Immer weiter - BAP Logbücher 2000-2004

Wolfgang Niedecken

Veröffentlicht: 01.10.2004 / Verlag Kiepenheuer & Witsch

Von: Thomas Kröll

Immer weiter - BAP Logbücher 2000-2004

Bücher zum Thema BAP gibt es mittlerweile einige. Angefangen hatte alles 1983 mit „BAP övver BAP“, ein Buch, das ich damals verschlungen und bis heute – ungelogen – bestimmt schon zwanzigmal wieder gelesen habe. Leider ist mir mein Exemplar (mit Originalunterschriften der „Urbesetzung“) irgendwann mal geklaut worden. Sollte derjenige welche dies hier zufällig lesen: Halte es wenigstens in Ehren, du Kleingeist!

Seit 1999 („Tonfilm“) führt Wolfgang Niedecken wieder regelmäßig sein Tourtagebuch. In „Immer weiter“ sind die von der „Partytour“ 2000 bis zur „SONX-Tour“ 2004 verewigt. 312 Seiten stark und mit 9,90 € zu einem, wie ich finde, angenehmen Preis. Da man es gerade als Rheinländer in den vergangenen 20 Jahren (mal mehr, mal weniger) schwer gehabt haben dürfte um das Thema BAP herumzukommen, dauert es beim Lesen ein wenig, bis der Spannungsbogen zündet.

Eine Tournee zeichnet sich nun mal dadurch aus, dass sich ein Konzert an das nächste, eine Halle an die andere reiht und ein Hotelzimmer das vorherige ablöst. Diesen Part erzählt Niedecken zwar mit viel Liebe zum Detail, der Crew und seinem Publikum, für Fans aber wird er damit nicht viel Neues bieten. Es sei denn, man findet „sein“ Konzert wieder. Oder erkennt sich als einer der „Oberfans“, denen er einige Stellen seines Buches widmet. Alles sehr kurzweilig, aber nicht unbedingt eine Quelle an neuen Erkenntnissen. Kann aber auch an mir liegen, muss ich fairerweise zugeben... Auf der anderen Seite nämlich hat das Ganze für all diejenigen, die es noch nicht wussten, wahrscheinlich einen höheren Unterhaltungswert.

Welche Hallen werden gerne bespielt, welche nicht und warum? Was macht der gemeine Rockmusiker an den freien Tourtagen? Unter welchen Kriterien läuft ein Soundcheck ab? Was passiert so alles backstage? Diese und andere Fragen beantwortet Niedecken mit Humor und Hintersinn. Berichte über unfähige (oder fähige) Veranstalter, fehlende Promotionaktionen (was z.B. bei der EXPO 2000 zu einem Gig vor 50 Leuten führte) oder die scheinbar unendliche Leidensgeschichte mit dem 1.FC Köln (in der ich mich dem Autor auf solidarische Art und Weise tief verbunden fühle) sind weitere Mosaiksteine.

Man trifft alte Bekannte, die Lienens, Bruce Springsteen sowieso oder Wim Wenders. Niedecken erzählt, wie seine Texte entstehen und entstanden, was es mit dem „Projekt für Afrika“ auf sich hat, warum BAP im Wahlkampf 2002 Rot-Grün musikalisch unter die Arme griffen und so weiter und weiter. Immer weiter! Logbücher eben!

Spätestens jetzt wird klar, dass Rock`n`Roll nicht mehr aus kreischenden Groupies im Hotelflur, liebevoll gebauten Joints oder Unmengen Alkohol besteht (obwohl letzterer immer noch gerne genommen wird...). Nee, das ist ein knochenharter Job, der im Falle Niedecken sogar ein ausgeprägtes politisches und gesellschaftliches Bewusstsein hat und neben Spass und Verantwortungsgefühl auch eine gute Kondition voraussetzt.

Äußerst informativ finde ich die eingestreuten Interviews, die Marion Heister als Herausgeberin mit Wolfgang Niedecken geführt hat. Da gibt es dann doch noch so manch Neues über Vergangenheit und Zukunft der Band und den Menschen Niedecken zu erfahren. Klasse! Sehr interessant auch die Passagen über die Aufnahmen zum „Aff un zo“-Album auf Mallorca (2001) und den Trip nach Marokko (2003). Abgerundet wird das alles noch durch zahlreiche Fotos, Bildschnipsel und Ausrisse der Original-Tagebücher.

Nur das Nachwort von Oliver Kobold hätte man sich sparen können. Er trifft zwar den Nagel gleich mehrmals auf den Kopf, macht dadurch aber jede weitere Buchbesprechung fast überflüssig. Doch, wie ihr seht, Bangemachen gilt nicht!

Fazit: „Immer weiter“ ist ein gelungenes Buch! Trotz aller zwischenzeitlichen Längen versprüht es kölschen Charme und Rock`n`Roll-Feeling. Ich wette, wenn es den Rockmusiker Niedecken einmal nicht mehr geben sollte, kann die einzig logische Folge eigentlich nur die sein, dass er FC-Präsident wird! Met singer Stehplatz-Mitte-Jahreskaat...

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