Liv Spencer
Manch einer mag sich an dieser Stelle fragen, was eine Buchbesprechung der Vampir-Saga "Twilight" in einem Musikportal wie dem unseren zu suchen hat. Nun, bei genauerer Betrachtung eine ganze Menge. Es sind nämlich nicht nur die Romane und Filme, die diese Liebesgeschichte zwischen Mensch und Vampir zu einer der grössten Mediensensationen des Jahrzehnts gemacht haben, es ist ebenso die Musik. So haben wir beispielsweise schon die Soundtracks zu "New Moon", "Biss zum Morgengrauen" und ganz aktuell "Eclipse - Biss zum Abendrot" besprochen (am 15. Juli startet die gleichnamige dritte Romanverfilmung in den deutschen Kinos). Letzterer glänzte sogar mit exklusiven, bisher unveröffentlichten Songs von Muse, Florence & The Machine, Vampire Weekend oder Band Of Horses und dürfte wie seine beiden Vorgänger in Kürze Platin-Status erreicht haben. Aber auch sonst finden sich in den Tracklisten solch illustre Namen wie Paramore, Linkin Park, Perry Farrell oder Collective Soul. Es lohnt sich also, das Phänomen "Twilight" genauer unter die Lupe zu nehmen.
Pünktlich zum Kinostart des dritten Films erscheint nun bei Schwarzkopf & Schwarzkopf das erste Fanbuch "Die Twilight-Saga: Zum Beißen schön". Wie von dem Berliner Verlag gewohnt in liebevoller Aufmachung und zum teenagerfreundlichen Taschengeldpreis von 14,95 EUR. 168 Seiten, ca. 100 Fotos, das Ganze auf Kunstdruckpapier sowie als qualitativ hochwertiges Paperback sind jeden einzelnen Cent wert. Alleine die Ausstattung ist ein Augenschmaus. Der Inhalt steht dem kaum nach. Liv Spencer, die bereits ähnliche Bücher über Taylor Swift und Miranda Cosgrove veröffentlicht hat, bietet darin einen gelungenen Überblick über das gesamte "Twilight"-Universum.
Sie beginnt mit einer Biografie von Stephenie Meyer, die 2003 von einem Vampir träumte, die Geschichte niederschrieb und somit in kürzester Zeit von einer dreifachen Mutter und Hausfrau zur Bestsellerautorin mutierte. Offensichtlich ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren: "Nachdem ich dreißig Jahre lang der normalste Mensch der Welt gewesen bin, ist es wirklich schwer, mich darauf einzulassen. Wenn ich nicht auf Promo-Tour bin oder Fotoshootings habe, vergesse ich den ganzen Trubel schon mal". Übrigens lässt sich Stephenie Meyer beim Schreiben gerne von Pop- und Indiesongs beeinflussen. Sie erstellt sogar entsprechende Playlisten für ihre Leser. Von wegen Musik...
Darüberhinaus beleuchtet Liv Spencer die Geschichte von Bella und Edward und analysiert ihre ungleiche Liebe. Sie portraitiert die Stars wie Robert Pattinson, Kristen Stewart oder Taylor Lautner ebenso wie die zahlreichen anderen Haupt- und Nebendarsteller. Dabei erfährt man zum Beispiel, dass Robert Pattinson 1998 nicht nur einen Preis für den unordentlichsten Tisch der Schule gewonnen, sondern auch zwei eigene Songs als Filmmusik zu "Twilight" beigesteuert hat. Spencer wirft weiterhin einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten, erzählt von den Filmpremieren und führt den Leser zu den Original-Schauplätzen der vierteiligen Romanreihe.
Zusätzlich listen Schaukästen wissenswerte Details am Rande auf, etwa die einzelnen Drehorte oder die typischen Merkmale eines "Twilight"-Vampirs (der im Gegensatz zu seinen Vorfahren im Sonnenlicht nicht verbrennt, sondern anfängt zu funkeln, nicht in Särgen schläft und durchaus auch mal vegetarischer Kost zugeneigt ist). Untermalt wird all dies (und mehr) durch viele O-Töne der Protagonisten. Beispielsweise erklärt sich Stephenie Meyer ihren immensen Erfolg so: "Wenn ich schreibe, vergesse ich oft, dass es keine wahre Geschichte ist. Ich lebe die Story, und ich denke, dass die Leute das beim Lesen merken. Wenn ich über diese Figuren schreibe, existieren sie für mich wirklich, und offenbar werden sie dadurch auch für die Leser real. Darin liegt im Grunde die ganze Magie". Das nennt man dann wohl 100 Millionen verkaufte Exemplare weltweit einfach erklärt.
Was auch immer letztlich dahinterstecken mag, in "Die Twilight-Saga: Zum Beißen schön" hat Liv Spencer alle relevanten Infos und Fakten zu diesem ganzen Hype wunderbar detailliert aufgearbeitet. Oder um im blutsaugenden Bilde zu bleiben: Für Fans ist die Lektüre mit Sicherheit ein Leckerbissen!