Sharon Davis
Während die Welt gegenwärtig vor allem über Michael Jackson spricht, kann man auch von Lionel Richie einige interessante Anekdoten über die Anfänge des King of Pop erfahren. Richie (für die Jüngeren: der Adoptivpapa von Nicole Richie) war 1968 Mitbegründer der Commodores und firmierte ebenso wie die Jackson Five viele Jahre unter dem Motown Label, was zur Folge hatte, dass man zeitweise als deren Vorband durch die Lande zog. Als Saxofonist war Richie dabei zunächst nur ein kleines Rädchen im Getriebe der R&B-Gruppe, doch mit seinen starken Gesangsauftritten konnte er sich mehr und mehr in den Vordergrund arbeiten. Die Biographie "Hello" von Sharon Davis folgt dem Weg des Sängers aus Alabama von der Bandgründung bis hin zu seinen aktuellen Soloerfolgen.
Sharon Davis konnte sich bei ihrer Arbeit auf das umfangreiche Motown-Archiv und eine Reihe aussagekräftiger Interviews stützen. Nicht zuletzt war sie für viele Jahre Pressesprecherin der Commodores. Dass sie über ein enormes Hintergrundwissen verfügt, lässt sie in vielen Passagen durchblicken. Das macht den Text oft langatmig, vor allem wenn es um den Stellenwert bestimmter Singleauskopplungen und die Aufzählung von Chartplatzierungen geht. Zwischen diesen oft statistischen Aussagen verbergen sich aber spannende Geschichten zur Entstehung und Präsentation von Hits wie "Easy" und "Three Times A Lady", die heute auf keiner erst zu nehmenden 70s-Compilation fehlen dürfen.
Der chronologische Abriss ist lückenlos – und so wird der Leser Zeuge, wie Richies Großmutter 1981 ausschlaggebende Ratgeberin für den Start einer Solokarriere war. Hits wie "Hello", "All Night Long" und "Dancing On The Ceiling" sollten folgen und den Status als alleinstehender Künstler weiter festigen. Zu einem breiten Renommee trug zudem die Kooperation mit Quincy Jones und Michael Jackson im Zuge des Charity-Projekts "We Are The World" bei. All dies sind Mosaiksteinchen im Verlauf einer Weltkarriere. Die Hintergrundstories zu den Aufnahmen und Konzerten anlässlich der "Live Aid"-Idee mit all ihren beteiligten Künstlern lesen sich überaus spannend und geben detaillierten Einblick in die Szene der 80er Jahre.
Eine Stimmbanderkrankung bedeutete den ersten Karriereknick, der zehn Jahre später nur ansatzweise überwunden werden konnte. Dennoch sind auch gegenwärtig die Livekonzerte und die aktuellen Studiowerke immer ein Ohr wert und es macht Spaß, den Superstar bei der Arbeit zu erleben.
Sharon Davis lässt auch das Privatleben Richies mit zwei gescheiterten Ehen nicht unerwähnt, beschränkt sich hier aber auf Randnotizen. Im Mittelpunkt stehen die Musik und die Zusammenarbeit mit musikalischen Freunden in aller Welt. Endpunkt in der Historie ist das Erscheinen von "Coming Home" 2006. Abschließend gibt es eine umfangreiche Bibliografie. Wer sich umfassend über die Solokarriere des Weltstars und seine Zeit bei den Commodores informieren möchte, ist hier genau richtig. Vielleicht muss man einige zu detailliert ausgeführte Seiten überspringen, wenn man sich den Lesefluss erhalten will – aber damit kann der geneigte Leser sicher leben.