Hartmut Engler
Wenn jemand seit 30 Jahren Mitglied einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands ist, hat er eine Menge zu erzählen. Hartmut Engler, Frontmann von Pur, tut dies in seiner Autobiographie "Engler Pur" und lässt den Leser an den Höhen und Tiefen seines Lebens und seiner Karriere teilhaben.
Als Einleitung beschreibt Engler seine Gefühle vor einem großen Konzert. "Ich bin Sänger. Wenn meine Stimme weg ist, bin ich auch weg. Ich bin der Einzige, der in unserer Band nicht ersetzbar ist." Was zunächst fast arrogant klingt, ist eine einfache Tatsache, die ziemlichen Druck, Bazillenphobie und großes Lampenfieber auslösen kann. Aber all das lohnt sich auch: "Unmittelbar vor einem Konzert will keiner mit mir tauschen. Nach dem Konzert will ich mit niemandem tauschen. Alles ist wunderbar genauso, wie es ist".
In kurzen, gut zu lesenden Kapiteln erzählt Hartmut Engler von seiner Kindheit in einfachen, aber liebevollen Verhältnissen und von seinen musikalischen Anfängen bei der Schülerband Crusade, die sich später zur Gruppe Opus und schließlich zu Pur entwickelte. Und er erzählt von den Menschen, die in seinem Leben wichtig waren – seine Eltern und die älteren Geschwister, Geliebte und Lebensgefährtinnen, Peter Maffay, für den er in den 80ern Liedtexte schrieb, oder sein Schwager Reiner, der den Kontakt für den ersten Plattenvertrag herstellte. Wie ein roter Faden durchziehen das Buch dabei seine eigenen Songtexte, die von den jeweiligen Menschen und Situationen inspiriert wurden. Das verleiht der Biographie nochmal eine sehr persönliche Note und eröffnet gleichzeitig den Fans einen genaueren Blick auf die jeweiligen Songs.
"Engler Pur" ist nicht nur die Geschichte eines erfolgreichen Künstlers, es ist auch die Geschichte einer kleinen Schülerband, die sich hochgekämpft hat, sich ihren authentischen Stil und sozialkritische Texte von keiner Plattenfirma verbieten ließ und es irgendwann trotzdem in die Charts und die großen Arenen geschafft hat. Aber auch die Schattenseiten des Ruhmes werden nicht ausgeblendet. Am Schluss des Buches schaut der Sänger dann nach vorn und freut sich auf die Jubiläumstour 2011 und neue Projekte.
Hartmut Englers Autobiographie liest sich sehr unterhaltsam und bietet jede Menge interessante Hintergrundinfos und nette Anekdoten. Schmutzige Geschichten oder hämische Abrechnungen mit Kritikern sucht man dagegen vergebens – eine Skandalband war Pur ohnehin noch nie.