Life

Keith Richards

Veröffentlicht: 02.11.2010 / Heyne Verlag

Von: Günther Schuhbäck

Life

Natürlich erfordert die Rezension einer Biographie dieses Mannes das gleichzeitige Hören einiger seiner Werke, zumindest erleichtern die Songs den Zugang zu ihm. Viele Legenden ranken sich um Keith Richards und sollte auch nur die Hälfte davon wahr sein, ist er seit mindestens 20 Jahren tot. Den daraus entstandenen Vorstellungen und Erwartungen ist er sich durchaus bewusst und er kokettiert damit, selbstverständlich augenzwinkernd. "This is the life. Believe it or not, I haven´t forgotten any of it" steht als Widmung direkt auf der Umschlaginnenseite, um gleich den ersten blöden Spruch vorweg zu nehmen, den wohl jeder im Kopf hatte, als es hieß, Keith Richards würde eine Biographie veröffentlichen.

Den zweiten kontern prall gefüllte 723 Seiten, ergänzt durch eine ganze Reihe Fotos aus dem Privatalbum. Mick Jagger hatte bereits vor einigen Jahren versucht, eine Biographie zu schreiben, gab das Projekt aber schließlich mit Rückzahlung des Vorschusses auf. Dass jetzt seine eigene Bio erscheint, ist für Herrn Richards natürlich Grund genug, einige Seitenhiebe auf seinen "Erzfreund" Mick Jagger abzufeuern, doch hat das auch immer etwas von verletzten Gefühlen. Angefangen bei der legendären ersten Begegnung der beiden am Bahnhof, scheint es sich für Keith Richards neben der verbindenden Liebe zur Musik vor allem um den Kampf zweier entgegengesetzter Systeme zu handeln, der bis heute andauert. So kommunizieren die beiden wohl nur noch im Notfall miteinander.

Auch die Geschichte, dass er zwei Jahre lang mit Johnny Depp jammte, diesen allerdings für den Dealer seines Sohnes hielt und sehr überrascht war, als er von ihm eine Rolle in "Fluch der Karibik" angeboten bekam, kommt in "Life" vor. Ebenso alles über Brian Jones, Anita Pallenberg, den Kampf mit den Gesetzen der Vereinigten Staaten wegen aufblasbarer Schwänze, Drogen, Verhaftungen, Mick Taylor, Drogen, Ron Wood, Drogen, Alkohol und immer wieder Musik, Blues, vor allem Blues.

Doch gibt es auch ein Leben vor den Stones und da wird "Life" richtig gut. Die Erinnerungen an die Geräusche der Spitfires in den letzten beiden Kriegsjahren, die Nachkriegskindheit in Dartfort, Spielen in den Trümmern, Wohnen in zerstörten Häusern. Alles das, was alle Menschen in dieser Zeit geprägt hat, nimmt in diesem Buch einen großen und wichtigen Teil ein. Während der Vorbereitungen auf diese Biographie besuchte Keith Richards noch einmal seine Heimat und fühlte sich durch die sehr direkte, ehrliche Art wieder stark an seine Wurzeln erinnert, Wurzeln, die er nicht verloren hat. Hinter dem ganzen Rockstargedöne kommt ein sehr bescheidener, geerdeter Mensch zum Vorschein, der immer noch der kleine Junge aus dem Arbeiterviertel ist, der macht was er möchte, egal was andere dazu sagen. Zumindest will "Life" uns das vermitteln. Aber vielleicht wird da ja gerade an einer neuen Legende gestrickt?

 

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