John Lennon - Die Jahre in New York

Bob Gruen

Veröffentlicht: 01.09.2005 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

John Lennon - Die Jahre in New York

Am 8. Dezember 1980 fand das Leben eines der beeindruckendsten Sänger, Songwriter und einflussreichsten politischen Künstler des 20. Jahrhunderts ein jähes und viel zu frühes Ende. An diesem Tag wurde John Winston Lennon von dem geistig verwirrten Fan Mark Chapman vor seinem Wohnsitz, dem New Yorker Dakota-Building, erschossen. Am 9. Oktober 2005 wäre John Lennon 65 Jahre alt geworden.

Bob Gruen erinnert in seinem Buch an die Jahre zwischen 1971 und 1980, in denen John Lennon in New York lebte. Gruen ist einer der weltweit angesehensten Fotografen im Rock`n Roll-Business. Von den Rolling Stones über Led Zeppelin bis hin zu Mötley Crüe, Bon Jovi oder Green Day hat er mit unzähligen namhaften Musikern zusammengearbeitet. Berühmt wurde er jedoch vor allem durch seine Fotografien von John Lennon. So ist sein Buch mehr als eine Erinnerung geworden – es ist die Geschichte einer Freundschaft!

Auf 176 Seiten wird die besondere Beziehung zwischen Gruen und Lennon dokumentiert. Gut 200 seiner Fotos in Farbe und Schwarz-Weiß hat er dafür ausgewählt, zum Teil sind bisher unveröffentlichte Aufnahmen darunter. Der Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag hat es einmal mehr geschafft, daraus ein kleines Kunstwerk zu machen. Als Hardcover mit geschmackvollem Schutzumschlag, dazu im Großformat und durchgehend vierfarbig gedruckt. Alleine dieser Aufwand würde den Preis von 39.90 € schon mehr als rechtfertigen.

Aber natürlich sind es in erster Linie die Fotos, sicherlich aber auch die grossen und kleinen Geschichten die Bob Gruen über seine gemeinsame Zeit mit John Lennon und Yoko Ono zu erzählen hat, die dieses Buch so faszinierend machen. Ich habe es jedenfalls innerhalb von nur zwei Stunden „verschlungen“ und selten hat mich ein Musikbuch auf eine so besondere Art „gefesselt“. Eigentlich liest man es gar nicht – man hört förmlich wie Bob Gruen über John Lennon spricht. Voller Wärme, Respekt und Zuneigung.

Gruen lernt Lennon und Ono 1971 bei einem Benefizkonzert im New Yorker Apollo Theater kennen. Aus dem ursprünglich als „Privatfotograf“ engagierten Gruen wird im Laufe der Zeit der Freund Bob. Fortan begleitet er sie auf Konzerten, im Studio, in Bars und Restaurants, privat oder auf Parties. Er beschreibt seine ersten Fotoaufnahmen in einem Hotelzimmer, den ersten Besuch in John`s und Yoko`s Haus in der Bank Street, erzählt von Plattenaufnahmen, Pressekonferenzen oder Gerichtsverhandlungen.

Gruen schildert all dies jedoch nicht auf eine sentimental-verklärende, sondern auch kritische Art und Weise, eben so wie Freunde es tun (sollten). Dabei lässt er weder Lennon`s Alkoholeskapaden, die Trennung von Yoko Ono zwischen 1973 und 1975 oder dessen fast fünfjährigen Rückzug aus dem Musikgeschäft (1975 – 1980) außen vor. Gerade seine ehrliche Sicht der Dinge lässt dieses Buch so authentisch erscheinen. Er zeichnet ein Bild von John Lennon als das eines Mannes, der seine eigenen Dämonen erfolgreich bekämpft und sich zu einem fürsorglichen Ehemann und Vater wandelt. Das eines scharfsinnigen, zynischen, witzigen und geistreichen Menschen.

Viele der dabei entstandenen Fotos sind inzwischen Kultobjekte. Wie jenes, das John Lennon auf Liberty Island zeigt, mit der Freiheitsstatue im Hintergrund. Es sind jedoch andere Fotos, die mich persönlich mehr berührt haben. Beispielsweise die Aufnahmen rund um „Double Fantasy“, dem letzten Album vor Lennon`s Tod. Oder diejenigen, die ihn mit Yoko Ono kurz nach der Geburt seines zweiten Sohnes Sean zeigen. Insbesondere aber das im Grunde allerletzte Foto von John Lennon. Es ist das seiner blutverschmierten Brille, welches Yoko Ono 1981 für ihr Soloalbum „Season of Glass“ verwendete. Das Foto selbst ist nicht abgedruckt, aber alleine Gruen`s Beschreibung wie es entstand, zeugt von der Leere, Trauer und Verzweiflung, die er und Yoko Ono nach der Ermordung John Lennons empfunden haben müssen.

Etwas überrascht hat mich die Aussagekraft der Bilder auf denen John Lennon und Yoko Ono zusammen zu sehen sind. Die Rolle von Yoko Ono in Lennon`s Leben und Schaffen wurde immer sehr kritisch kommentiert und dabei oft missverstanden. Betrachtet man aber Gruen`s Fotos der beiden, hat man das Gefühl einer sehr innigen und in sich selbst ruhenden Beziehung. Offen und ehrlich, geprägt von fast vollkommenem Vertrauen ineinander. Auch Gruen nennt Yoko Ono eine ebenbürtige Partnerin und Freundin John Lennons. Er hat es geschafft, diesen Eindruck fotografisch festzuhalten.

„John Lennon – Die Jahre in New York“ ist wirklich ein außergewöhnliches Buch, das ich euch hiermit wärmstens zur Lektüre empfehlen möchte. Es geht sehr viel mehr in die Tiefe, als es Biographien oder Nachrufe üblicherweise vermögen. Vielmehr ist es der Beleg dafür, dass John Lennon der Welt bedeutend mehr hinterlassen hat als „Give Peace a Chance“ und „Imagine“.

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