Ross Halfin
Metallica muss man wohl niemandem mehr vorstellen. Der Name ist Programm! Wer in 25 Jahren 100 Millionen Alben verkauft, der kann soviel nicht falsch gemacht haben. In den Achtzigern erlangte die Band mit ihrem Speedmetal Kultstatus, bevor sie 1991 durch das sogenannte "Black Album" fast schon salonfähig wurde. Songs wie "Enter Sandman" oder "Nothing Else Matters" liefen plötzlich im Radio rauf und runter.
Im negativen Sinne prägend für die Bandgeschichte war sicherlich der Tod von Bassist Cliff Burton, der 1986 bei einem Unfall des Tourbusses ums Leben kam. Als sein Nachfolger wurde Jason Newsted verpflichtet, der jedoch über die Position eines "Ersatzmannes" nie wirklich hinauskam. Aufgrund dessen und wegen anderweitiger musikalischer Differenzen stieg Newsted 2001 wieder bei Metallica aus. Hinzu kam der exzessive Alkoholgenuss von Frontmann James Hetfield, welcher beinahe das Ende der Band bedeutet hätte. Aber glücklicherweise ist es soweit nie gekommen!
Nach einer intensiven Gruppentherapie, die 2004 unter dem Titel "Some Kind Of Monster" als Dokumentarfilm in die Kinos kam, wagten Metallica 2003 mit dem Bassisten Rob Trujillo einen neuen Anfang. Ihr wütendes Comebackalbum "St. Anger" stieg in 30 Ländern auch prompt auf Platz Eins der Album-Charts. Wie sehr Metallica ihre ursprüngliche Kraft und Ausstrahlung wiedergewonnen haben, bewiesen sie nicht zuletzt bei ihrem denkwürdigen Auftritt auf dem letztjährigen Rock am Ring-Festival, als sie das komplette "Master Of Puppets"-Album von 1986 von vorne bis hinten durchspielten. Zur Zeit arbeitet die Band an einem neuen Album. Im Juli beginnt dann ihre "Sick Of The Studio 07"-Tour. Metallica sind lebendiger denn je!
Metallica backstage in New York nach einem Auftritt während der Damage Inc.-Tour im Vorprogramm von Ozzy Osbourne (Foto: Ross Halfin).
Starfotograf Ross Halfin hat die Band von 1983 bis 1996 auf ihren Tourneen rund um den Erdball begleitet. Mit dem vorliegenden Bildband setzen er und der Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag Metallica nun ein würdiges und vorläufiges Denkmal. Und zwar eines aus satten 500 Fotos auf 240 Seiten, dazu im 24 x 30 cm-Großformat, fadengeheftet, fest gebunden und auf hochwertigem Kunstdruckpapier. Schöner geht es kaum. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, hat es der Verlag hier zum x-ten Mal geschafft, exquisite Qualität zu einem erschwinglichen Preis anzubieten. In diesem Fall 49,90 Euro. Da sollte selbst jenen, die sich nicht als eingefleischte Metallica-Fans outen würden, die Kaufentscheidung leichtfallen.
Mit diesem Buch kann man einfach nichts falsch machen. Insbesondere Halfin`s Live-Fotos sind von solch eindringlicher Präsenz, dass man den Schweiß der Protagonisten darin förmlich riecht. Nicht umsonst nehmen sie den meisten Raum ein. Die Aufnahmen zeigen die Band beispielsweise auf ihrer drei Jahre dauernden "Wherever We May Roam"-Tour oder während der legendären "Damaged Justice"-Tour in Japan. Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass dabei zwei Welten aufeinander prallten. Halfin fotografierte Metallica auf einem Flugzeugträger in New York ebenso wie vor dem Wat Arun Tempel in Bangkok oder auf einem Gletscher in Alaska. Auch die Bilder aus dem Backstagebereich, dem Studio oder dem Tourbus sind nicht minder beeindruckend. Die Cliff Burton-Ära wird erfreulicherweise ausführlich dokumentiert. Fotografische Portraits der vier Bandmitglieder - James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammet und Jason Newsted - runden das Ganze ab. Einige der Fotos erinnern an den Stil von Anton Corbijn, wobei der Vergleich dieser beiden herausragenden Fotografen natürlich unzulässig ist.
James Hetfield bei der Fotosession auf einem Gletscher in Anchorage, Alaska (Foto: Ross Halfin).
Und als wäre das alles noch nicht genug des Augenschmauses, hat Halfin seine Fotos mit zahlreichen Kommentaren versehen. Solche wie diesen: "Kirk auf der Bühne. (...) Er hatte meinem Assistenten Andrew einen Drink in die Hand gedrückt, bevor ich die Aufnahme machte. Andrew nahm einen großen Schluck, weil er dachte, dass es Bier sei. Es war Urin; Kirk hatte in den Becher gepinkelt, bevor er wieder zurück auf die Bühne ging. Er konnte nicht glauben, dass Andrew es tatsächlich getrunken hatte". Hammet selbst steuert zum Buch darüberhinaus auch noch ein Vorwort bei. Ross Halfin hingegen zieht ein etwas bitter klingendes Fazit seiner Zusammenarbeit mit Metallica: "Sie sind jetzt eine andere Band als früher. Damals waren wir sehr gute Freunde, aber mit der Zeit verändern sich die Menschen. Ich lernte sie kennen, als sie jung und enthusiastisch waren und heiß darauf, fotografiert zu werden. (...) Als ich das letzte Mal mit ihnen zu tun hatte, waren sie von Bodyguards und persönlichen Assistenten umgeben. Meine Güte, wie sich die Zeiten geändert haben...".
Dafür, dass es diese Zeiten überhaupt gab (und noch immer gibt) und wir sie nun in Form dieses wahrlich prachtvollen Bildbandes noch einmal erleben dürfen, sollten wir trotzdem dankbar sein - dem Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Metallica natürlich und nicht zuletzt Ross Halfin! Im Herbst diesen Jahres erscheint übrigens seine nächste fotografische Sammlung. Dann sind Iron Maiden im Fokus. Ich freue mich jetzt schon darauf!