Peter Rüchel (Hg.)
German Television proudly presents – Liebe Freunde, heute zu Gast bei uns im Rockpalast. Wer erinnert sich nicht an diese sagenumwobenen Worte, die ab 1976 die legendären Rockpalast-Nächte des WDR einläuteten? Wohl vor allem die Spätgeborenen, die heute von dem zweifelhaften Vergnügen namens MTV und VIVA verwöhnt werden. In den 70er und 80er Jahren war der Rockpalast die Institution, die mit Live-Konzerten international bekannte Künstler (oder solche, die es werden sollten) in die heimischen deutschen Wohnzimmer einführte.
Erfinder und somit geistiger "Vater des Rockpalastes" ist Musikjournalist Peter Rüchel – heute 72 Jahre alt – der beim WDR eine halbstündige Jugendsendung moderierte, in die gelegentlich auch Livemusik mit einfloss. Gemeinsam mit Regisseur Christian Wagner baute er dieses Konzept immer stärker aus bis zu den legendären Rockpalast-Nächten, die 1977 bis 1986 aus der Essener Grugahalle übertragen wurden. Viele namhafte Künstler verdanken den Konzerten ihre Entdeckung für den deutschsprachigen Raum: Rory Gallagher, U2, Tom Petty, Meat Loaf, R.E.M. und die Dire Straits, um nur einige zu nennen. Selbst BAP dürfen ihren hohen Bekanntheitsgrad in der gesamten Republik auf die immerwährende Präsenz im WDR-Fernsehen zurückführen.
2003 zog sich Rüchel aus dem aktiven Bereich der Sendung zurück, wirkt aber noch weiter im Hintergrund als Herausgeber der DVD-Serie und jetzt auch des zukünftigen schriftlichen Standardwerks zur Rockpalast-Historie, bei dem ihm Mitstreiter wie Albrecht Metzger und Tom Bullmann, aber auch Wolfgang Niedecken, Tobias Künzel (Die Prinzen) und Little Steven hilfreich zur Seite standen. Rüchel selbst erzählt die Story von den ersten Rocknächten in der Grugahalle bis zu den Festivals auf der Loreley und den Fernsehübertragungen von "Rock am Ring". Im Mittelpunkt stehen die Begegnungen mit fantastischen Musikern und die großartigen Bilder von Manfred Becker, Thomas von der Heiden und Rainer Leigraf, die in dem Bildband viel Raum einnehmen und wundervolle Momente zum Leben erwecken.
Die über 200 Seiten sind gleichzeitig Geschichtsbuch, unverzichtbares Nachschlagewerk zu den vertretenen Künstlern und ein Sammelsurium historisch wertvoller Erinnerungen. Viele tolle Fernsehmomente erwachen zu neuem Leben – und es sind ja nicht nur die Sendungen an sich, sondern auch die eigenen Erlebnisse auf Livekonzerten, wenn man später die neuen Heroen selbst auf der Bühne bewundern durfte. Chronologisch aufgebaut widmet sich der Band der ersten Serie von 1976 bis 1986 und der zweiten Serie von 1990 bis 2003. Die verwendeten Fotos – Porträts vor, während und nach den Sendungen – fangen magische Augenblicke ein. Es macht immer wieder Spaß, durch den Band zu blättern und sich gefangen nehmen zu lassen.
Der statistische Teil lässt leider sehr zu wünschen übrig. Die Rocknächte der Grugahalle und die Loreley Open Airs werden mit den vertretenen Bands aufgelistet. Das war’s dann aber schon. Ich hätte mir zusätzlich eine möglichst ausführliche Aufzählung der Sendungen gewünscht, eine Diskographie der erhältlichen Rockpalast-DVDs und ein Register zum Buch mit den in Bild und Text vertretenen Künstlern. Schade, dass dies ausbleibt. Trotzdem ist das Werk in seiner Bildgewalt unverzichtbar und wird bald einen herausragenden Platz im Bücherregal vieler Musikliebhaber einnehmen.