Paul Lester
"Zwei Gesichter" sind eigentlich eine ziemliche Untertreibung, wenn man sich die vielen Facetten im Leben von Alecia Beth Moore – inzwischen nur noch Pink oder P!nk genannt – anschaut. Die Biographie von Paul Lester versucht auf einfühlsame Weise, diese Facetten aufzudecken und vorwiegend mit O-Tönen einen chronologischen Abriss von Leben und Werk der genialen Künstlerin zu schaffen.
Wer die atemberaubende Show der "Funhouse"-Tour (am besten live, zumindest aber auf DVD) erleben durfte, weiß, dass Pink keine Frau für halbe Sachen ist. Der Zuschauer erlebt die 30jährige Sängerin aus Pennsylvania in einer Show der Superlative – einem wahren Feuerwerk aus Musik, Theater und Gesang. Die Bühne gleicht einer großen Musicalbühne und auch die Kostümierungen der Protagonistin und ihrer Gruppe aus Backgroundtänzern und -sängern fügt sich nahtlos in dieses Ambiente ein. Im schrillbunten Comic-Style werden Kostüme gewechselt und den Songs angepasst, das Bühnenbild ist in stetiger Veränderung und macht dem "Funhouse" alle Ehre, und es kommt immer wieder zu akrobatischen Showeinlagen verschiedenster Art. Die Show lässt kaum Zeit zum Luftholen und Pink ist sowohl stimmlich als auch akrobatisch in Topform.
Dieser Perfektionismus zieht sich in vielen Punkten durch Pinks Leben. Schon früh stand ihr Wunsch fest, Sängerin zu werden. Parallel dazu stand aber die Trennung ihrer Eltern und der daraus resultierende Verlust des Vaters, den sie später mehrfach musikalisch verarbeitete. Alkohol und Drogen bilden die eine Seite der Medaille – der Start einer musikalischen Karriere die andere, die dabei in der Anfangsphase noch überraschend brav ausfällt. Erst mit der Coverversion von "Lady Marmelade" gelingt der internationale Durchbruch. "Sex sells" heißt die Devise.
Paul Lester untersucht die Lebensumstände anhand der musikalischen Entwicklung und deckt andererseits die emotionale Seite Pinks anhand ihrer Songtexte auf. So entsteht ein geschlossenes Bild ihres Lebens. Manchmal wirkt das etwas bruchstückhaft und die kurzen Absätze des Textes sind eher Fragmente als eine durchlaufend erzählte Biografie, doch Lester bekommt stets die Kurve und letztlich liest sich die Geschichte doch recht flüssig. Alle Alben werden ausführlich behandelt und die Story endet erst mit dem aktuellen Werk "Funhouse" und der umjubelten Tour, die noch andauert.
Lester deckt keine großen Geheimnisse auf – aber das ist weder nötig noch möglich, da Pink sich seit jeher in Interviews weit öffnet und einen Blick in ihr abenteuerliches Leben und ihre Gedankenwelt zulässt. Diese Momentaufnahmen fängt Lester ein und verarbeitet sie im Rahmen des Buches. Ein schönes Werk, das den unnahbaren Star ein Stück weit zum Mädchen von nebenan werden lässt (auch wenn Pink selbst, wenn jemand ihr das sagt, wohl in lautes Fluchen verfallen würde).