Die Michael Jackson Tapes - Intime Gespräche des King of Pop mit seinem Therapeuten

Rabbi Shmuley Boteach

Veröffentlicht: 15.08.2011 / Hannibal-Verlag

Von: Andreas Weist

Die Michael Jackson Tapes - Intime Gespräche des King of Pop mit seinem Therapeuten

Der Titel "Die Michael Jackson Tapes" impliziert, dass Verschwörungstheorien zum Tod des King of Pop hier neue Nahrung bekommen. Immerhin werden intime Gespräche mit seinem Therapeuten Rabbi Shmuley Boteach offen gelegt und im Interview-Wortlaut wieder gegeben. Jedoch hat der Autor gar nicht den Anspruch, großen Enthüllungsjournalismus zu leisten. Vielmehr ist es ihm ein Anliegen, Michael Jackson als Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen zu zeigen, in privaten Gesprächen, die seine Ängste und Traumata enthüllen, die ihn aber auch als normalen Menschen, als Sohn, Bruder, Familienvater und Ehemann aufleben lassen.

Boteach behauptet, es sei Michaels Wunsch gewesen, dass ihre Gespräche irgendwann veröffentlicht werden. Lässt sich jetzt natürlich nicht mehr nachvollziehen – aber es wäre schon eine Frechheit, diesen Seelenstriptease (posthum) ohne Erlaubnis zu publizieren. Immerhin ist der Autor nicht direkt nach dem plötzlichen Tod auf den Zug des Jackson-Hypes aufgesprungen, sondern hat sich etwas Zeit gelassen. Das Buch beginnt mit einer Anklage gegen die Familie, die den Tod zum Medienereignis habe werden lassen, ohne dass jemand einen ordentlichen Nachruf veröffentlichte. Dies holt der Rabbi dann – quasi als Einstieg ins Thema – mit einfühlsamen Worten nach.

Die verwendeten Gespräche fanden von August 2000 bis April 2001 statt, sind also nicht wahnsinnig aktuell, gehören aber sicher zu den intensivsten und ausführlichsten Dokumenten, die Einblick in Jacksons Innerstes geben. Thematisch gibt es viele biographische Kapitel (die Zeit als Kinderstar, den Einfluss der Zeugen Jehovas, den Erfolg als Erwachsener), ein zusätzliches Interview mit Katherine Jackson, aber auch unbequeme Felder wie die Suche nach der idealen Frau und Michaels besonderes Verhältnis zu Kindern. Der Rabbi versucht dabei, nichts zu beschönigen und Michaels Worte objektiv wiederzugeben. Dabei wird auch hier nicht klar, wie Michael wirklich dachte – ob er pädophil war oder sein kindliches Verhalten einfach Anlass zu Missverständnissen gab.

Das Ergebnis ist ein spannend zu lesendes Buch. Trotzdem bleibt fraglich, ob die Veröffentlichung nach Jacksons Tod in Ordnung ist. Der Rabbi hat Michael in einer schicksalhaften Zeit erlebt und lässt uns nun mit einigem Abstand daran teilhaben. Nun muss jeder selbst wissen, wie er das bewertet. Ich zumindest würde meinem Therapeuten aus dem Jenseits kräftig in den Allerwertesten treten – selbst wenn ich zu Lebzeiten mal gesagt hätte, diese Sätze gehörten in die Öffentlichkeit.

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