Dave Grohl - Die frühen Jahre

Jeff Apter

Veröffentlicht: 22.09.2011 / Bosworth Music GmbH

Von: Thomas Kröll

Dave Grohl - Die frühen Jahre

Für viele ist Dave Grohl der wahrscheinlich beste Schlagzeuger, Gitarrist und Sänger auf diesem Planeten. Zweifellos ist der 42-Jährige ein musikalisches Schwergewicht, das mit Nirvana Musikgeschichte geschrieben hat und mit den Foo Fighters riesige Stadien ebenso rockt wie die Garagen diverser Fans. Nebenbei sammelt er noch Gold und Platin veredelte Alben (jüngstes Beispiel: "Wasting Light"), ist bei allem Erfolg aber trotzdem immer ein vermeintlich sympathischer Kumpeltyp geblieben, wie zuletzt erst in der Foo Fighters-Doku "Back And Forth" zu besichtigen war.

Der Journalist und Autor Jeff Apter (u.a. langjähriger Redakteur beim "Rolling Stone") hat es sich (nicht als erster) zur Aufgabe gemacht, dem Phänomen David Eric Grohl etwas näher auf den Grund zu gehen. Sein Buch "Dave Grohl - Die frühen Jahre" wird nun in der Deutschen Erstausgabe von Bosworth Music veröffentlicht, erschien aber bereits 2006 zum 10-jährigen Jubiläum der Foo Fighters bei Omnibus Press unter dem Originaltitel "The Dave Grohl Story". Dass es geschlagene fünf Jahre bis zur deutschen Fassung gedauert hat, legt den Verdacht nahe, dass deren kommerzielles Potential bisher unterschätzt wurde und man den momentanen Hype um die Band jetzt quasi schnell noch nachträglich ausnutzen möchte. Schließlich haben wir es hier nach wie vor mit Dave Grohl's Geschichte von seiner Geburt am 14.01.1969 in Warren, Ohio bis zum Jahr 2005 und nicht mit einer erweiterten Neuauflage zu tun.

Trotzdem ist und bleibt die Lektüre des 416 Seiten starken (Taschen-)Buches durchaus lohnenswert. Selbst wenn sie phasenweise etwas anstrengend ist, zumindest bis zu dem Teil, in dem Grohl bei Nirvana einsteigt und man die Geschehnisse mit der eigenen Sozialisation abgleichen kann. Bis dahin wirft Apter Daten, Orte und Namen derart exzessiv durcheinander, dass er mehr Verwirrung stiftet als für Klarheit sorgt. Auch so mancher Exkurs (beispielsweise über Grohl's Heimatstadt) ist eindeutig zu langatmig geraten. Dennoch ist all dies natürlich wichtig, um zu verstehen, warum Dave Grohl zu dem wurde, was er heute ist.

Grohl wuchs im spießigen Amerika der 70er Jahre auf, bevor er zur Punkszene von Washington, DC konvertierte. Der erste prägende musikalische Einfluss waren - wie sollte es anders sein - Led Zeppelin (besonders in Person von John Bonham), später kamen Metallica oder Slayer hinzu. Seine Eltern ließen sich 1976 scheiden und bis heute ist Grohl am meisten stolz darauf, "dass ich mit meiner Familie und meinen Freunden engen Kontakt gehalten habe". Apter zeichnet seinen Weg von den ersten wackeligen Schritten als Autodidakt am Schlagzeug über das Engagement bei seinen Teenager-Helden Scream (mit dem späteren, kurzzeitigen Foo Fighters-Gitarristen Franz Stahl) bis hin zur schwindelerregenden Zeit bei Nirvana detailliert nach und lässt zahlreiche Weggefährten zu Wort kommen. Dabei gibt es viele lustige Anekdoten über erste Tourneen, auf denen die Band mit 7 Dollar pro Tag auskommen musste, ehe "Nevermind" durch die Decke ging, die Spannungen innerhalb der Band wuchsen und Kurt Cobain all dem schließlich im April 1994 ein Ende setzte. In den Monaten nach dessen Tod dachte Dave Grohl ernsthaft darüber nach, sich ganz aus dem Musikbusiness zurückzuziehen.

Glücklicherweise entschied er sich anders und gründete Mitte der 90er Jahre - zunächst als reines Ein-Mann-Projekt - mit den Foo Fighters eine der inzwischen wichtigsten Rockbands seiner Generation. Auf dem Weg dorthin gab es jedoch nicht nur Positives. Apter spart weder die diversen und nicht immer sauber abgelaufenen Besetzungswechsel aus, noch das Debakel als Stones-Support 1997 oder Taylor Hawkins' Drogenprobleme, die 2001 in einem körperlichen Zusammenbruch mündeten und die gesamte Band in eine tiefgreifende Krise stürzten, in deren Folge Dave Grohl für kurze Zeit zu den Queens Of The Stone Age "flüchtete". Nebenbei erfahren wir, dass Grohl früher regelrechte Panikattacken erlitt, wenn er vor großem Publikum spielen musste oder dass in seinem persönlichen Tour-Catering ein gepflegter Stinkekäse niemals fehlen darf. Darüberhinaus liefert Apter für den geneigten Hardcore-Fan aber nur wenig neue Erkenntnisse und Cobain-Witwe Courtney Love andauernd in die Nähe einer "raffgierigen Hexe" zu rücken, macht die Sache auch nicht spannender. Für meinen Gschmack kommt er zudem etwas zu häufig auf die Einnahmen der Foo Fighters zu sprechen, was auf einen gewissen Neidfaktor schließen lässt. Ergänzt wird "Dave Grohl - Die frühen Jahre" durch drei Fotostrecken, eine Disko- und eine Videographie.

Alles in allem ist sein Buch trotzdem eine - abgesehen von einigen Längen - gelungene Retrospektive des Werdegangs von Dave Grohl, der mit zwei Freunden begann, die in einem winzigen Studio ausprobierten, wie viele Songs sie in möglichst kurzer Zeit aufnehmen könnten. Grohl selbst hat sein Leben einmal mit dem Film "Apocalypse Now" verglichen: "Wir sind flussaufwärts unterwegs und der Boss - das bin ich - springt raus und wird von diesem Tiger überrascht. Er klettert wieder rein und brüllt: 'Verlasst nie das Boot, Mann, verlasst nie das Boot'. Nun ja: Die Foo Fighters sind dieses Boot".

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