Dietmar Elflein
Dietmar Elflein befasst sich in seinem Buch "Schwermetallanalysen - Die musikalische Sprache des Heavy Metal" mit der Frage, ob es stilistisch verallgemeinerbare Merkmale dessen gibt, was als Heavy Metal empfunden wird. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung steht dabei die Analyse insbesondere der formalen Struktur und des Ensemblespiels der untersuchten Stücke. Theoretische Grundlage dafür ist für ihn ein Konzept der Erinnerungsforschung, nämlich das Modell eines Traditionsstroms erinnerter musikalischer Eindrücke, die tradiert und weiterentwickelt werden. Dabei betrachtet er Musik, ähnlich wie Sprache, dialogisch, d.h. eingebettet in einen Fluss ständigen Austauschs und gegenseitiger Einflussnahme. Eingehend setzt er sich mit der verfügbaren Literatur zum Thema Heavy Metal auseinander und entwickelt erste Ansätze eines "Heavy Metal-Codes", den er im Hauptteil seiner Untersuchung zu verifizieren sucht. Dafür wertet er 68 Best-of-Listen aus 24 deutsch-und englischsprachigen Quellen aus, u.a. in Bezug auf die Häufigkeit der Nennung von Bands und deren Alben und erweitert diese Auswahl um persönliche Assoziationen und zufällige Stichproben.
Im Zentrum der Analyse stehen ausgewählte Stücke der herausragenden Alben der meistgenannten Bands, als da wären Black Sabbath, Judas Priest, Guns`n Roses, AC/DC, Motörhead, Iron Maiden und Metallica/Megadeath/Slayer, die eingehend im Hinblick auf Instrumentierung, Komposition, Produktion, Klangfarbe, formale Struktur und Ensemblespiel untersucht werden. Dabei gelingt es Elflein verallgemeinerbare Merkmale herauszufiltern, die es ermöglichen, Songs entlang einer historischen, in sich flexiblen Entwicklungsschiene, ausgehend von Hard Rock über Classic/Heavy Metal hin zu Extreme Metal einzuordnen und somit einen musikalischen Sprachcode des Heavy Metal zu definieren.
Dietmar Elfleins Arbeit setzt Maßstäbe für die weitere musikwissenschaftliche Forschung und bietet eine Fülle von (Hintergrund-)Informationen, z.B zur Bandgeschichte, soziologischem Hintergrund u.v.m., und erstaunlichen Einsichten, die nicht nur für Wissenschaftler und Musiker, sondern für jeden Metaller, der genauer wissen will, warum er etwas gerne hört, interessant sind. Ein 32 Seiten umfassendes Literatur- und Quellenverzeichnis bietet zudem hinreichend Gelegenheit, die geweckte Neugier zu befriedigen. Mit grossem Sachverstand und Leidenschaft für die Musik leistet Dietmar Elflein damit einen Beitrag zur anhaltenden, überwiegend negativ belasteten Diskussion zum Thema, der Heavy Metal endlich als das darstellt, was es für Fans immer schon war: Nämlich, mit seinen eigenen Worten formuliert, "die virtuose Kontrolle der (Ohn-)Macht" im musikalischen Ausdruck. Es bleibt zu hoffen, dass, wie es der Autor in seiner Schlussbetrachtung anregt, diese Arbeit Anlass und Inspiration ist, weiter in diesem Sinne das Thema Heavy Metal zu erhellen.