Marcus Hearn
Genaugenommen gibt es nicht nur eine, sondern mindestens drei Versionen von Pink Floyd. 1964 gegründet starteten die Briten zunächst in eine eher experimentelle Psychedelic-Phase, der die Konzeptalben der 70er Jahre und schließlich bombastische Stadionkonzerte in den 80ern und 90ern folgten. Bereits 1975 wog das Bühnenequipement von Pink Floyd über elf Tonnen, von der aus 340 Pappmaché-Steinen bestehenden, 50 Meter langen und 10 Meter hohen Konstruktion für "The Wall" ganz zu schweigen. Aufgrund seiner Komplexität und der damit verbundenen hohen Kosten wurde "The Wall" auch insgesamt nur 29 Mal live aufgeführt. Kurzum: Pink Floyd sind eine der bekanntesten und schillerndsten Rockbands die es je gab, mit mehr als 200 Millionen verkaufter Alben weltweit. Ihr Album "Dark Side Of The Moon" von 1973 hielt sich 740 Wochen in den Billboard-Charts - ein bis heute ungeschlagener Rekord.
Es gäbe noch vieles über die Geschichte von Syd Barrett (Mitglied bis 1968), Roger Waters (bis 1985), Rick Wright (bis 1981 und erneut seit 1987), Nick Mason (der als einziger auf allen Alben vertreten ist) und David Gilmour zu erzählen. Etwa über ihre musikalische Wandlungsfähigkeit, in die sie später Elemente des Prog-Rock, Blues, Jazz und sogar der Klassik einfließen ließen. Über bandinterne Zwistigkeiten oder den einmaligen Reunion-Gig beim Live 8-Konzert 2005 in London, als Pink Floyd erstmals seit 1981 wieder in Originalbesetzung auftraten. Freilich ohne ihren genialen aber psychisch labilen Mastermind Syd Barrett, der sich zu diesem Zeitpunkt schon längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte und am 7. Juli 2006 starb (einen Tipp in Sachen Barrett-Literatur findet ihr hier).
"A Tribute To Pink Floyd" erhebt ausdrücklich nicht den Anspruch eine derart umfassende Chronik zu sein. Der britische Musikjournalist Marcus Hearn umreißt die Bandgeschichte nur sehr kurz. Die von ihm zusammengestellten, meist großformatigen Fotos (genau 152 Stück an der Zahl) illustrieren den Status dieser Ausnahmeband weitaus deutlicher als es Worte vermögen könnten. Damit reiht sich sein Bildband nahtlos in die Reihe ähnlich hochwertiger Veröffentlichungen der "A Tribute To"-Reihe ein, etwa über Led Zeppelin, The Who, die Sex Pistols oder Queen. Der Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag hat daraus wiederum ein 160 Seiten starkes Schmuckstück gezaubert (mit 29,90 EUR nebenbei noch zu einem ebenso zauberhaften Preis). Das Buch entstand in enger Zusammenarbeit mit der legendären Londoner Fotoagentur Rex Features, die seit 1954 über ein in dieser Art vermutlich einzigartiges Archiv an Aufnahmen zu vielen Bands der Rockgeschichte verfügt.
Fast 40 Jahre Pink Floyd sind in diesem Fotoband dokumentiert. Angefangen beim ersten fast schüchternen Pressetermin der Band im April 1967 über Aufnahmen als gereifte Männer bei Live 8 bis hin zum letzten Bild des Buches, auf dem man die Trauerkarte eines Fans vor dem Haus von Syd Barrett kurz nach dessen Tod sieht. Dazu gibt es Porträts der einzelnen Bandmitglieder, seltene Kontaktabzüge, die ersten Aufnahmen der Band mit David Gilmour statt Barrett im Mai 1968, Fotos mit Jeanne Moreau in einem Pariser Kloster, von den Dreharbeiten zum Film "Pompeji" oder von dem riesigen aufblasbaren Bett, das 1987 als Werbung für "A Momentary Lapse Of Reason" über der Themse schwebte. Vor allem die Liveshots sind von beeindruckender Intensität, sei es nun beim Midsummer High Festival 1968, dem Holland Pop von 1970 oder bei einem Auftritt 1989 in London. Den verschiedenen Fotografen gelingt es dabei den verschiedenen künstlerischen Phasen der Band einen nachhaltigen Ausdruck zu verleihen. Beispielsweise indem sie für Aufnahmen der psychedelischen Phase Filter und Verzerrungen benutzten.
So entsteht am Ende dann doch noch eine fast komplette Retrospektive der Karriere von Pink Floyd und gleichzeitig der bis dato umfassendste Bildband über diese Band. Ein Buch, das sich dem Legendenstatus seiner Protagonisten als absolut würdig erweist. "A Tribute To Pink Floyd" ist eine außergewöhnliche visuelle Reise, an deren Ende man am liebsten gleich wieder von vorne beginnen möchte.