Syd Barrett - Der `Crazy Diamond´ von Pink Floyd

Fotografien von Mick Rock

Veröffentlicht: 12.07.2007 / Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Von: Thomas Kröll

Syd Barrett - Der `Crazy Diamond´ von Pink Floyd

Wer war Roger Keith Barrett wirklich? Die Kunstfigur Syd Barrett? Ein drogenabhängiger Exzentriker? Ein musikalisches Genie? Ein Bohemian? Oder einfach nur ein netter, freundlicher Mensch? Wahrscheinlich war er von allem etwas. Der einzige, der wohl in der Lage war, das Puzzle seiner Persönlichkeit richtig zusammenzusetzen, war er selbst. Aber Syd Barrett ist tot. Am 7. Juli 2006 starb der ehemalige Sänger und Mastermind von Pink Floyd im Alter von 60 Jahren an den Folgen seiner Diabetes. Sein Mythos jedoch ist ungebrochen.

Anlässlich des ersten Todestages von Syd Barrett erscheinen nun die schönsten Aufnahmen, die der berühmte Musikfotograf Mick Rock von ihm gemacht hat, in dem hochwertigen Fotoband "Syd Barrett - Der `Crazy Diamond´ von Pink Floyd" im Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. 150 Farb - und Schwarzweiß-Fotos, teilweise bisher unveröffentlicht, hat Rock dafür ausgewählt. Syd Barrett hat das Werk noch vor seinem Tod abgesegnet und Teile der limitierten Erstauflage sogar signiert. 144 Seiten stark ist das Buch (Hardcover), dazu fadengeheftet auf schwerem Bilderdruckpapier, im Großformat (20 x 25 cm) und mit schönem Schutzumschlag versehen. Da sind 29,90 Euro schon fast ein Schnäppchenpreis. Die abgebildeten Fotos entstanden zwischen 1969 und 1971. Mick Rock gilt als "der Mann, der die Siebziger fotografierte". Er machte Aufnahmen fast aller musikalischer Helden dieser Zeit und arbeitet auch heute noch mit Bands wie den Scissor Sisters, Razorlight, The Killers oder Primal Scream zusammen. Darüberhinaus schuf er berühmte Albumcover. So machte er beispielsweise auch Fotos für das Innencover des Pink Floyd-Albums "Meddle" von 1971.

1969 war Syd Barrett quasi sein erstes Hauptmotiv. Die beiden trafen sich bereits drei Jahre zuvor an der Universität von Cambridge und es entwickelte sich eine Freundschaft. Eine Zeitlang wohnten sie sogar zusammen in London. 1966 war LSD noch eine legale Droge, weder in Grossbritannien noch in den USA verboten und Barrett machte reichlich Gebrauch davon. Die psychedelische Szene, zu der auch Pink Floyd gehörten, bewegte sich noch im Untergrund. Rock erinnert sich: "Syd lud mich auf eine Party im Keller seiner Mutter ein. Er strahlte über das ganze Gesicht, war sehr lebensbejahend, stark und scharfsinnig. Er strahlte diese Unschuld aus und war ein sehr angenehmer, einnehmender Mensch. Ich entsinne mich, dass ich ihn dafür bewunderte, wie gut er Joints drehen konnte". Rock`s Fotos dokumentieren auf beeindruckende Weise den Lifestyle dieser Ikone der Psychedelic-Rock-Bewegung genauso wie den sensiblen Künstler Barrett kurz vor seinem totalen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Es ist gerade diese Widersprüchlichkeit von Barretts Charakter, die Mick Rock in seinen lebendigen Bildern eingefangen hat. Neben begleitenden Texten, in denen er seine Erinnerungen an Syd Barrett festhält, enthält der Fotoband auch erstmals die ungekürzte Fassung des letzten Interviews Barretts, das Mick Rock für das "Rolling Stone Magazine" geführt hat (die gekürzte Version erschien ursprünglich am 23.12.1971).

Syd Barrett war es, der Pink Floyd ihren Namen gab, er schrieb fast alle Songs für deren erstes Album "The Piper At The Gates Of Dawn" (1967) und entwickelte die ungewöhnlichen Lichtkompositionen der Liveauftritte, die man damals "The Liquid Lightshow" nannte. 1968 verließ er die Band und zog sich zu seiner Mutter nach Cambridge zurück. Er startete eine Solokarriere, die er jedoch bereits nach zwei Alben wieder aufgab ("The Madcap Laughs" und "Barrett", beide 1970). 1974 traf er in den berühmten Abbey Road Studios das letzte Mal auf seine ehemaligen Bandkollegen, die ihn erst nicht erkannten, ihm später aber die Songs "Wish You Were Here" und "Shine On You Crazy Diamond" widmeten. Schlagzeuger Nick Mason erinnert sich in seinem Buch "Inside Out": "Da stand ein dicker, kahlköpfiger Typ und niemand erkannte, dass es Barrett, der einst gut aussehende Mädchenschwarm war. Man wusste nichts mehr miteinander anzufangen". 1971 entstanden die letzten Fotos von Barrett, für die er je posiert hat im Garten seiner Mutter, in deren Haus er von 1991 an lebte. Der Fotograf war natürlich Mick Rock und sie zeigen einen zufrieden wirkenden Mann, der seine Spässe mit einem Tennisschläger treibt. Danach zog sich Barrett endgültig aus der Öffentlichkeit zurück.

"Syds Lächeln gehört zu den schönsten, die mir je begegnet sind", schreibt Mick Rock in der Einleitung zu seinem Buch. Er fotografierte Barrett vor dessen leuchtend pinkfarbenen (und fahruntüchtigen) Pontiac Parisienne-Cabrio ebenso wie in seiner Wohnung, die aus nicht mehr als einer Matraze und einem Plattenspieler bestand. Darauf zu sehen sind auch die in orange und türkis gestrichenen Bodendielen, die später auf dem Cover von Barretts erstem Soloalbum Kultstatus erlangten. "Wahrscheinlich ist es nicht leicht über mich zu reden. In meinem Kopf gehen ungewöhnliche Dinge vor. Und ich bin sowieso nicht so, wie ihr denkt", hat Syd Barrett einmal über sich selbst gesagt. Mit "Syd Barrett - Der `Crazy Diamond´ von Pink Floyd" gewährt Mick Rock dem Leser tiefe Einblicke in das komplexe und rätselhafte Wesen des Künstlers und Menschen Syd Barrett und setzt seinem Freund damit ein wunderbares und vor allem würdiges Denkmal. Sein Bildband ist Zeitdokument und Hommage zugleich. Rock sorgt so selbst dafür, dass die Worte am Ende seines Buches Gültigkeit erfahren: "Shine on you beautiful diamond... In Deinem Lachen lebst du weiter".

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de