Star-Club - Der bekannteste Beat-Club der Welt

Ulf Krüger

Veröffentlicht: 14.10.2010 / Hannibal-Verlag

Von: Thomas Kröll

Star-Club - Der bekannteste Beat-Club der Welt

Der Star-Club an der Grossen Freiheit im Hamburger Stadtteil St. Pauli existierte nur siebeneinhalb Jahre. Weltweite Berühmtheit erlangte er vor allem durch die drei mehrwöchigen Gastspiele der Beatles 1962. Nach seiner Schließung zog ein Nachtlokal in das Gebäude ein, das schließlich 1987 nach einem Brand abgerissen wurde. Unmittelbar vor dem Abriss fand Günter Zint, ehemals Hausfotograf des Star-Clubs, grosse Teile der Buchführung des Besitzers Manfred Weissleder hinter einer jahrelang verschlossenen Kellertür. Sie bilden die Grundlage für das vorliegende Buch von Ulf Krüger, der selbst als Schlagzeuger im Star-Club gespielt hat. In der Vergangenheit hat sich Krüger als Produzent, Komponist und Texter, hauptsächlich jedoch als Beatles-Kenner einen Namen gemacht. Er ist Manager der Beatles-Fotografin Astrid Kirchherr, Autor des Lexikons "Die Beatles in Hamburg" und künstlerischer Leiter des John Lennon Talent Awards.

So fragt man sich zu Anfang seines 304 Seiten starken Werkes auch des öfteren, ob dies nun ein Buch über die Beatles oder eines über die Geschichte des Star-Clubs werden soll. Aber im Grunde ist beides ja nicht zu trennen. Clevererweise hat Krüger es gleich zweisprachig aufgelegt, in Deutsch und Englisch (von Julian Dawson). Hinzu kommen über 500 Fotos, darunter teils ziemlich abstruse Plattencover, alte Autogramm- oder Eintrittskarten. Man findet Abdrucke des Vertrages zwischen den Beatles und der Bert Kaempfer Produktion, einer Postkarte von Ringo Starr an seine Oma ("Having a fab time") oder zahlreicher Briefe des Beatles-Managers Brian Epstein. Und obwohl Ulf Krüger keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, hat er mit geradezu wissenschaftlicher Sorgfalt Fakten, Dokumente und Augenzeugenberichte zusammengetragen und lässt mit viel Akribie und Liebe für Details die Sechziger Jahre wieder lebendig werden.

Zu jener Zeit herrscht Aufbruchstimmung in der Musikwelt und Hamburg wird zum deutschen Nabel der Beatmusik. Mittendrin Manfred Weissleder, den Krüger als "progressiven Geist" und "cleveren Geschäftsmann" beschreibt. Weissleder eröffnet am 13. April 1962 den Star-Club. Nach kurzer Zeit ziehen dort internationale Stars ein. Natürlich die Beatles, dann Bill Haley, Sam Cooke, Jerry Lee Lewis, Little Richard, später Fats Domino, Ray Charles, Chuck Berry, Donovan, die Spencer Davis Group oder The Jimi Hendrix Experience und machen ihn damit zum "bekanntesten Beat-Club der Welt". Kurz vor seinem Ende treten im Herbst 1969 noch The Earth auf. Ozzy Osbourne und Konsorten, die sich bald darauf Black Sabbath nennen werden. Der Star-Club wächst zu einem Unternehmen mit eigenem Plattenlabel, Ablegern in Berlin, Bremen, Köln und weiteren deutschen Städten. Weissleder veranstaltet Tourneen mit den Star-Club Künstlern und bietet für Musiker und Fans Gesellschaftsreisen nach London und Liverpool an. Er erfindet quasi das Rock`n`Roll-Merchandising (jedenfalls für Europa), indem er Postkarten, Wimpel, Aufkleber und T-Shirts mit dem Sternenlogo produziert. Dazwischen liegen unzählige Geschichten, Legenden und Gigs, wobei der Programmablauf für die beteiligten Bands oftmals eine wahre Knochenmühle darstellt und nur mithilfe von Aufputschmitteln durchzuhalten ist. Ab 1965 beginnt Weissleders Stern und der seines Clubs langsam zu sinken. Das gegenüberliegende (und noch heute an gleicher Stelle existierende) "Grünspan" sowie die Diskothekenszene laufen ihm den Rang ab. Er verpachtet den Star-Club, in dem am 31. Dezember 1969 schließlich die letzte Show stattfindet. Es spielen die Hamburger Lokalmatadore Hardin & York und Sphinx Tush als deren Support. Manfred Weissleder stirbt 1980 im Alter von 52 Jahren.

Auch wenn Ulf Krügers Buch ein paar Längen aufweist und man zu Beginn leichte Schwierigkeiten hat seiner Chronologie zu folgen, glänzt er mit profundem Hintergrundwissen und räumt mit einigen romantischen Vorstellungen über den Star-Club auf. Er stellt zahllose bekannte, unbekannte oder längst vergessene Bands vor. Am Ende fasst er in einem alphabetischen Register alle Künstler zusammen, die je im Star-Club aufgetreten sind. Und obwohl dies nur ein Auszug ist, finden sich alleine darin 422 Namen. Darüberhinaus bietet Krüger interessante Interviewsequenzen, zum Beispiel mit Ian Edwards (Ian & The Zodiacs), die viele Blicke hinter die Kulissen erlauben, sowie einen Exkurs durch die Geschichte des Swing der 40er Jahre und des Jazz der Fünfziger, des Skiffle, des Rock`n`Roll und des Beat und stellt dies immer wieder in Bezug zur Entwicklung der Hamburger Musikszene. Abgerundet wird das Ganze durch kurze Abrisse der wichtigsten Ereignisse in Politik und Gesellschaft aus den Jahren 1955 bis 1969, inklusive der damaligen deutschen Charthits. Das Ergebnis ist eine umfassende, spannende und überaus lesenswerte Dokumentation über die erste und einzige Kultbühne von Weltrang, die Deutschland je hatte. 

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