Elvis - Mein bester Freund

George Klein (mit Chuck Crisafulli)

Veröffentlicht: 20.09.2010 / Hannibal-Verlag

Von: Thomas Kröll

Elvis - Mein bester Freund

Als Elvis Presley 1977 im Alter von 42 Jahren starb, hinterließ er weder eine Autobiographie noch sonstige persönliche Aufzeichnungen. Er gab Zeit seines Lebens kaum Interviews, die Aufschluss über den Menschen hinter der Musik hätten geben können und trat auch nie in Talkshows auf. Fragen zu seinem Privatleben wies er stets höflich zurück. So war bis zu jenem 16. August 1977 außer den Einzelheiten einer außergewöhnlichen Karriere erstaunlicherweise wenig über Elvis Aaron Presley aus Memphis, Tennessee bekannt.

Diese Lücke wurde in den vergangenen 33 Jahren von einer Vielzahl an echten oder selbsternannten Weggefährten des "King Of Rock`n`Roll" mit teilweise fragwürdigen und spekulativen Werken geschlossen. Schließlich kann am Mythos Elvis, mit über einer Milliarde verkaufter Tonträger der weltweit erfolgreichste Solokünstler aller Zeiten, nach wie vor bestens (mit-)verdient werden. Einer, der es genau wissen muss, ist George Klein. Der Elvis, den er kannte "war keine Ikone. Er war ein ganz normaler Typ und ein echter Freund". Klein ist heute Moderator auf dem Elvis-Kanal von Sirius XM Satelite Radio. Er produzierte die Dokumentation "Elvis: Memories" und wirkte als Erzähler und Berater am dreiteiligen Konzertvideo "Elvis: The Great Performances" mit. Von ihrer ersten Begegnung 1948 in der 8. Klasse der Humes High School in Memphis bis zu Elvis` Tod war George Klein Mitglied des engsten inneren Zirkels um den "King" (von diesem Spitznamen Klein übrigens behauptet, er habe ihn erfunden).

Über seine Beweggründe "Elvis - Mein bester Freund" zu schreiben, sagt er: "Über Elvis Presley ist so viel geschrieben und gesagt worden, dass ich lange Zeit keine Notwendigkeit sah, selbst ein Buch über ihn zu verfassen". Obwohl man ihm schon direkt nach Elvis` Tod eine stattliche Summe für seine Erinnerungen bot, sieht Klein erst jetzt den richtigen Zeitpunkt gekommen, "ein umfassendes und ehrliches Bild des begabten, großzügigen, intelligenten und rundum menschlichen Elvis" zu zeichnen, den er kannte. Das ehrt ihn, ebenso wie die Tatsache, dass er sich bei der Arbeit an seinem Buch in Ermangelung von Notizen völlig auf sein Gedächtnis verlassen musste. Auf den 380 prall gefüllten Seiten (inklusive Fototeil), die dabei herausgekommen sind, wird deutlich, wie stolz und dankbar George Klein dafür ist, einer der engsten Freunde von Elvis Presley gewesen zu sein. Er vermittelt einen ungemein lebendigen und teilweise anrührenden Eindruck davon, wie das Leben an Elvis` Seite war. Oftmals stellt er dabei seine eigene Karriere als Radio- und Fernsehmoderator und die von Elvis als berühmtesten Repräsentanten des Rock`n`Roll in Kontext zu den gleichzeitig stattfindenden kulturellen sowie musikalischen Veränderungen in den USA. Das macht sein Buch darüberhinaus zu einem spannenden Zeitdokument.

Angereichert durch zahllose Dialoge und unglaublich detailliert schildert Klein, wie sich ihre Freundschaft mit der Zeit vertieft und Elvis zur nationalen Sensation aufsteigt. Er beleuchtet die Person des für seine exzentrischen Geschäftspraktiken berüchtigten Elvis-Managers Colonel Tom Parker. Klein ist an Elvis` Seite, als 1958 dessen geliebte Mutter stirbt, erlebt viele, überwiegend amüsante private Eskapaden hautnah mit oder hält Kontakt zu Elvis, als dieser zwischen 1958 und 1960 seinen Wehrdienst in Deutschland ableistet. Klein begleitet Elvis ins Studio oder zu den Filmsets in Hollywood, ist Dauergast in Graceland oder bei Elvis` Hochzeit mit Priscilla Beaulieu im Jahre 1967 und besucht das Paar als einer der ersten nach der Geburt ihrer Tochter Lisa Marie im Krankenhaus. Schließlich ist Elvis sogar Trauzeuge auf Kleins eigener Hochzeit. Er überbrückt Elvis` Einsamkeit nach der Trennung von Priscilla 1973, indem er ihn mit immer neuen Frauen bekannt macht. Ende 1968 gelingt Elvis mit dem TV-Special "Elvis" ein fulminantes Comeback. 1973 steigt er durch das erste weltweit per Satellit ausgestrahlte "Aloha From Hawaii" endgültig zum internationalen Superstar auf (obwohl er nie außerhalb der USA auftrat). Klein teilt mit ihm Sorgen und Freude und bietet dem Leser so einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen jener Zeit.

Dabei spart er aber auch die dunklen Seiten nicht aus. Etwa Elvis` schleichende Medikamentenabhängigkeit und die damit einhergehenden Stimmungsschwankungen und Krankenhausaufenthalte. Die Schilderung, als er die Todesnachricht erhält und der Tage, Wochen und Jahre danach, hinterlässt tatsächlich einen Kloß im Hals. Das liegt auch daran, dass Kleins Erzählungen ein durchgängig liebevoller Grundtenor auszeichnet. Er sieht sich in der Tat nicht nur als bloßer Erfüllungsgehilfe für Elvis, wie viele Mitglieder der sogenannten "Memphis-Mafia", sondern versichert sich glaubhaft seiner ehrlichen Freundschaft. Auch wenn man ihm zum Teil eine gewisse Naivität im Umgang mit dem wilden Leben im Showgeschäft nicht absprechen kann. Elvis hat unzählige Menschen mit seiner Musik berührt, doch nur sehr wenige kannten ihn näher. Einer davon ist George Klein. Wenn es eine angemessene und würdige Elvis-Biographie gibt, dann ist es seine. 

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