Fotografien von Robert Whitaker
Zu den Beatles muss man nicht mehr viel erklären. Ihre enorme Bedeutung für die Entwicklung der Popkultur ist hinlänglich bekannt. In einem Zeitraum von nur sieben Jahren veröffentlichten sie 13 Studioalben und halten bis heute zahllose Rekorde. So sind sie zum Beispiel die Band mit den meistverkauften Tonträgern der Welt. Sie hatten mehr Nr. 1-Hits und -Alben als jeder andere Solokünstler oder jede Band nach ihnen. Und natürlich gibt es auch bereits Unmengen von Literatur über das legendäre Quartett aus Liverpool. Robert Whitakers Buch "Eight Days A Week - Mit den Fab Four auf ihrer letzten Welttournee" dürfte jedoch für alle Beatles-Fans zu einer Art Bibel werden.
Dafür spricht alleine schon die Größe dieses Bildbandes. Mit seinem riesenhaften Format von fast DIN A3 ist er als Bettlektüre zwar gänzlich ungeeeignet, liegt aber beeindruckend schwer (2,5 Kilogramm!) in der Hand. Das Hardcover-Buch (mit Schutzumschlag) bietet auf 156 fadengehefteten Seiten aus feinstem Bilderdruckpapier circa 150 Schwarz-Weiß- und Farbfotos von der letzten Welttournee der Beatles im Jahre 1966 durch Deutschland und Asien. Es sind viele bislang unveröffentlichte Aufnahmen darunter, teilweise bis zu 31 x 37 cm gross. Zusammen mit den persönlichen Erinnerungen von Robert Whitaker wird "Eight Days A Week" damit zu einer absolut einzigartigen Dokumentation.

John Lennon am 23. Juni 1966 mit Seppelhut auf dem Flug der Beatles nach München zum Auftakt ihrer "BRAVO-Beatles-Blitztournee". Links von ihm sitzt Paul McCartney (alle Fotos von Robert Whitaker aus "Eight Days A Week").
Whitaker gehört zu den bedeutendsten britischen Fotografen der Nachkriegszeit. Durch seine Beatles-Fotografien wurde er international bekannt. Später zog er sich aus der Musikszene zurück und wandte sich verstärkt der Kunstfotografie zu. Darüberhinaus arbeitete er im Auftrag der Times und des Life-Magazines als Kriegsfotograf in Vietnam und Bangladesh. Seit den frühen Siebziger Jahren lebt er im Ruhestand auf seinem Anwesen im englischen Sussex.
Auf Intervention des drei Jahre später verstorbenen Beatles-Managers Brian Epstein gelangte Robert Whitaker 1964 während der Australien-Tour der Band in den engsten Zirkel um die vier Pilzköpfe. Als Erstes begleitete er sie auf einer kalten und feuchten Tour durch England oder bei ihrem triumphalen Auftritt im New Yorker Shea Stadium. Schließlich folgte im Sommer 1966 die "BRAVO-Beatles-Blitztournee" durch Deutschland, die anschließend nach Japan und auf die Philippinen führte. Zudem gab es einen außerplanmäßigen Zwischenstopp in Alaska (aufgrund eines Taifuns) sowie einen kurzen Aufenthalt in Hongkong. Obwohl die Beatles noch bis 1970 als Band fortbestanden, beendeten sie im Anschluss an diese Tour ihre Livekarriere. Die Tatsache, dass weder Band noch Fans bei den Konzerten die Musik aufgrund des immensen Lärmpegels hören konnten, soll einer der Hauptgründe für diese Entscheidung gewesen sein.

Die Beatles wurden von der BRAVO-Redaktion mit dem "Goldenen Otto" in der Kategorie "Beste Band" ausgezeichnet. Da die Trophäen ziemlich schwer waren, ließ die Band sie in Deutschland zurück. Ringo Starr schaut bereits jetzt sehr skeptisch.
Als einziger Fotograf hatte Whitaker uneingeschränkten Zugang zu den Beatles. Seine Aufnahmen und Schnappschüsse zeigen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr nicht nur auf der Bühne, sondern vor allem privat. Mit Seppelhut im Flugzeug (beim Lesen der BRAVO), in Hotelzimmern, Backstage, beim Kartenspielen, Proben, entspannten Herumalbern oder gemeinsamen Malen (das entstandene Bild "Images Of A Woman" wurde angeblich Mitte der Neunziger Jahre für 15 Millionen Yen an einen Händler aus Osaka verkauft und später bei ebay versteigert). Die Fotos haben nicht nur aufgrund ihrer zum Teil überdimensionalen Größe eine ungeheure Wirkungskraft. Es ist fast so, als saugten sie den Betrachter förmlich in die dargestellte Szene hinein. Selten hat man die Beatles in derart intimen Momenten gesehen: Ringo Starr rauchend in einem gestreiften Anzug, den man heutzutage höchstens im Karneval anziehen würde, die Band beim Relaxen auf einfachen Feldbetten oder ein schelmischer John Lennon im Tokyo Hilton Hotel. Mit Lennon verband Whitaker übrigens als einzigem Beatle bis zu dessen Tod 1980 eine jahrelange Freundschaft. Die Fotos zeigen zwar durchaus auch die ernstere Seite der Beatles, als sie an einem Wendepunkt ihrer Karriere standen, zugleich aber ihren Sinn für Humor, den sie trotz des Tourstresses nie verloren.
Überaus spannend und amüsant sind die Anekdoten, die Robert Whitaker zwischendurch zu erzählen weiß. Er berichtet von den chaotischen Verhältnissen in Manila, nach denen John Lennon schwor "nie wieder in irgendwelchen Irrenhäusern zu spielen". Weiterhin beschreibt er die Belagerungszustände durch die Fans und mit welchen Tricks die Beatles sich dessen entzogen, oder die Komplettabschottung der Band durch die japanischen Behörden. Whitaker erinnert ebenso an zahlreiche philosophische Gespräche mit John Lennon, an durchaus grenzwertige Bühnenauftritte (bezogen auf das Equipment und die Performance der Beatles) oder die Rolle von Brian Epstein, der maßgeblichen Anteil am Image und dem Erfolg der Band hatte. Es sind viele, viele kleine Details, die sich letztlich zu einem grossen Gesamtbild zusammenfügen: Dem der Beatles, als die zwar bedeutendste Band des 20. Jahrhunderts, aber auch als das von vier ganz normalgebliebenen Musikern.

Vor ihrem Konzert in der Hamburger Ernst-Merck-Halle machen es sich Ringo Starr, George Harrison und John Lennon zusammen mit ihrem Manager Brian Epstein auf bereitgestellten Feldbetten bequem.
Am Ende kann man nur den Hut ziehen! Vor Robert Whitaker, der mit "Eight Days A Week" eine unvergleichliche Epoche der Musikgeschichte wiederauferstehen lässt und vor dem Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, der dies brillant umgesetzt hat. Das Ergebnis dieser Kombination ist eine faszinierende Hommage in Wort und besonders Bild!