Thomas Anders
Ich kann immer noch darauf pochen, dass meine doch recht umfangreiche Musiksammlung ohne einen einzigen Titel von Modern Talking auskommt. Nicht ganz einfach – aber seit den 80ern ist die Anwesenheit eines ihrer Titel auf einem Sampler Ausschlusskriterium für mich. Zum Glück kommt das geschriebene Wort von Thomas Anders ohne musikalische Ohrenkneifer aus. Es ist schon schlimm genug, wenn man einen Songtitel wie "You’re My Heart, You’re My Soul" oder "Cheri, Cheri Lady" liest und umgehend die immer gleiche nervige Melodiezeile mit wechselnden Textfetzen im Sinn hat.
Thomas Anders und sein Gitarrist Dieter Bohlen machen weiterhin Musik. Jeder auf seine Weise. Der eine ist in den Medien omnipräsent und baut seinen Nervfaktor fast täglich weiter aus, der andere zehrt von seinem Promi-Image und fiel zuletzt mit dem Duo Anders I Fahrenkrog auf die Nase. Eigentlich heißt er nicht Anders, sondern anders – nämlich Bernd Weidung. Das musste erwähnt werden. Und ich verspreche, dass dies der letzte Kalauer in dieser Review war.
Bernd Weidung wurde in Münstermaifeld geboren, nahe Koblenz, also gar nicht so weit von meiner Heimat. Er taucht daher immer wieder auf, wenn es um berühmte Rheinland-Pfälzer geht. Hat uns der inzwischen 48jährige Künstler noch Neues zu sagen? Viele Ereignisse aus seiner Biographie wurden schon von Dieter Bohlen und in den Boulevard-Medien durchgekaut. Die erste Frau Nora spielt eine große Rolle – untrennbar mit dem 80er-Image von Thomas Anders verbunden. Und er tritt den unverblümten Beweis an, dass er wirklich dem Bild entspricht, dass sich viele Menschen von ihm machen: stets ein wenig überkandidelt und etepetete, oft naiv und von Beginn an auf seine musikalische Karriere bedacht. Jemand, der sich möglichst nicht die Finger schmutzig machen wollte und der jede Gelegenheit nutzte, um singen zu können – egal ob Schlager, Pop oder Rock. Ist schon sympathisch, dass er dies unumwunden zugibt: Ich bin eben so. Kann man nix machen.
Das Umgeben mit Superlativen aus der Modern Talking-Zeit nervt zwar bisweilen, aber es entspricht wohl den Tatsachen. Sei es ihm also gegönnt. Der Leser bekommt auch kein neues Bild von Dieter Bohlen. Er wird als der selbstverliebte Egozentriker dargestellt, als den ihn jeder sieht. Zu Höherem berufen und immer etwas angepisst, dass zwar das Boulevard seine Genialität erkennt, nicht aber das Feuilleton. Für viele Unbillen auf Anders‘ Lebensweg bekommt auch gar nicht Dieter die Schuld, sondern Herzchen Nora – mit ihrem Hang zu Luxus und Sonderstellung. Da gibt es schon mal lustige Anekdoten wie die Tatsache, dass ein Hotel gewechselt werden musste, weil Nora ein eingebügeltes Schamhaar in der Bettdecke fand oder auch dass hochkarätige Shows in letzter Sekunde abgesagt wurden, weil keine Frau den lieben Thomas interviewen durfte.
Ein solches Buch hätte vor zwanzig Jahren sicher die Bestsellerlisten gestürmt. Doch inzwischen hat Bohlen alles abgegrast – inklusive Hörbuch und Zeichentrickfilm. Der wird auch den Teufel tun, Gegendarstellungen zu schreiben oder seinen Ex-Kollegen öffentlich anzugreifen, um diesem keine Publicity zu geben. Zum Glück gibt es aber Nora. Die war "not amused", dass der Ex-Mann ihr Verschwendungssucht vorwirft und aus der Ehezeit plaudert. Ihre Klage und das Urteil, das Anders zur Unterlassung zwingt, bringen endlich die gewünschten Schlagzeilen. Fast so, als hätten die beiden sich abgesprochen. Wer weiß? Das Buch zumindest ist ganz gut zu lesen. Nicht weltbewegend, aber recht unterhaltsam.