Angekommen - Zwischen Panik, Liebe und Rebellion!

Heiko Höcker / Peggy Franke

Veröffentlicht: 01.08.2010 / Deutsche Literaturgesellschaft

Von: Andreas Weist

Angekommen - Zwischen Panik, Liebe und Rebellion!

Wer in diesen Tagen das Musical "Hinterm Horizont" besucht, bekommt einen Eindruck davon, welchen Stellenwert die Musik von Udo Lindenberg für manche Menschen in der ehemaligen DDR hatte. Dieser wird nicht nur durch die Handlung des Stücks deutlich, sondern auch in den Reaktionen des Publikums, wo es Tränen der Rührung gibt, spontane Umarmungen und Applaus an den ungewöhnlichsten Stellen, was dafür spricht, dass der Nerv der Zuschauer auf unterschiedlichste Weise getroffen wird – je nach persönlichen Erfahrungen. Die historische Aufführungsstätte in Sichtweite des ehemaligen Mauerverlaufs tut ihr Übriges dazu.

Nach dem Musical wurde ich durch einen Flyer auf das vorliegende Buch aufmerksam. Autor Heiko Höcker erzählt dort in einer Mischung aus Roman und Autobiographie die Geschichte des jungen Konstantin, der in der DDR aufwächst und mit seinem Leben nicht immer zu Recht kommt. Dabei wird die Schuld keineswegs allein auf das politische System und die Augen der Staatssicherheit geschoben, sondern Konstantin erzählt in Ich-Form die Irrungen und Wirrungen des Heranwachsens, typische Teenager-Probleme wie Auseinandersetzungen mit dem Vater, Geldsorgen und natürlich das weite Feld der Liebe. Was er in dieser Zeit allerdings erlebt, geht über jede Normalität hinaus und ist es definitiv wert, aufgeschrieben zu werden.

Halt gibt ihm in jeder schwierigen Lebenslage die Musik von Udo Lindenberg, was der Autor mit kompletten Liedern und Textzeilen belegt, die auf die jeweilige Situation passen und den Protagonisten die Situation besser ertragen lassen. Später in der Handlung kommt es auch zu persönlichen Begegnungen mit dem Sänger und wir erfahren – zwar in Romanform, aber ich bin überzeugt vom Wahrheitsgehalt – wie wichtig Lindenberg seine Fans sind und wie er bereit ist, ihnen im Kleinen zu helfen, wenn seine Hilfe gefragt ist.

Zur Seite steht Heiko Höcker die Autorin Peggy Franke, die eine zweite Erzählebene schafft und die Sicht eines Außenstehenden auf den Protagonisten Konstantin beschreibt. Das Buch ist kein literarisches Meisterwerk, aber es lässt sich flüssig lesen. Höcker verwendet einen Erzählstil mit oft kurzen, prägnanten Sätzen und lässt uns am Innenleben des Ich-Erzählers teilhaben. Eine schöne, oft zu Herzen gehende Geschichte, die durch Abdrucke von Songtexten und durch Schwarz-weiß-Fotos von Konstantin, seinen Kindern und auch von den Begegnungen mit Udo Lindenberg aufgelockert wird.

Das wird allen Lindenberg-Fans gefallen. Zudem gibt es ein ganz besonderes Extra: Im Buch geht es ständig um Musik, um die Band Nirgendwo, die Lieder im Lindenberg-Stil schreibt und zeitweise von Konstantin gemanagt wird, um die Bands El Paniko und Before Cars. Es liegt eine CD mit 18 Tracks bei, die zum Teil eigene Werke der Bands enthält, zum Teil Interpretationen von Lindenberg-Songs wie "Desperado", "Sie liebten sich gigantisch" und "Jack". Gelungen! Einen Trailer und Bestellmöglichkeiten findet ihr HIER.

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