Jon Bon Jovi - Gespräche mit Phil Griffin
In den vergangenen 25 Jahren haben Bon Jovi weltweit über 120 Millionen Alben verkauft. Trotz ihrer ungeheuren Popularität bekamen die Fans allerdings bisher kaum einmal Einblick in das persönliche Leben von Jon Bon Jovi, Richie Sambora, David Bryan und Tico Torres. Zur Feier ihres 25. Geburtstages jedoch gewährte die Band dem Fotografen und Filmemacher Phil Griffin uneingeschränkten Zugang, nicht nur auf der Bühne während ihrer Lost Highway-Tour 2008, sondern auch privat und backstage. Daraus entstand das nun vorliegende Buch "When We Were Beautiful" und ein gleichnamiger Dokumentarfilm, der 2009 auf dem Tribeca Film Festival in New York Premiere feierte. Phil Griffin arbeitete als Regisseur und Fotograf bereits mit Stars wie Amy Winehouse, Prince, Annie Lennox, Paul McCartney oder den Kings Of Leon zusammen, kennt sich also bestens aus im Metier.
"When We Were Beautiful" ist das offiziell erste von der Band vollständig autorisierte Buch über Bon Jovi. Mehr noch! Die Texte stammen (bis auf die Einleitung) ausnahmslos von den Musikern selbst und wurden von Phil Griffin in vielen Gesprächen aufgezeichnet. "Mit dem Film und diesem Buch laden wir (...) die Leute ein, etwas über die Beziehungen zwischen den Bandmitgliedern zu erfahren und auch etwas über unsere Beziehung zur Öffentlichkeit und über die Songs, die Jon und ich geschrieben haben", bringt es Richie Sambora auf den Punkt. Zunächst fällt dabei das überaus edle Design ins Auge. "When We Were Beautiful" wurde vom Hannibal-Verlag als Hardcover mit Schutzumschlag im Format 29 x 24 cm aufgelegt und jede einzelne der insgesamt 192 Seiten rechtfertigt den Preis von 24,95 EUR vollkommen.
Das Buch reicht zurück bis in die Frühzeit des Quartetts in Sayreville, New Yersey. Viele private Fotos dokumentieren diese Phase ebenso amüsant wie vortrefflich. Was von Anfang an deutlich wird ist die Tatsache, dass sich Bon Jovi (bis heute) als Familie, als Freunde, ja als Brüder betrachten. Jon Bon Jovi nimmt dabei die uneingeschränkte Rolle des Leaders ein, Richie Sambora die seiner rechten Hand. So ähnlich wie früher bei Frank Sinatra und Dean Martin. "When We Were Beautiful" schildert die Anfänge ihrer außergewöhnlichen Karriere und den zunehmenden Erfolg, aber auch die Krisen und Kämpfe innerhalb der Band. Laut David Bryan war er zwischen 1984 und 1990 ganze sechs Monate zuhause und Bon Jovi standen kurz vor dem Aus: "Wir waren nur noch ein Trümmerhaufen - emotional, körperlich". "Keep The Faith" markierte 1992 schließlich den Neuanfang, der bis zum aktuellen Album "The Circle" andauert.
Neben der Bandgeschichte portraitiert Phil Griffin auch die einzelnen Bandmitglieder, lässt in seinen Fotos die Intensität ihrer Live-Auftritte lebendig werden, wirft einen Blick hinter deren Kulissen oder das Geschehen jenseits der Band (z.B. auf die Unterstützung für das Projekt H.O.M.E., welches sich um Obdachlose kümmert), schildert den Prozess des Songwritings und wagt einen Ausblick über das 25-jährige Jubiläum der Band hinaus. Es würde sicherlich den Rahmen dieser Besprechung sprengen, auf jeden einzelnen Aspekt seines Buches eingehen zu wollen. Kern- und Glanzpunkte von "When We Were Beautiful" sind aber Phil Griffins grossartige Fotos und die solcher Kollegen wie Kevin Westenberg, Herbie Knott, Mark Weiss oder Olaf Heine.
So entsteht eine facettenreiche Innenansicht von Bon Jovi, an der nicht nur die Fans der vier Südstaatenrocker ihren Spass haben dürften. Auf die in vergleichbaren Werken leider oftmals übliche Selbstbeweihräucherung haben alle Protagonisten erfreulicherweise fast gänzlich verzichtet und zeichnen stattdessen ein spannendes und vor allem authentisches Bild von sich selbst. Möchte man überhaupt etwas an "When We Were Beautiful" kritisieren, so den Umstand, dass mit Alec John Such (bis 1994) und seinem Nachfolger Hugh McDonald die beiden Bassisten aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen nicht zu Wort kommen.