Do You Want To Know A Secret?

Gavin Edwards

Veröffentlicht: 01.04.2009 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

Do You Want To Know A Secret?

Rockstars sind für viele Fans wahre Götter. Trotzdem oder gerade deswegen empfindet man oftmals ein diebisches Vergnügen, wenn einem wieder der neueste Klatsch über die Stars und Sternchen dieser Welt zu Ohren kommt. Jeder hat wohl eines dieser Gerüchte zu erzählen und im Laufe der Zeit verselbständigen sie sich dann und werden zu modernen Legenden: Keiner kann so recht sagen, wie er zu dem Wissen kam und doch tragen es alle weiter. Ob die jeweilige Geschichte der Wahrheit entspricht oder nicht, spielt dabei erstmal kaum eine Rolle. "Do You Want To Know A Secret?" lüftet nun die grössten und auch komischsten Geheimnisse und Mythen der Rock- und Popwelt. Jedenfalls ist dies das erklärte Ziel des Autors.

Gavin Edwards ist Redakteur beim amerikanischen Rolling Stone Magazin und hat darüberhinaus für Zeitschriften wie Details, Spin oder GQ über Musik, Film und andere verwandte Themen geschrieben. Das Buch "Scuse Me While I Kiss This Guy (And Other Misheard Lyrics)" findet sich ebenfalls in seiner Vita. Er war einige Jahre für eine Rolling Stone-Kolumne verantwortlich, in der er sich auf die Suche nach Antworten auf die verrücktesten Leserfragen machte. Belanglose Anfragen, die nur sein Wissen testen wollten, ließ er dabei nicht gelten. Vielmehr wollte er "dem Wahrheitsgehalt von Rockmythen auf den Grund gehen, nach den fast vergessenen Ursprüngen von bekannten Songs recherchieren und viele Geheimnisse der Rockmusikgeschichte aufdecken". Dafür hat Edwards die betreffenden Stars entweder selbst befragt oder tief in den Archiven gegraben. "Do You Want To Know A Secret?" fasst jetzt die Originaltexte seiner Kolumne auf 224 Seiten zusammen.

Dass daraus kein staubtrockenes Nachschlagewerk geworden ist, verdanken wir Edwards` subtilem Humor und seiner scharfsinnigen Ironie, die er immer wieder gekonnt aufblitzen lässt. Zwar schweift er hier und da auch gerne mal ab und plaudert aus dem eigenen Nähkästchen, aber das ist der Sache insgesamt eher dienlich. Unterstreicht es doch gleichzeitig seinen unbestrittenen Sachverstand und die gründliche Recherche. Außerdem sorgt Edwards so für eine gewisse Auflockerung und verhindert, dass seine Sammlung zu einem reinen Frage und Antwort-Spiel ausartet. Natürlich sind nicht alle Themen, die er in den 15 Kapiteln behandelt, von brennendem Interesse. So wird es wohl die wenigsten interessieren, wieviele Songs von Randy Newman Städtenamen in ihrem Titel tragen. Letztlich bleibt dies aber dem Auge des Betrachters überlassen und mit Sicherheit gibt es hier für jeden Leser noch viel Spannendes und Amüsantes zu entdecken.

Zum Beispiel, was die zahlreichen Abkürzungen in "Anarchy In The UK" von den Sex Pistols bedeuten. Wie das Gerücht um Paul McCartneys Tod entstand. Ob CDs wirklich nach 30 Jahren zu Staub zerfallen (was zumindest mein Wohnraumproblem auf einen Schlag entschärfen würde). Hat Neil Young tatsächlich 15.000 Exemplare seines Albums "Comes A Time" aufgekauft und dann vernichtet? Oder welche männlichen Rockstars sind am besten bestückt? Edwards deckt fast jeden Bereich der populären Musik seit 1955 ab, sei es das Sexleben der Stars, die Bedeutung diverser Songtitel, legendäre Groupie-Geschichten, Rock`n Roll-Verwandtschaften, die exzentrischsten Arten Drogen zu nehmen oder mysteriöse Todesfälle, ohne auch nur ein einziges Mal in billigen Voyeurismus zu verfallen. Die gefühlt häufigsten Fragen beziehen sich übrigens auf die Beatles, obwohl es unfair wäre zu behaupten, die vier Pilzköpfe seien ein Schwerpunkt des Buches.

Abgerundet wird das äußerst kurzweilige Werk durch etwa 50 sehr witzige Zeichnungen der Illustratorin Jana Moskito sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis im Anhang. Wer im Anschluss an die Lektüre immer noch offene Fragen hat, kann diese weiterhin unter askmr-rock@gmail.com direkt an Gavin Edwards richten. Eine interessante Frage wäre beispielsweise, ob er seinen eigenen Sohn Strummer nach dem gleichnamigen Frontmann von The Clash benannt hat!? Aber auch so wird die Musikgeschichte in den kommenden Jahren sicherlich noch viele ungeklärte Rätsel produzieren, denen sich Edwards dann im nächsten Teil seines Buches annehmen kann. Ich bin jetzt schon auf die Fortsetzung gespannt.

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