Rocky Horror

Mick Rock

Veröffentlicht: 01.10.2005 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

Rocky Horror

Es geschah im Jahre 1973, als ein Musical das Licht der Musikwelt erblickte und diese auf seine eigene spezielle Art und Weise veränderte, dass es bis zum heutigen Tag Kultstatus genießt: „The Rocky Horror Show“. Vor nunmehr 32 Jahren wurde das Original-Musical am Royal Court Theatre in London uraufgeführt. Geschrieben von Richard O`Brien, der seine damalige Intention der Dinge so zusammenfasst: „Ich dachte mir, es wäre doch nett, wenn man sich hinsetzen und ein bisschen von allem sehen könnte, was man mag; eine Collage, eine Rock`n`Roll-Show mit einer Handlung, ein wenig Horror, ein wenig Sex, ein wenig Aufregung... keine Botschaft, reine Unterhaltung“. Er hatte ein Meisterwerk geschaffen!

Die Verfilmung ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Am 24. März 1975 feierte „The Rocky Horror Picture Show“ unter der Regie von Jim Sharman in den USA Premiere. Den Großteil der Rollen übernahm die Londoner Ur-Besetzung: Tim Curry als Frank N. Furter, Richard O`Brien himself als Riff Raff oder Patricia Quinn als Magenta. Der Film floppte fürchterlich und wurde von den Kritikern als „Kitsch-Schund“ verrissen. Naja, auch unsere ansonsten natürlich nahezu unfehlbare Spezies kann sich mal gewaltig irren! Denn dank einer äußerst hartnäckigen Fangemeinde, einigen neu geschnittenen Szenen und eines veränderten Marketingkonzeptes trat „The Rocky Horror Picture Show“ sechs Monate später doch noch seinen unvergleichlichen Siegeszug als Midnight-Movie durch die Programmkinos rund um den Globus an.

30 Jahre später ist der Film immer noch der Renner schlechthin in den Mitternachtsvorstellungen und hat in dieser Zeit schätzungsweise über 200 Millionen Dollar eingespielt. Wer einmal das herrliche Vergnügen einer solchen Vorstellung zur Geisterstunde hatte, wird sie nicht mehr vergessen und zudem verstehen können, was diesen Film so einzigartig und faszinierend macht. Ich persönlich hatte ein solches Kinoerlebnis der besonderen Art bisher einmal vor ungefähr 15 Jahren in Köln. Mindestens die Hälfte des Publikums war entweder als Frank N. Furter, Riff Raff oder Rocky verkleidet, es wurde getanzt und gesungen oder an den „richtigen“ Stellen mit Reis geworfen und Wasserpistolen um sich gespritzt, weshalb auch immer ein Stück Zeitung als Kopfbedeckung zur Ausstattung dazugehören sollte. Man geht nicht nur ins Kino, man wird zum Bestandteil eines Films. Danach habe ich ihn mir bestimmt noch ein Dutzend weitere Male angeschaut, eine Zahl, über die echte Rocky Horror-Freaks nur milde lächeln können. Unvergesslich auch der „Time Warp“, eine Art früher Ententanz (was bitte in keinster Weise abwertend gemeint ist), den wir auf unzähligen Parties zelebriert haben und noch heute zelebrieren.

Für all diejenigen, die an dieser Stelle nun verständnislos den Kopf schütteln (was ich mir kaum vorstellen kann, es sei denn, derjenige hat die vergangenen 30 Jahre im Gefrierfach seines Kühlschrankes zugebracht) und für jene, denen schon alleine der Name „Rocky Horror“ einen Adrenalinschub biblischen Ausmaßes beschert, hat der Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag jetzt ein buchgewordenes Denkmal veröffentlicht.

„Rocky Horror“ von Mick Rock ist der weltweit erste und einzige Bildband zum Film. Und welch ein prächtiger noch dazu! Mick Rock, der die Dreharbeiten in den Londoner Bray Studios als „Special Photographer“ begleiten durfte, hat dafür etwa dreihundert, zum Großteil noch nie veröffentlichte Fotos ausgewählt. Der Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag (www.schwarzkopf-schwarzkopf.de) hat diese auf 272 durchgehend farbigen Seiten, im Großformat und auf Kunstdruckpapier zu einem würdigen Liebhaberstück gebündelt. Ergänzt durch ein Vorwort von Richard O`Brien, zahlreiche hintergründige Anekdoten von Mick Rock sowie Zitate vieler anderer Beteiligter (alles zweisprachig in Deutsch und Englisch) ist dieses Werk bei einem Preis von 39.90 € schon fast als geschenkt zu bezeichnen. Wobei bemerkenswerterweise ein Teil der Einnahmen aus diesem Buch im Namen von Richard O`Brien an das Manchester Children`s Hospital gespendet werden!

Mick Rock erweckt mit seinen Fotos und Erzählungen die besondere Anziehungskraft der „Rocky Horror Picture Show“ noch einmal eindrucksvoll zum Leben. Insbesondere seine Aufnahmen von Tim Curry als Frank N. Furter erscheinen dabei geradezu hypnotisch. Um noch einmal Richard O`Brien zu zitieren: „Tim Currys wunderbarer Frank besaß eine monströse Selbstachtung, und Tim wusste genau, wie man dieses böse Genie verkörperte. Mick serviert uns seinen Kopf auf einer Fotoplatte“. Wir feiern darüber hinaus ein fröhliches Wiedersehen mit Meat Loaf (als Eddie) oder der damals noch weithin unbekannten Susan Sarandon (als Janet).

Wahrscheinlich hatte Mick Rock zum Zeitpunkt der Aufnahmen nicht die leiseste Ahnung, dass er damit Teil eines zeitlosen Kultes werden würde. Umso mehr muss man den Hut davor ziehen, dass er es geschafft hat, die einzigartige Atmosphäre rund um die Dreharbeiten mit seiner Kamera so einzufangen, dass man als Betrachter seiner Fotos fast das Gefühl bekommt selbst mit am Set dabei gewesen zu sein. Das Ergebnis ist ein absolut grossartiges Buch über einen absolut grossartigen Film! Mit einem Wort: Ein Muß!

„Das ist der reine Kult, reiner geht`s nicht. Er ist ja nur über Mundpropaganda entstanden. Die Fans sind dafür verantwortlich, nicht der Hype, denn am Anfang wusste man gar nicht, wie man einen Hype draus machen könnte. Es spielen viele verschiedene Elemente mit rein. Ein bisschen Cartoon, ein bisschen Science Fiction, ein bisschen Horror, ein bisschen Drag, ein bisschen Fünfziger, ein bisschen Glam, ein bisschen Punk und ganz viel Rock`n`Roll. Richard hat diese ganzen Elemente zu einer Collage zusammengestellt. Als was auch immer man es bezeichnen mag, es handelt sich um ein künstlerisches Meisterwerk. Es ist einfach etwas ganz spezielles. Für Rocky Horror gab es keine Regeln und keinen Leitfaden.“ (Mick Rock, 2005)

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