Nadja Benaissa: Alles wird gut

Tinka Dippel

Veröffentlicht: 27.09.2010 / edel Rockbuch

Von: Astrid Weist

Nadja Benaissa: Alles wird gut

Biografien über Künstler gibt es viele – aber wohl eher selten über welche, die gerade mal 28 Jahre alt sind. Nadja Benaissa hat in diesen 28 Jahren allerdings schon so viel mitgemacht, dass es für mehr als ein ganzes Leben ausreicht. Als Jugendliche drogenabhängig, mit 16 schwanger und mit dem HIV-Virus infiziert, Mitglied der ersten im Fernsehen gecasteten Girlgroup Deutschlands und zuletzt als Angeklagte in einem öffentlichen Prozess in den Schlagzeilen – das alles ist wahrlich genug Stoff für ein Buch. Mit "Alles wird gut" zieht Nadja die Bilanz ihres bisherigen Lebens und gleichzeitig einen Schlussstrich darunter, um nun nochmal neu und anders weiter zu machen.

Geschrieben wurde das Buch von der Journalistin Tinka Dippel, die sich von Januar bis August 2010 für zahlreiche Interviews mit Nadja getroffen hat. Die Geschehnisse um die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung bilden den Rahmen für Nadjas Geschichte – das Buch beginnt mit ihrer überraschenden Verhaftung Ostern 2009 und endet mit dem Prozess im diesem Sommer. Dazwischen wird Nadjas Leben aufgerollt, von der relativ normalen Kindheit im hessischen Langen über ihren Absturz in die Drogenwelt bis zum unglaublichen Erfolg mit den No Angels. Tinka Dippel erzählt meist sachlich, aber doch anschaulich, und zahlreiche Zitate von Nadja selbst verleihen dem Ganzen Authentizität. Zwischendurch gibt es auch einige Bilder, aber nicht die üblichen und allzu bekannten Pressebilder, sondern welche, die größtenteils aus privaten Fotoalben zu stammen scheinen.

"Alles wird gut" ist für eine Biografie erstaunlich spannend und unterhaltsam. Die Kapitel über Nadjas Drogenvergangenheit erinnern an "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und es wird auch auf die anderen Mitglieder der Familie Benaissa eingegangen, die um Nadja kämpfen, mit ihr leiden und immer wieder für sie da sind. Gerade die unerwartet Schwangerschaft mit 16 und die schockierende Diagnose, HIV-positiv zu sein, sind für Nadja der Auslöser, von den Drogen wegzukommen und um sich und die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes zu kämpfen. Gewissermaßen ist es also ihre Tochter Leila, die sie ins Leben zurückholt.

Dann das Popstars-Casting und die Zeit mit den No Angels. Nadja hat plötzlich die Chance auf Erfolg und Berühmtheit, muss dafür aber viel kostbare Zeit mit ihrer Tochter opfern. Sie entscheidet sich damals für das Leben als Popstar – im Rückblick täte sie das heute nicht mehr, da es sie nicht wirklich glücklich gemacht hat. 2005, nach der zwischenzeitlichen  Auflösung der No Angels, kommt sie ihrer Vorstellung einer Musikerkarriere dann näher, tritt beim Bundesvision Songcontest  auf und veröffentlicht ihr Soloalbum "Schritt für Schritt", das finanziell leider floppt. Nach dem Prozess hat sie sich nun endgültig von der Band getrennt und plant ein Album mit Liedern von Rio Reiser.

Nadja Benaissa war in den letzten 10 Jahren oft in den Schlagzeilen, ist eine öffentliche Person, über den man viel zu wissen glaubt. Wer sich allerdings für den Mensch  und die Geschichten hinter den Schlagzeilen interessiert, sollte diese Buch lesen. Und am Ende bleibt einem eigentlich nur, dieser erstaunlichen jungen Frau zu wünschen, dass nun wirklich alles gut wird.

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