John Peel
Jedesmal, wenn „Teenage Kicks“ im Radio gespielt wird, muss ich an John Peel denken. Denn jener Song von The Undertones war sein erklärtes Lieblingslied.
John Peel war der wohl bekannteste Radio DJ Großbritanniens, wahrscheinlich sogar der Welt. Seit der Gründung von BBC Radio 1 1967 war John Peel bis zu seiner letzten Sendung am 14. Oktober 2004 der Verfechter guter Musik. Zu seinen maßgeblichen Entdeckungen gehörten David Bowie, The Smiths, Pulp, Billy Bragg, Joy Division und The Fall. Erstaunlich, dass jemand wie er, der pro Woche an die 200 Tonträger zugesandt bekommen hat und ständig von Musik umgeben war, sich überhaupt für einen Song als Lieblingslied entscheiden konnte.
Rechtzeitig zum vierten Todestag von John Peel am 25. Oktober erscheint nun „The Olivetti Chronicles“, eine Sammlung von Artikeln, Kolumnen und Rezensionen. Außerdem gibt es einen kleinen Fototeil in der Mitte des Buches. Ausgewählt von seiner Familie, die schon seine angefangenen Memoiren beendete und posthum veröffentlichte („Margrave Of The Marshes“).
Alphabetisch geordnet versammelt das Buch Geschriebenes aus drei Jahrzenten, in denen John Peel unter anderem für The Listener, Sounds, The Observer oder The Independent schrieb. Wortgewandt und mit großer Wärme schrieb John Peel nicht nur von Musik. Alles was ihn interessierte oder beschäftigte fand den Weg in seine Artikel oder Kolumnen. Seien es Hautauschläge, Punks in Berlin oder Rasuren, alles verpackt in kurzweilige Prosa. Neben der Musik, ist es seine Familie, die am häufigsten Erwähnung findet. Die Geburt seiner Tochter, die bevor sie mit dem Namen Alexandra bedacht wurde, als Childe B bezeichnet wurde beschreibt er ebenso, wie „The Pig“ seine Frau Sheila, die wiederholt auftaucht. Auch kommentiert er, wie schon in seiner Radiosendung, Briefe von Hörern und Fans, in seiner charmant unterhaltsamen Art.
Seine Gedanken sind zwar nicht immer geradlinig zu Papier gebracht und manchmal weiß man nicht so recht, worauf er jetzt hinaus wollte, aber auch Unsinnigkeiten liest man gerne, wenn sie so nett geschrieben sind. Die Artikel zeichnen sich nicht unbedingt durch Faktenreichtum aus, vielmehr schimmert durch seine Worte die ungebrochene Liebe zur Musik, seiner Familie und dem Leben. Der Ton ist durchweg locker und mit einigem Augenzwinkern.
Das alles handgetippt auf seiner alten Olivetti Schreibmaschine, für die er im Laufe der Zeit kaum noch Farbbänder fand, aber trotzdem dabei blieb. John Peel, dem man schon in der Schule attestierte, er hätte einen Enthusiasmus für unhörbare Musik und Freude am Schreiben von witzigen Essays hat diesen, seinen Weg unbeirrbar befolgt, der ihn zu einem der beliebtesten Briten hat werden lassen. Denn nicht nur in seiner Heimat war er „Uncle John“ mit dem unglaublichen Musikgeschmack, sondern auch weit über die Grenzen hinaus, in Deutschland sendete Radio Eins in Berlin seine Sendung. Unsterblich wurde er spätestens durch die „Peel Sessions“, die immer noch aus den Archiven der BBC in die Welt gesendet werden.
Bei der Lektüre dieser schönen Sammlung von Artikeln, wird einem wieder einmal schmerzlich bewusst, dass die Welt vor vier Jahren nicht nur einen legendären Radiomoderator verloren hat, sondern auch eine Persönlichkeit, wie es sie nur selten gibt. Jedesmal, wenn „Teenage Kicks“ im Radio gespielt wird, denke ich an John Peel und muss lächeln.