Clueso
Der deutsche Sänger und Songwriter Thomas Hübner ist in den letzten Jahren unter seinem Künstlernamen Clueso ziemlich bekannt geworden, unter anderem durch die wiederholte Teilnahme an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest. Geboren wurde er 1980 in Erfurt und benannte sich nach dem legendären von Peter Sellers dargestellten Inspektor Clouseau aus der Filmreihe "Der rosarote Panther". Im zarten Alter von 15 Jahren begann er mit der Musik und ist seitdem mit mehr oder weniger großem Erfolg dabei geblieben. Meine Live-Begegnungen mit Clueso fanden bisher stets in größerem Rahmen statt – als Vorband beispielsweise von den Fanta 4 oder Herbert Grönemeyer. So konnte ich mich zwar den entspannten Klängen des Erfurter Sängers hingeben, doch natürlich überwog stets die Vorfreude auf den Topact. Die nächste Tour steht an, wurde aber ins Frühjahr 2011 verschoben, da sich die Fertigstellung des nächsten Studioalbums ein wenig verzögert.
Als Trost für alle Fans gibt es das Buch "Clueso – von und über", das dieser Tage bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erscheint. Ein Bildband eigentlich mit eingestreuten Texten hier und da, eine spannende Collage aus Impressionen, Fotografien und Autobiografischem, die uns die ganz persönliche Seite des unverwechselbaren Künstlers zeigt. Was er selbst dazu sagt: "Dieses Buch ist keine Autobiografie, kein Songbook, sondern ein Gewächs aus dem Schönsten und Bewegendsten, was mein Team und ich in unseren Archiven finden konnten, und was sich auf allen Festplatten innerhalb und außerhalb meines Hirns und in meinen Erinnerungen angesammelt hat."
Die ersten Texte sprechen den Leser direkt an. Ein "Fast-Vorwort", das Cluesos Gefühlswelt beim Zusammenstellen des Buchs beschreibt. Und das Kapitel "Der Fan, die Pizza und du (nein, nicht du)" beschreibt als witzige Anekdote die Skurrilität, dass man ein Buch schon bei Amazon vorbestellen kann, das der Autor gerade zu schreiben versucht. "Hm..., dann sollte ich hier jetzt wohl besser weiterschreiben, damit das auch was wird." Oder weiter oben: "Jetzt gibt es schon Shirts für eine gestern erst bestätigte Tour und einen Releasetag zu einem Album, das noch lange nicht fertig ist."
Philiosophische Gedanken treiben Clueso um, Lyrics von fertigen, unvollendeten und wohl nie fertig werdenden Songs. Kleine Anekdoten aus dem Leben eines Musikers – wie der Brief an die Band, den Clueso im Vorfeld der Aufnahmen im August 2010 schrieb. Ein tiefer Einblick in die Gefühlswelt und die Arbeitsweise. Oder die Überlegungen, wie andere Menschen ihn sehen. Erkennt die entgegenkommende Schulklasse mich? "Bestimmt glauben viele, ich latsche den ganzen Tag wie Hugh Hefner im Bademantel durch die Gegend und veranstalte wilde Partys in einer meiner Liebeshöhlen. (Wer weiß?)" Mit dem geschriebenen Wort geht es wie mit Cluesos Musik: Man könnte stundenlang zuhören. Die poetische Herangehensweise macht es auch zu einem Werk, mit dem man nicht sofort fertig ist, sondern das man wohl immer mal wieder hervor holt.
Die Fotos sind ein bestimmendes Merkmal des Buchs – in Hochglanz gedruckt, doch keineswegs auf Hochglanz poliert. Oft einfach nur schöne Momentaufnahmen. Landschaften, Situationen, Details – dann und wann Livefotos von Konzerten – und plötzlich wieder die gefühlte Stille, eine leere Bühne vor oder nach dem Konzert, Diskussionen im Proberaum, und immer wieder Porträts des Künstlers, in nachdenklichen, oft introvertierten Momenten eingefangen. Die Aufnahmen stammen von verschiedenen Fotografen wie Christoph Köstlin, Tino Sieland und Adrian Leeder.
Clueso zeichnet ein stimmungsvolles Bild von und über sich selbst. Wunderbar für alle, die ihn näher kennen lernen wollen. Und ich prophezeie: Wer das Buch liest, aber noch nie Cluesos Musik gehört hat, wird sich schleunigst ein Album zulegen. Ich empfehle daher schon mal vorsorglich das jüngste Werk "So sehr dabei".