The Clash - Talking

Nick Johnstone

Veröffentlicht: 15.05.2008 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

The Clash - Talking

Hey, wir reden hier nicht von irgendeiner Band. Wir reden von The Clash. Den legendären The Clash! Der Band, die zwischen 1977 und 1982 fünf Alben und eine Menge bahnbrechender Singles und EPs veröffentlichte und durch ihre Vielseitigkeit zu einer der einflussreichsten englischen Punk-Kapellen der ersten Generation wurde. Songs wie "Rock The Casbah", "London Calling", "White Riot" oder "Should I Stay Or Should I Go" sind längst Klassiker der Musikgeschichte. Ihr Einfluss reicht bis in die Gegenwart. Ob Green Day, The Levellers, U2, R.E.M. oder Hard-Fi, sie alle wurden von The Clash geprägt. 1989 wurde ihr Doppelalbum "London Calling" vom Rolling Stone zum wichtigsten Album der Achtziger gewählt. 1991 katapultierte sich "Should I Stay Or Should I Go" mittels einer Levis-Werbung noch einmal weltweit an die Spitze der Charts. 2002 starb dann mit Joe Strummer das Herzstück der Band und mit ihm jegliche Hoffnung auf eine Wiedervereinigung. 2003 wurden The Clash schließlich in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Aber natürlich besteht ihre Geschichte noch aus viel, viel mehr Erwähnenswertem. Zum Glück gibt es für so etwas ja Bücher!

In "The Clash - Talking" hat Nick Johnstone (Musikjournalist aus London) Originalzitate der Kultband versammelt, der Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag das Ganze gewohnt liebevoll und zum kleinen Preis (14,90 EUR) umgesetzt. Dies gilt übrigens ebenso für alle bisherigen Veröffentlichungen dieser Reihe wie etwa "Yoko Ono - Talking" (Review) oder "David Lynch - Talking" (Review). In vier Kapiteln lässt uns Johnstone am Werdegang von The Clash teilnehmen. Angefangen beim ersten Konzert am 4. Juli 1976 als Vorgruppe der Sex Pistols bis hin zu The Clash II oder den der offiziellen Auflösung 1985 folgenden weiteren Projekten der Bandmitglieder wie Big Audio Dynamite oder The Mescaleros. Im Vorwort fasst er die Karriere von Mick Jones, Paul Simonon, Joe Strummer, Ur-Gitarrist Keith Levene und den drei verschiedenen Drummern Terry Chimes, Nicky "Topper" Headon sowie Peter Howard in eigenen Worten zusammen. Auf den folgenden der insgesamt 181 Seiten sprechen dann die Protagonisten ausschließlich für sich selbst. So entsteht eine spannende und kurzweilige Biographie.

Der Leser ist quasi hautnah dabei, als Joe Strummer in die Band kommt. Er erlebt die ersten musikalischen Schritte mit, die zahlreichen Besetzungswechsel am Schlagzeug, die Drogeneskapaden, Egotrips und internen Intrigen, die letztendlich zum langsamen Zerfall von The Clash führen. Er erfährt aus erster Hand, wie die Alben angefangen bei "The Clash" bis zu "Cut The Crap" (als The Clash II) entstehen oder bekommt einen Einblick in die politische Einstellung der Musiker. Wie sehr auch Musikkritiker irren können, beweist ein Zitat von Charles Shaar Murray (NME) 1976: "The Clash gehören zu den Garagenbands, die sich ganz schnell wieder in ihre Garage einschließen sollten, am besten bei laufendem Motor". Die Fotografin Pennie Smith schildert, wie ihr berühmtes Coverfoto für "London Calling" entstand, auf dem Paul Simonon seinen Bass auf den Boden schlägt. Darüberhinaus kommen noch Bono und The Edge von U2, Tom Morello (Rage Against The Machine) und einige weitere Weggefährten zu Wort. Teilweise fördern die Kommentare überraschendes zu Tage. So war mir zum Beispiel die Tatsache neu, dass Joe Strummer in Ankara geboren wurde. Stück für Stück setzt sich so das Bild einer grossartigen Band zusammen. Hinzu kommen ca. 45 Fotos in Farbe und schwarz-weiß.

Es macht Spass dieses Buch zu lesen! Man muss sich zwar erst an den Stil der reinen Zitatensammlung gewöhnen, aber wer sich darauf einlässt, taucht in eine Welt ein, als der Rock`n`Roll noch brutal und anarchistisch war. Die Regel Nummer eins lautete: Es gibt keine Regeln. Den Wert von "The Clash - Talking" erkennt man spätestens dann, wenn man sich die aktuelle gleichgeschaltete musikalische Landschaft anschaut. Bands wie The Clash sind dort mittlerweile die Ausnahme, wenn es sie in dieser Form denn überhaupt noch gibt. Kein Wunder, waren sie doch zu ihrer Zeit bereits absolut einzigartig. Es drehte sich nicht um Reichtum oder Ruhm. Es drehte sich alles nur um die Musik! "The Clash kam immer von Herzen. Es war egal, ob es aufwärts oder abwärts ging, es kam immer von Herzen" (Joe Strummer, 1988). 

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