Edith Jeske / Tobias Reitz
Ein sehr interessantes Buch hat mich da erreicht: "Handbuch für Songtexter" mit dem Untertitel "Mehr Erfolg durch professionelles Schreiben und Vermarkten". Die Autoren Edith Jeske und Tobias Reitz meinen das durchaus ernst. Beide sind Koryphäen in ihrem Fachgebiet und man bekommt den Eindruck, dass sie wissen, wovon sie schreiben.
Reitz bezeichnet sich als jüngsten hauptberuflichen Textdichter Deutschlands. Natürlich schwer zu überprüfen, ob das stimmt. Immerhin ist er Jahrgang 1979 und schrieb schon für Helene Fischer und Patrick Lindner. Gemeinsam mit Edith Jeske unterrichtet er die Celler Schule – eine Masterclass für Songtexter. Wer sich nicht sicher ist, ob diese berufliche Laufbahn etwas für die persönliche Zukunft ist, kann sich das gemeinsame Lehrbuch der beiden zulegen und aufmerksam lesen.
Man lernt viel! Theoriekram – klar – aber sehr interessant. Über Liedtypen wie das lineare oder situative Lied, den Inhalt von Songs, die Erzählzeit, Metrum und Reim. Wer beim nächsten Mal wissend nicken will, wenn Dieter Bohlen von der "Hookline" faselt oder Xavier Naidoo Schwächen in der "Bridge" bemängelt, bekommt hier das nötige Fachwissen, um im Bekanntenkreis glänzen zu können.
Ich kann mir sogar vorstellen: Wer das Buch ordentlich durchackert und etwas Talent zum Schreiben mitbringt, wird im Anschluss erste Schlagertexte oder seichte Pop-Reime zu Papier bringen können. Und zwar so, dass ein potentieller Interpret nicht mit dicken Fragezeichen über dem Kopf dasteht, sondern die Zeilen in singbare Form bringen kann. Als Beispiele halten bekannte Songtexte her, die man gemeinhin im Ohrwurm-Repertoire hat.
Im weiteren Verlauf geht es noch um die phonetischen Besonderheiten der deutschen Sprache (was absolut Sinn macht), die Autoren verraten einige Kniffe aus der persönlichen Trickkiste und es gibt Tipps für den "Weg nach draußen", also die Veröffentlichung. GEMA, Urheberrecht, Verlagsrecht – Jeske und Reitz wissen, was wichtig ist.
Es handelt sich um ein Lehrbuch. Aber wirklich sehr informativ und prägnant. So etwas hätte ich mir von meinen Dozenten an der FH auch gewünscht. Ich empfehle den kurzweiligen Schmöker mal für alle, die einen tiefen Blick hinter die Kulissen der Musikindustrie werfen wollen, denen es dabei aber nicht um Skandale und Skandälchen, sondern einfach um Hintergrundwissen geht.