisch aufgeführt.

Man wünscht sich, Rock hätte Queen auch darüberhinaus noch weiter mit seiner Kamera begleitet. So sehr ist man von seiner eigenen ehrlichen Begeisterung dafür gefesselt, ein Teil dieser Ära gewesen zu sein. Es gibt solche und solche Musikbücher und es gibt Mick Rock. Er macht den entscheidenden Unterschied! Nicht nur für Queen-Fans sollte dieser prachtvolle Bildband deshalb ein Pflichtkauf sein. Jeder, der die Verbindung von faszinierender Optik und anspruchsvollem Lesevergnügen zu schätzen weiß, kann hier bedenkenlos zugreifen.  

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