David Bowie - Die Biografie

Marc Spitz

Veröffentlicht: 07.10.2010 / edel Rockbuch

Von: Andreas Weist

David Bowie - Die Biografie

Für lange Herbstabende darf es auch mal ein richtig ordentlicher Wälzer sein. Marc Spitz beispielsweise legt aktuell eine David Bowie-Biografie vor, die den durchschnittlichen Gelegenheitsleser gerne mal bis zur Adventszeit beschäftigen dürfte.

Der Autor ist selbst langjähriger Fan des britischen Musikers, stammt aus New York und schreibt als Musikjournalist und Schriftsteller unter anderem für "Maxim" und die "New York Times". Der über 500 Seiten starke Wälzer (sehr schön aufgemacht: Hardcover mit Schutzumschlag) ist unterhaltsam und witzig geschrieben. Marc Spitz will uns nicht mit Fakten überfordern. Er erzählt die Geschichte, wie man einen guten Freund auf David Bowie aufmerksam machen und versuchen würde, ihn für dessen Musik zu begeistern. So reihen sich die Anekdoten aneinander und verknüpfen manchmal gar das Leben des Autors mit dem des Protagonisten der Biografie.

Wer sich mit David Bowie beschäftigt, kommt nicht umhin, auch die britische Kulturszene der letzten 50 Jahre genau unter die Lupe zu nehmen. So wird berichtet von den Swinging Sixties, der Drogenszene, dem wilden Sex der Siebziger und dem Aufstieg eines schüchtern wirkenden Musikers zum gefeierten Megastar. Vielleicht waren es vor allem die Kunstfiguren auf der Bühne, die ihm diesen Wandel ermöglichten. Wir erfahren von den familiären Einflüssen ebenso wie von Weggefährten namens Marc Bolan, Kenneth Pitt, Lindsay Kemp und Calvin Mark Lee. Es gibt Referenzen zu Iggy Pop und Brian Eno. Ein wahrer Rundumschlag also durch die Popszene.

Marc Spitz integriert Berichte von Zeitzeugen und Weggefährten, unterhielt sich mit Angie Bowie ebenso wie mit Musikerin Sioxie Sioux. So setzt sich nach und nach das Puzzle zusammen und die Person des Sängers, der so gar kein großer Star sein will, wird Stück für Stück greifbar – sei es in seinen künstlerischen Ideen, sei es in seinem Verhältnis zu Kommerz und Religion.

Die Story endet in der Gegenwart mit dem Album "Reality", der Zwangspause nach plötzlichem Herzinfarkt und den immer seltener werdenden öffentlichen Auftritten beispielsweise zur Filmpremiere von "Moon" (2009), den Bowies Sohn gedreht hat. Am Ende können wir David Bowie vielleicht besser verstehen, die Komplexität von Werk und Leben aber nur ansatzweise erfassen. Das ist auch gut so – denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn der Zauber von einem Menschen genommen wird.

Statistiker werden sich über ein 30seitiges Register mit Stichworten, Personen, Song- und Albumtiteln freuen, Ästheten über knapp 30 großformatige Schwarz-weiß-Fotos, die das Buch illustrieren. Wie schreibt Spitz als Anweisung zum Einstieg: "Bei maximaler Lautstärke zu lesen!"

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