Gavin Baddeley und Dani Filth
Liest man den Titel des "Kompendium der dunklen Künste", so liegt die Vermutung nahe das Werk sei mit Zaubersprüchen und Beschwörungsformeln gefüllt. Multipliziert man dies mit den Autoren Gavin Baddeley (Reverend der Church Of Satan!) und Dani Filth (Sänger der Black Metal Band Cradle Of Filth) entsteht in einem unwissenden Hirn ein noch abstrakteres, morbides und blutrünstiges Bild. Doch trotz der ein oder anderen Horrorgeschichte und Bildmaterial basiert das Kompendium auf vielen Fakten und interessanten Hintergrundgeschichten.
Der Autor Baddeley geht im ersten Schritt auf die Diskografie von Cradle Of Filth ein, nimmt jedes Album kryptisch auseinander und beschreibt ausschweifend die historischen Hintergründe der Songs. Diese reichen oft bis ins Mittelalter und sind natürlich dementsprechend grausam, doch handelt es sich dabei um geschichtliche Ereignisse und damalige Bräuche und Glauben / Aberglauben. Aber auch die Entwicklungsgeschichte des Black Metals, sowie andere wichtige Bands und Künstler, die das Genre beeinflussten, werden ausführlich besprochen. Ebenso viele Vorurteile werden hier mühelos beiseite geräumt, dementiert und Ansätze zum Nachdenken geschaffen.
Die Faszination des Dunklen und Bösen ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst und genau dieser Faszination, die ein jeder von sich selbst kennt, versucht der Autor mit großer Hilfe von Dani Filth als auch anderen namhaften Personen wie Anton LaVey (Church Of Satan Gründer), Pete Steele (Type O Negative), King Of Hell (Gorgoroth) und vielen mehr, die bereit waren Informationen zu liefern, auf die Spur zu kommen. Dani Filth geizt dabei nicht mit persönlichen Kommentaren und vor allem steuert er viel eigenes Bildmaterial aus seinem Privatbesitz bei. Ebenso Filme, Kunst und Literatur der Vergangenheit als auch der Gegenwart werden beleuchtet und so manch offene Frage beantwortet.
Baddeley leistet hervorragende Recherchen und sein Schreibstil ist dabei so unterhaltsam, dass man den mit Informationen, oder besser gesagt Geschichte, gespickten Wälzer gerne mal seitenweise durchackert ohne zu merken wie die Zeit vergeht. Das Buch stellt tatsächlich ein lehrreiches Kompendium dar – auch wenn die Übersetzung des Titels "Gospel Of Filth" aus dem Englischen ins Deutsche sehr frei ist, so trifft ausnahmsweise einmal der deutsche Titel "Das Kompendium der dunklen Künste" viel besser ins Schwarze als der englische.
Optisch ist das Werk sehr schön aufbereitet, mit klischeehaftem schwarzen Rahmen um jede Seite und etlicher Bebilderung. Lediglich das Gewicht ist etwas problematisch, wiegt das Kompendium mit seinen 591 Seiten bei einer für ein Kompendium normalen Größe von stolzen 30,4 x 21,8 cm auch noch um einiges mehr als so manches Laptop. Dafür macht es sich auf dem Regal richtig gut, denn auch das Cover ist vom Feinsten gestaltet. Ein dämonischer, mit Effekten weiter aufbereiteter Dani Filth blickt mit glühend roten Augen vom Bücherregal herab – ein Augenschmaus! Ein wirklich informatives und bereicherndes Werk, das mit seinem Preis eigentlich schon an ein Schnäppchen grenzt!