Don Felder / Wendy Holden
Es ist sicher nicht leicht, in einer Band mit den Egomanen Glenn Frey und Don Henley zu bestehen. So verließ Gitarrist Don Felder die Eagles auch im Streit, als er 2001 nach 27 erfolgreichen Jahren das Handtuch warf. Die subjektiv geschilderte Bandbiographie „Mein Leben mit den Eagles 1974 – 2001“ trägt den aussagekräftigen Untertitel „Durch Himmel und Hölle“ und kommt damit dem amerikanischen Originaltitel „Heaven And Hell“ doch ein gutes Stück näher.
Als Felder Mitte der 70er zur Band stieß, spielten die vier erfahrenen Musiker Henley, Frey, Leadon und Meisner bereits seit drei Jahren als Eagles zusammen (zuvor waren sie Backing Band von Lisa Ronstadt) und hatten das sommertaugliche Debüt „Eagles“ und das etwas sperrige Konzeptwerk „Desperado“ veröffentlicht. Countrymäßig angehauchter Westküstenrock mit viel Gitarre – so hieß von Beginn an die Devise. Für die dritte Platte verstärkte man sich mit Don Felder, was die rockige Ausrichtung noch stärker betonen sollte. Die Single „The Best Of My Love“ bescherte der Band endlich den ersehnten Erfolg und Platz 1 in den USA.
Für die Niederschrift seiner Erinnerungen holte sich Felder die renommierte Journalistin Wendy Holden mit ins Boot, die neben dem sehr persönlichen Anstrich seiner Erinnerungen für den nötigen objektiven Touch sorgt. Felder steigt in medias res ein und schildert die wundervollen, adrenalingeschwängerten Momente eines Konzertbeginns – wohl auch, um mit den schönen Seiten seines Jobs zu beginnen. Dann müssen wir allerdings gedanklich zurückschalten und weit in die Vergangenheit, um Felders persönliche Biographie mitzuerleben. Dennoch ein spannender Moment, da die 100 Seiten nicht nur seine musikalische Entwicklung, sondern auch die frühe Freundschaft zu Bernie Leadon zum Thema haben, der Felders musikalische Entwicklung entscheidend mitgeprägt hat und zu dem auch nach dessen unrühmlichem Ausstieg bei den Eagles 1976 weiterhin ein guter Kontakt bestand. Ebenso spielt die Mitgliedschaft in Felders erster Band Flow auf diesen Seiten eine große Rolle.
Aus einer zunächst einmaligen Aushilfe wurde der endgültige Einstieg Felders bei den Eagles. Der Rest ist Rockgeschichte. Und dazu gehören einerseits die einmaligen Erfolge, ein „Greatest Hits“ Album 1976, das heute noch das bestverkaufte Album in den USA ist, und natürlich der Meilenstein und Megaseller „Hotel California“, der sich ganze 107 Wochen in den amerikanischen Charts hielt. Das kalifornische Quartett verkörperte wie keine andere Band ein Ende der 70er vorherrschendes Lebensgefühl kritisch denkender Amerikaner und die weltweiten Tourneen wurden zum Triumphzug. Andererseits rumorte es ständig im Hintergrund. Don Felder steckte mittendrin in der Spirale aus Eifersucht und künstlerischen Differenzen, den sexuell ausschweifenden Parties und den immer wieder aufflammenden Konflikten vor allem zwischen Bernie Leadon auf der einen und dem alles bestimmenden Duo Frey / Henley auf der anderen Seite. 1980 brach die Band schließlich recht unspektakulär auseinander.
Die lange Pause zwischen 1981 und 1994 überbrückt Felder recht schnell mit Aussagen zu Freys und Henleys Soloalben. Die prägnante Aussage Don Henleys zu einer möglichen Wiedervereinigung ist legendär: „Ja, klar, wenn die Hölle zufriert.“ „Hell Freezes Over“ heißt dann auch konsequenterweise das Comeback-Album 1994. Don Felder war wieder Teil der Showmühle, aber es hatte sich viel geändert. Die gezähmten Bandmitglieder hatten plötzlich Ehefrauen, Kids und Kindermädchen im Schlepptau auf der zweieinhalbjährigen Tour. Das Buch endet mit dem Rechtsstreit, der auf diversen Vertragsstreitigkeiten und der Neugründung einer Company durch Frey und Henley, bei der die anderen ausgeschlossen waren, basiert. Felder macht seinem Ärger über die Situation mit emotionalen Worten Luft und schildert seine Sicht der Dinge bis zur gerichtlichen Einigung. „Wenn mich eines der Bandmitglieder bäte, mit ihm zu spielen, würde ich bis zum heutigen Tag nicht nein sagen“, schließt er das Thema ab. Doch eher friert wohl die Hölle zu...
Felder und Holden schildern die Zeit aus autobiographischer Sicht mit vielen emotionalen Elementen und tiefen Einblicken in die private Situation des Gitarristen und genialen Songwriters, der maßgeblich am Megahit „Hotel California“ beteiligt war. Das Duo schreibt spannend und mit viel Gespür für historische Momente. Der Schwerpunkt liegt naturgemäß auf den 70er Jahren. Lesen lässt sich die Biographie fast wie ein Roman – aus einem Guss. Garniert wird der Wälzer mit 15 Seiten Schwarz-weiß-Fotos aus allen Phasen der beschriebenen Zeit. Ein Stück Zeitgeschichte, das man sich nicht entgehen lassen sollte.