Markus Grimm / Martin Kesici
Geahnt haben wir ja schon immer, dass es bei Casting-Shows nicht wirklich darum geht, jungen Menschen ihren Lebenstraum von einer großartigen Karriere im Musikgeschäft zu erfüllen, sondern hauptsächlich darum, viel Geld zu machen – und da bleiben die Menschen schon mal auf der Strecke. Zwei von denen, die zwar eine Casting-Show gewonnen haben, aber letztendlich ziemlich auf der Strecke geblieben sind, wollen ihre Erfahrungen nun mit uns teilen und versprechen in "Sex, Drugs & Casting-Shows" die Wahrheit über DSDS, Popstars & Co.
An Martin Kesici, den rockenden Gewinner des 2003 ausgestrahlten Sat1-Formates Star Search, werden sich vielleicht einige noch erinnern. Aber wer war nochmal Markus Grimm? Von der Popstars-Staffel 2004 ist höchstens der Name der Gewinnerband hängengeblieben - Nu Pagadi. Ja richtig, Markus war einer von diesen vier jungen Leuten in seltsamen Fellkostümen, die nach kürzester Zeit wieder von der Bildfläche verschwanden. Beide sind nicht gerade die typischen Casting-Kandidaten. Martin Kesici war 2003 schon lange kein Teenager mehr, arbeitslos und eigentlich Heavy Metal Sänger. Und Markus Grimm war vor dem Casting ein leicht übergewichtiger Homosexueller, der seine Freizeit im Proberaum seiner Rockband verbrachte. Aber beide hatten eben auch den Traum, mit ihrer Musik mal richtig groß rauszukommen.
Im Buch erzählen die beiden abwechselnd ihre Geschichte. Zunächst erfahren wir etwas über ihre Liebe zur Musik und wie sie überhaupt dazu kamen, an einer Casting-Show teilzunehmen. Über den eigentlichen Ablauf der Shows wird dann recht wenig geschrieben, aber es gibt schon ein paar Informationen über all das, was man als Zuschauer nicht mitbekommt. So berichtet Markus davon, was es für die Kandidaten bedeutet, dass Popstars immer einige Wochen zeitversetzt ausgestrahlt wird, und Martin erzählt, wie es tatsächlich zu den berühmten Schlagzeilen in der Bild wegen seiner Drogen-Vorstrafe gekommen ist. Bereits nach einem Drittel des Buches ist jedoch schon das Finale erreicht und hier beginnt die Story, die eben nur Gewinner erzählen können – vom Wahnsinn des plötzlichen Ruhmes, von hektischen Albumaufnahmen und Auftritten vor 15000 Teenies. Aber eben auch von Stress mit dem Management, floppenden Singles und dem tiefen Absturz nach dem Höhenflug.
Genau diesen Teil des Buches sollten sich alle genau durchlesen, die mit dem Gedanken spielen, selbst an einer Casting-Show teilzunehmen. Denn hier wird klar, dass ein gewonnener Plattenvertrag keineswegs bedeutet, dass man nun endlich die CD aufnehmen kann, von der man schon immer geträumt hat, sondern dass die Plattenfirma in kürzester Zeit soviel Geld wie möglich mit einem verdienen will und dabei auf die Vorstellungen des Künstlers im Zweifelsfall keine Rücksicht nimmt. Und man erfährt, dass After-Show-Partys zwar manchmal viel Sex & Drugs, aber nicht unbedingt Feierabend für einen Musiker bedeuten, und dass Skandale oft bewusst inszeniert werden, um überhaupt mal Schlagzeilen zu machen.
Okay, die ganz großen Überraschungen bietet das Buch nicht, und wer sich im Showgeschäft schon auskennt, mag über die Naivität der beiden Autoren lächeln. Aber das Ganze liest sich doch recht spannend und auch amüsant. Empfehlenswert ist übrigens auch der kurze, aber bissige Gastkommentar von Annemarie Eilfelds Vater – leider die einzige Wahrheit über DSDS, da trotz einiger Bemühungen kein Gewinner dieser Show an "Sex, Drugs & Casting-Shows" mitschreiben wollte.