David Schumann
"Backstage lerne ich einen Hammertypen kennen. Geraud. Er ist Franzose und einer von diesen Hip-Hop-Typen mit Hirn (und Faible für Japanfilme, Popkultur, also dasselbe Programm wie meines) und hat eine geile Dokumentation für ARTE gedreht, die haben doch diese Hip-Hop-Sendung, "Tracks" oder so ähnlich, da gab’s mal so ne Folge über japanischen Rap, kann ich mich noch dran erinnern. Die hat der gedreht! Saucool."
Eigentlich wäre mit diesem Satz alles gesagt, was man über "The Tokyo Diaries" sagen muss, um aufzuzeigen, wie beschissen, klischeebeladen und selbstherrlich der Roman ist, der mal eben so an allen Stationen des Lebens vorbei schliddert, die jungen Menschen eben so passieren. Da wäre dann der 30-jährige David, David Schumann, Autor und Hauptperson, und ein Tagebuch einer extrem bewegten Auslandsstudienzeit in Japan, wobei bewegt hier tatsächlich wörtlich genommen werden darf.
Was dem nicht alles passiert! Auf der erbitterten Suche nach der holden Weiblichkeit oder simpel gesagt: einfach mal `nen Fick, wird der ach so coole David auf der Straße angequatscht und so kurzerhand zu einem top angesagten Model, klar, dass er auch der coole Typ ist, der gleich in mehreren Bands spielt, die klar, alle total angesagt sind. Und während er so durch Japan tingelt und liebestechnisch einfach mal rein gar nichts geht, weil scheinbar alle heißen japanischen Frauen irgendwo einen Lover sitzen haben, obwohl sie David schöne Augen machen, besäuft er sich so ziemlich täglich und erzählt uns davon, dass er sich ja eigentlich an gar nichts mehr erinnern kann.
Schon irgendwie cool, dass knapp 320 Seiten damit gefüllt werden können, dass man sich eigentlich an nichts mehr erinnert, weil man viel zu besoffen war - das billige Pseudo-Bier in Tokio sei Dank! – Und egal wie viel Klischee dahintersteckt, wird dieses Buch für jedes Hardcore-Kid sicher eine Offenbarung darstellen, und auch der ein oder andere Indie-Fritze wird sicher sein Herz an "The Tokyo Diaries" verlieren.
Und was ist mit denen, die weder das eine noch das andere sind? Tja, die regen sich einfach mal ein bisschen auf und werden das Buch sicher trotzdem nicht aus der Hand legen können; irgendwie will man ja doch immer wissen, wie es weitergeht.
Den Soundtrack zu dem Trip durch eine echt abgedrehte Welt gibt es hinten im Buch dann auch noch aufgelistet, ach ja, und was den Autor, das Model, den vegetarischen Hardcore-Kerl für den es bei Caterings nie Fleischloses gibt, angeht, der ist eben auch verdammt heiß. Alles in allem ein goldenes Stück Scheiße.