Hammer Of The Gods - Die Led Zeppelin Saga

Stephen Davis

Veröffentlicht: 20.11.2008 / Rockbuch Verlag Buhmann & Haeseler GmbH

Von: Thomas Kröll

Hammer Of The Gods - Die Led Zeppelin Saga

Led Zeppelin waren und sind ohne Zweifel eine der einflussreichsten Bands der Rockgeschichte. Mit ihrem Stilmix aus Hard Rock, Folk, Psychedelic-Rock, nordafrikanischen Roots und Blues wurden sie zu Pionieren in Sachen Heavy Metal - ja, man sagt sogar, dass sie alleine für die Entstehung dieses Begriffes verantwortlich sind. Die Band bestand von ihrer Gründung 1968 bis zur offiziellen Auflösung am 4. Dezember 1980 durchgehend aus Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und John "Bonzo" Bonham, der knapp zweieinhalb Monate vor dem Split gestorben war. Namen, die auch heute noch einen Klang wie Donnerhall haben. Als Led Zeppelin am 10. Dezember 2007 in der Londoner O2 Arena zu Ehren des 2006 verstorbenen Gründers der Plattenfirma Atlantic Records Ahmet Ertegün ein einmaliges Reunionkonzert gaben (mit John Bonhams Sohn Jason am Schlagzeug) erfolgte die Zuteilung der Tickets über eine Verlosung. Für die 20.000 Eintrittskarten ließen sich mehr als 20 Millionen Menschen registrieren.

"Hammer Of The Gods - Die Led Zeppelin Saga" von Stephen Davis bietet einen umfassenden Blick hinter die Kulissen einer "Band von legendärer, fast mystischer musikalischer und sexueller Energie" (so der Klappentext). Ursprünglich schon 1985 als Hardcover erschienen (1997 dann nochmal in einer überarbeiteten Ausgabe), hat der Rockbuch Verlag das Ganze jetzt als Taschenbuch mit 416 Seiten (plus einem 16-seitigen Bildteil) neu aufgelegt. Stephen Davis gilt als einer der bekanntesten Rockjournalisten weltweit und hat bereits zahlreiche weitere Biografien, u.a. über Aerosmith, Jim Morisson oder Guns N`Roses, verfasst.

In "Hammer Of The Gods" lässt er so gut wie nichts aus. Von den allgegenwärtigen Groupies über Drogen- und Alkoholeskapaden, den Tod John Bonhams bis hin zum Einfluss des berüchtigten Magiers Aleister Crowley auf Jimmy Page. Die Saga von Led Zeppelin beginnt quasi mit der Geburt von James Patrick Page am 9. Januar 1944. Über den Umweg Yardbirds (auch Led Zeppelin hießen zunächst "New Yardbirds") wird Pages Werdegang ebenso ausführlich beschrieben wie der aller anderen Bandmitglieder, wie sie letztlich zusammenfanden und ihr unaufhaltsamer Aufstieg begann (der, glaubt man dem Mythos, auf einem Pakt mit dem Teufel basierte). Weiterhin kommen Led Zeppelins Roadmanager Richard Cole und ihr im November 1995 verstorbener, berühmter Manager Peter Grant, der den ersten Plattendeal mit Atlantic aushandelte, zu ihrem literarischen Recht. Davis hat aus einer Unzahl von Episoden eine spannende und teilweise schockierende Erzählung gewoben.

So erscheinen die Tourneen von Led Zeppelin als eine nicht enden wollende Kette aus Konzerten, sexuellen Exzessen, Saufgelagen, Gewalt und zertrümmerten Hotelzimmern. Zuweilen hat man den Eindruck eine Dokumentation über eine Horde Hunnen zu lesen. Neben allerlei unappetitlichen Details kommt aber zum Glück auch die Musik nicht zu kurz. Die Entstehungsgeschichte der neun Studioalben wird von Davis ebenso durchleuchtet wie die Alben selber. Er würdigt Led Zeppelins einzigartige Live-Performance rund um den Globus, bei denen es zu vielen skurrilen Szenen kam (1980 in Wien wurde Jimmy Page zum Beispiel auf offener Bühne von einem Feuerwerkskörper getroffen) und zu denen Led Zeppelin zeitweise im eigenen Flugzeug reisten, einer umgebauten Boeing 720 (auch "Starship" genannt). Der Leser erfährt wie "Stairway To Heaven" entstand, John Bonham zu seinem Spitznamen "The Beast" kam oder ist hautnah bei einem Treffen mit Elvis Presley dabei. Davis lässt darüberhinaus die Geschichte des bandeigenen Labels Swan Song Records Revue passieren.

"Led Zeppelin", sagte Jimmy Page 1977, "ist wie ein endloser Herrenabend. Es ist nicht unsere letzte Tour. Wir sind hier und wir werden immer wiederkommen. So eine Band aufzulösen, wäre doch echt kriminell". Wir wissen nicht erst seit diesem Buch, dass es anders kam. Am 24. September 1980 traf sich das Quartett in Windsor zum letzten Mal, am nächsten Morgen war John Bonham tot, in seinem Bett in Jimmy Pages Haus erstickt an seinem eigenen Erbrochenen. Die verbliebenen Bandmitglieder versuchten sich in diversen Soloprojekten und traten auch danach noch einige Male gemeinsam auf, etwa beim Live Aid Festival 1985, der Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame zehn Jahre später oder anlässlich des 40. Geburtstages von Atlantic Records im Jahre 1988. Bei einem Pressetermin in Tokio zur Präsentation des 2CD/DVD-Sets "Mothership" ließ Jimmy Page am 28. Januar 2008 verlauten, er sei bereit, in absehbarer Zeit wieder mit Led Zeppelin auf Welttournee zu gehen. Seitdem herrscht Stille.

Stephen Davis ist mit "Hammer Of The Gods - Die Led Zeppelin Saga" eine Chronik aus Tragödien und Triumphen gelungen, die einen mit ihrer Vielzahl an Internas förmlich erschlägt und weit über das hinausgeht, was im Rahmen dieser Besprechung erwähnt werden kann. Den Wahrheitsgehalt seines Werkes mag jeder für sich selbst überprüfen. Denn vielleicht war es ja in Wirklichkeit wie in den Erinnerungen von Led Zeppelin-Promoter Danny Goldberg: "Ich sehe diese Zeit so: Es herrschte einfach gähnende Langeweile. Sie waren alle müde. Eine der Geschichten, die kein Mensch erzählt, ist die, wie oft eben keine wilde Party stattfand und wie erschöpft und einsam sie teilweise waren...".  

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