Die sieben Todsünden - Mein Leben mit Slipknot und Stone Sour

Corey Taylor

Veröffentlicht: 01.08.2011 / Hannibal-Verlag

Von: Andreas Weist

Die sieben Todsünden - Mein Leben mit Slipknot und Stone Sour

Corey Taylor ist Frontmann von Slipknot und Stone Sour. Letztgenannte Band existierte eigentlich zuerst, wurde aber nach einigen Demoaufnahmen zunächst auf Eis gelegt. Erst der weltweite Erfolg von Slipknot brachte auch die Vorgängerband wieder zum Vorschein und so ist der Gute jetzt bei zwei erfolgreichen Nu-Metal-Bands tätig. Grund genug, um schon im Alter von 37 Jahren eine Biographie zu schreiben?

Erlebt hat Taylor in seinem Musikerleben wahrlich genug, um ein umfangreiches Werk zu verfassen. Neben seiner Sangestätigkeit hat er schon in einem Sexshop gearbeitet und er schreibt seit vielen Jahren eine Kolumne für das britische Magazin "Rock Sound". Dennoch wird er natürlich den Teufel tun und schön brav sein Leben chronologisch geordnet auf Papier zu bringen, um einen objektiven Blick hinter die Slipknot-Maske zu erlauben.

Nein – vielmehr wählt er sich zunächst mal ein Motto aus. "Die sieben Todsünden" – ein christliches Thema, mit dem er sich detailliert auseinander setzt. Vor allem, um zu beweisen, dass die Todsünden mitnichten Grund für den Weg in die Hölle sind, sondern für sich genommen recht gesunde Auswüchse des menschlichen Lebens darstellen. Jetzt könnte man sich natürlich auf einen theologischen Diskurs mit dem Autor einlassen und erklären, dass die genannten Charaktereigenschaften eher sogenannte "Laster" sind und ihre Auswüchse erst zu den eigentlichen Sünden führt, die dann mehr oder weniger schwer wiegen. Aber das ist ein zu weites Feld.

Corey Taylor schreibt also über Hochmut, Geiz, Lust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit. Wer "Sieben" gesehen hat, weiß Bescheid. Taylor hat ein ausschweifendes Leben geführt – voller Alkohol, Drogen und Sex. Und es braucht keine ausführliche Beweisführung, um uns klar zu machen, dass er all diese Sünden begangen hat.  So beschreibt der Wälzer doch einen Weg. Nämlich den des Lebenswandels. Und jedem der genannten Bereiche wird in einigen Kapiteln Raum gegeben.

Es ist keine echte Biographie, sondern philosophisches Gedankengut, das wir da lesen dürfen. Taylor lässt seinen Überlegungen freien Lauf. Er beschreibt, warum Zorn eine so wertvolle Gemütsregung ist. Welch gesunde Dinge aus Zorn heraus entstehen können. Wie man bereit ist, sich aufgrund dessen für etwas zu engagieren. Dem stellt er den Hass gegenüber, dem er nur destruktive Züge zuschreibt. Nachvollziehbar!

Die Lust-Kapitel gehen ins Eingemachte und wir erfahren, was Rockstars so in ihrem Alltag treiben. Vielleicht nicht täglich – aber im Rahmen ausschweifenden Drogenkonsums. Und der Lebemann kommt tatsächlich zu dem Schluss, dass man sich lieber mal langweilt, als immer gleich zu Drogen zu greifen, wenn sonst tote Hose ist. Berufene Worte!

Corey Taylor plaudert munter drauf los. Ich finde, er schreibt recht flüssig und es macht Spaß, seinem Monolog zu folgen. Es gibt zwar einige unmotivierte Sprünge und man kann die Gedankengänge nicht immer nachvollziehen, doch er schreibt sehr unterhaltsam und hat intelligente Aussagen zu bieten. Zum Ende hin ersetzt er gar die alten Todsünden durch eine Sammlung neuer – inklusive "schlechter Musik" als Nummer 7. Sicher nicht der theologischen Weisheit letzter Schluss, aber ein Werk voller frischer Ideen.

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