Fler mit Julia Kautz und Sascha Wernicke
Fler wird stets in einem Atemzug mit Bushido und Sido genannt – den ehemaligen Aushängeschildern des Labels Aggro Berlin. Doch seine Geschichte ist um einiges steiniger als die der Berliner Vorzeige-Rapper. Für Fler wurde noch kein "MTV unplugged" produziert und seine Karriere stand auch nicht von Beginn an unter dem leuchtenden Stern des Profigeschäfts. Inzwischen aber zählt er zu den umstrittensten und erfolgreichsten Rappern Deutschlands. Grund dafür ist sein mit Abstand erfolgreichstes Werk "Neue Deutsche Welle", aufgrund dessen ihn viele in die rechte Ecke stellen wollten. Aus seiner Sicht ist es jedoch einfach nur eine Positionierung in einem Geschäft, in dem biographische Hintergründe eine wichtige Rolle spielen und er verdeutlichet, dass seine Wurzeln in Deutschland liegen. "Eine deutsche Geschichte" ist demnach auch der Untertitel der Autobiographie, die Patrick Losensky (so heißt Fler mit bürgerlichem Namen) unterstützt von Julia Kautz und Sascha Wernicke schrieb.
"Im Bus ganz hinten" heißt das Werk, das zeitgleich auch als Hörbuch erscheint und mit einem Rap-Album gleichen Namens korrespondiert. Und eigentlich werden eine Vielzahl von Geschichten erzählt. Zunächst mal die "Berliner" Geschichte des Jungen, der ohne Vater aufwächst, sich in der Sprayer-Szene zuhause fühlt, als schwer erziehbar in Psychiatrie und Heim abgeschoben wird und schließlich wie so viele Jugendliche dieser Szene seine Liebe zur Rapmusik entdeckt und bei Aggro Berlin seine musikalische Heimat findet. Zugleich ist es auch eine sehr subjektive Geschichte des Labels Aggro Berlin – begleitet von den Anfängen bis hin zum unrühmlichen Ende. Und es ist eine Story voller Beziehungen. Zur Mutter, zum nicht gegenwärtigen Vater, zu Menschen im Rampenlicht und zu denen, die diese für ihre eigenen Zwecke nutzen, und nicht zuletzt die Beziehung zum langjährigen Freund und Feind Bushido.
Fler erzählt frei von der Leber weg. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, berichtet unverblümt von seinen Erfolgen und seinen Missetaten, benennt Weggefährten (wobei allerdings schon zu Beginn klar ist, dass er viele Namen entfremdet, um den Personen nicht zu schaden). Die Geschichte ist sehr kurzweilig erzählt und legt einen dicken Schwerpunkt auf die Zeit, bevor der große Erfolg eintrat. Die Plattenverkäufe und der Charterfolg werden gar nur lapidar erwähnt und sollen keineswegs im Mittelpunkt stehen.
Die Erzählweise ist recht einfach gehalten – oft mit kurzen Sätzen ohne komplizierte Verschachtelungen, als wollten Fler und seine Mitautoren das Werk auch für den einfacher gestrickten Jugendlichen lesbar machen. Das gelingt ihnen gut, ohne dabei in eine Gossensprache zu fallen. Ein Buch, das für eine breite Zielgruppe interessant sein dürfte.