Martin Huxley
Ich wage mal die Prognose, dass der kommende Oktober als der "AC/DC-Monat" in die Annalen der Musikgeschichte eingehen wird. Seit fast 35 Jahren sind die fünf Australier nun schon der Inbegriff schlechthin für das, was wir Rock`n Roll nennen. AC/DC haben nie versucht "in" zu sein. Deshalb mussten sie auch nie fürchten, irgendwann wieder "out" sein zu können. Am 17. Oktober wird mit "Black Ice" nach acht langen Jahren Pause endlich ihr fünfzehntes Album veröffentlicht und nachdem kürzlich quasi als Vorbote bereits eine Neuauflage ihrer legendären "No Bull"-DVD erschien (hier ein Review), sei an dieser Stelle eine Biographie besprochen, die im Original zwar schon aus dem Jahre 1996 stammt, sich nun aber in einer neuen und aktualisierten Taschenbuchausgabe des Hannibal Verlages ein weiteres Mal anschickt, uns die Wartezeit bis zum ultimativen AC/DC-Comeback zu verkürzen. Im März des vergangenen Jahres gab es "AC/DC - Die Biographie" zudem bereits als Hörbuch auf einer Doppel-CD zu kaufen, gelesen von Heinz Hoenig.
In seinem 217 Seiten starken Buch (aufgelockert durch einige Schwarz/Weiß-Fotos) zeichnet der New Yorker Musikjournalist Martin Huxley die Karriere von AC/DC von deren Anfängen bis etwa zum Jahr 2001 nach. Die angehängte Diskographie reicht sogar bis 2005 und nennt erstmals auch die Chartplatzierungen der Alben und Singles in Deutschland. Huxley ist dabei zwar bei weitem kein Mammutwerk wie etwa dem 2007 erschienenen "Maximum Rock`n Roll" von Murray Engleheart und Arnaud Durieux gelungen, aber als Einstieg in den von Erfolgen ebenso wie von Tragödien gekennzeichneten Werdegang von AC/DC eignet sich sein Buch allemal. Denn auch wer das Quintett bisher nur oberflächlich kannte, wird hier zumindest ein Stück weit hinter die Kulissen geführt. Als Basis für seine Biographie nutzte Martin Huxley zahlreiche Interviews aus dem Umfeld der Band.
Revolutionäre Neuigkeiten sind dabei natürlich nicht zu erwarten. Lediglich die Idee, Angus Young als "Oskar Matzerath der Rockmusik" zu bezeichnen, ist ebenso ungewöhnlich wie verblüffend zutreffend. Ansonsten schildert Huxley die Familiengeschichte der Youngs rund um ihre Auswanderung nach Australien 1963, die ersten musikalischen Gehversuche als "Easybeats" und den Startschuss für AC/DC in der Originalbesetzung mit Angus und Malcolm Young, Sänger Dave Evans, Larry Van Knedt am Bass sowie Schlagzeuger Colin Burgess. Er beschreibt den Einstieg von Bon Scott und seinen Einfluss auf die Entwicklung der Band bis hin zu seinem tragischen Tod im Februar 1980. Dazwischen liegt der Aufstieg von AC/DC zu Australiens Rockband Nr.1, ab 1976 dann über England auch in Europa und anschließend in den USA. Einige Geschichten werden nur kurz angerissen, andere ausführlich erzählt. Fast exakt die Hälfte des Buches widmet sich der Zeit mit Bon Scott und die andere Hälfte seinem Nachfolger Brian Johnson, der für mich persönlich selbst nach über 25 Jahren komischerweise immer noch irgendwie "der Neue" ist. Huxley lässt den Leser an der Entstehung der einzelnen Alben teilhaben oder an den anfänglichen Schwierigkeiten der Band mit den Behörden, besonders in ihrem Heimatland, aufgrund ihrer Texte und insbesondere wegen Angus Youngs berühmtem Live-Strip. Er begleitet uns durch zahlreiche Höhen und Tiefen, die AC/DC hinter sich gebracht und die sie zu dem gemacht haben, was sie auch heute noch sind: Eine der erfolgreichsten, grössten und authentischsten Rockbands auf diesem Planeten! Das Buch endet mit einem Ausblick auf den zweiten Teil der "Stiff Upper Lip"-Tour im Juni und Juli 2001, ohne zu ahnen, dass dies für längere Zeit die letzte AC/DC-Tour gewesen sein sollte.
Sicherlich hat Martin Huxley keine Enzyklopädie in Sachen AC/DC geschaffen. Dafür gibt es genug andere und vor allem umfassendere Bücher. Um jedoch vor dem im nächsten Monat anstehenden Comeback noch einmal die wichtigsten Stationen in der einzigartigen Karriere von AC/DC zu rekapitulieren, hat auch seine Biographie durchaus ihre Daseinsberechtigung. Freuen wir uns gemeinsam auf das, was wir von dieser Band hoffentlich noch alles erwarten dürfen. For Those About To Rock! We Salute You!