Alles ausser Fröhlich! 101 Horror-Tage mit Menowin Fröhlich

Helmut Werner

Veröffentlicht: 15.01.2011 / Gryphon Verlag

Von: Andreas Weist

Alles ausser Fröhlich! 101 Horror-Tage mit Menowin Fröhlich

Man fragt sich nach der Lektüre des Buches, wen man nun mehr bedauern soll: Menowin Fröhlich, dem irgendjemand eingeredet hat, man sei so etwas wie ein "Superstar", wenn man es aufs Siegertreppchen von DSDS geschafft hat? Hm. Oder High-Society-Youngster Helmut Werner, der immer wieder betont, wie er an das "Potential" von Menowin geglaubt hat und der nun alles dran setzt, jemanden zu vernichten, der schon längst am Boden liegt? Die Veranstalter, die ernsthaft der Meinung sind, 20minütige Karaoke-Shows seien so etwas wie "Pop-Konzerte"? Oder die immer noch vorhandenen Fans, die sich diese Mini-Playback-Auftritte antun und ihren vermeintlichen Star trotz aller Eskapaden weiter anhimmeln?

Irgendwann wird die DSDS-Kultur in die Fernsehgeschichte eingehen und man wird sich in verschämten Rückblicken an die längst vergessenen Gewinner und die seltsame Popkultur des beginnenden Jahrtausends erinnern. Und der einzige Name, der tatsächlich im Gedächtnis geblieben ist, wird natürlich der von Dieter Bohlen sein.

Was hat nun Helmut Werner dazu bewegt, ein Buch über Menowin zu schreiben (bzw. schreiben zu lassen, denn es gibt ja noch Alois Gmeiner als Ghostwriter)?  Ein PR-Gag? Kaum – dafür kommt Menowin zu schlecht weg. Verletzte Eitelkeit? Das schon eher. Er wollte dem Jungen helfen, hat aber zum Dank eins auf die Rübe bekommen. Und nun fühlt er sich bemüßigt, seine "101 Horrortage" (ich habe nicht nachgezählt, könnte aber hinkommen) in Worte zu fassen.

Das Buch ist ein netter Blick hinter die Kulissen – die Kulissen von DSDS und RTL, die Kulissen von einer Clique aus Managern, Mäzenen, Konzertveranstaltern, Künstlern und deren Freunden, über die man eigentlich nur den Kopf schütteln kann. Und klar ist jeder für jeden nur Mittel zum Zweck – um Geld zu scheffeln, um sich im Rampenlicht zu sonnen, um auf Kosten anderer für einige Zeit in Saus und Braus zu leben usw. Menowin hat dieses Leben – wenn man Werner glauben will – voll ausgekostet, ohne zu schnallen, dass es letztlich immer sein eigenes Geld war, das er verprasst hat.

Helmut Werner schildert die Geschehnisse natürlich aus seiner Sicht. Er war demnach der obercoole Manager, hat sich um alles gekümmert und musste sich zum Dank mit enttäuschten Fans und erbosten Veranstaltern rumschlagen. Man fragt sich allerdings, warum er dieses Spiel so lange (bis zum Eklat) mitgespielt hat. Schließlich war Menowin nach diesen Schilderungen an Unprofessionalität nicht zu überbieten. Das Ende vom Lied kennen wir: Statt endlich die versprochene (oder angedrohte...) Single auf den Markt zu bringen, wandert der Vize-Star in den Knast. Auf der Zeche aus zurückerstatteten Eintrittsgeldern, gecharterten Hubschraubern, verwüsteten Hotelzimmern und geleasten Luxus-Limousinen werden wohl einige Leute sitzen bleiben.

Das Buch ist in Interviewform aufgebaut: Gmeiner stellt die Fragen, andere (vor allem Werner) antworten. Größtes Manko: Das Werk strotzt vor Rechtschreibfehlern. Nicht nur in den zitierten Internet-Einträgen (da ist es korrekt, diese im O-Ton zu belassen), sondern auch im Buchtext. Nicht hier und da ein Flüchtigkeitsfehler, sondern Hunderte Rechtschreib-, Grammatik- und Ausdrucksfehler übers ganze Buch verteilt. Wenn man darüber hinweg liest, hat man aber ein spannendes Buch, das den versprochenen Blick hinter die Kulissen zulässt. Chronologisch aufgebaut wird die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Vize-Superstars erzählt.  Und Menowin kommt dabei nicht immer nur schlecht weg. Von den gesanglichen und charismatischen Qualitäten seines einstigen Schützlings ist Werner anscheinend noch heute überzeugt. Wie hieß eigentlich nochmal der Gewinner der letzten DSDS-Staffel?

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