Todd Gray
Michael Jackson war zweifellos einer der grössten Popstars unserer Zeit. Als er im Juni diesen Jahres in Los Angeles starb, setzte sich eine gigantische Vermarktungsmaschinerie aus CDs, DVDs, Büchern und diversen anderen posthumen Veröffentlichungen in Gang. Alleine der Kinofilm "This Is It" spielte über 200 Millionen Dollar ein. Kein Wunder, dass sich dabei auch allerlei Trittbrettfahrer fanden, die auf den kommerziellen Zug aufspringen und kräftig mitverdienen wollten. Vorweg gesagt, Todd Gray gehört nicht zu dieser Spezies, auch wenn man sich durchaus die Frage stellen kann, warum er seine Fotos von Michael Jackson die vergangenen 26 Jahre unter Verschluss gehalten hat und nun ausgerechnet kurz vor dem Weihnachtsgeschäft damit herausrückt.
Liest man jedoch die Einführung zu seinem Buch, erkennt man schnell, dass er sowohl den Künstler als auch den Menschen Michael Jackson bis heute aufrichtig schätzt. Insbesondere "den einnehmenden, bezaubernden, jugendlichen Menschen, der er war, ehe die Begleiterscheinungen seines außergewöhnlichen Ruhmes ihre Wirkung zeigten". Gray beschreibt Jackson als humorvoll, spitzbübisch und locker, aber auch als schüchtern und mit einem fast schon perfektionistischen Arbeitsethos ausgestattet. Gleichzeitig gibt er zu, dass er ihn nie wirklich durchschaut hat. Todd Grays auch optisch edel aufgemachter Bildband zeigt Michael Jackson von einer Seite, die wohl tatsächlich nur die wenigsten kennen. Er bietet einen einzigartigen und intimen Einblick in Michael Jacksons Leben, bevor dieser zum unerreichbaren King Of Pop wurde.
Ihre erste Begegnung fand 1974 in den Record-Plant-Studios in Hollywood statt. Damals war Michael noch Mitglied der "Jackson 5", bevor er mit nur 13 Jahren seine sagenhafte Solokarriere startete. Gray fotografierte ihn über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg, einige davon als sein persönlicher Fotograf. Seine Erzählungen und Aufnahmen dokumentieren den Aufstieg des jungen Michael Jackson zur Pop-Ikone. Gerade die teilweise grossformatigen Fotos zeugen eindrucksvoll von dessen Elan, der Begeisterung und kindlichen Lebensfreude - zu einer Zeit, als Jackson noch nicht der zurückgezogene Weltstar war. Sie zeigen ihn ganz privat mit seiner Familie, im Studio mit Stevie Wonder, backstage, bei exklusiven Fotosessions, mit Stars wie Chuck Berry oder Quincy Jones, umringt von Fans, bei seinen bahnbrechenden Konzerten oder dem Videodreh zu "Thriller".
Vor allem aber zeigen sie einen fröhlichen Michael Jackson und das ist vielleicht der grösste Verdienst dieses Buches. Denn der Künstler, der unzählige Menschen mit seiner Musik und Live-Performance begeistert und inspiriert hat, war selbst einmal ein nicht nur talentierter und kreativer, sondern ebenso unschuldiger junger Mann. Auch wenn man sich das heute angesichts seiner Wandlung hin zu einer am Ende physisch und psychisch kranken Persönlichkeit kaum noch vorstellen kann. Todd Gray holt die verletzliche, die menschliche Seite von Michael Jackson in unser Bewusstsein zurück und erweist ihm damit wahrscheinlich weitaus mehr Ehre und Anerkennung, als alle übrigen Veröffentlichungen nach dem 25. Juni 2009 zusammen.